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Sie strömen auf den Markt
- die Ratgeber, die coram publico die Allheilmittel (im Konjunktiv zu sehen)
anpreisen und doch nichts weiter als Krisengewinnler sein dürften. Was der Autor
hier bietet gibt Anlaß zum Stirnrunzeln, denn die übergeordnete Ideologie ist
greifbar: Verstaatlichung des Bankenwesens, Aufsicht, Kontrolle etc. pp. Das ist
jene Lösung, die, weiter gedacht, Devisenausfuhrbeschränkungen, gläserne Konten
und Allmachtsgefühle für Datenjäger und Steuerfahnder impliziert. Wollen wir
das? Nein! Nun aber werden jene Verfechter der individuellen
Verantwortbarkeit jedwedes Handelns als geächtete 'Neoliberale' den Buckel
hinhalten müssen, damit sich die Schuldigen am unregulierten Fortgang des
Desasters ausmachen lassen. Dem Autor indes sollte man liberalerweise eine
abweichende Meinung zugestehen, welche allerdings an den Grundfesten der
demokratischen Grundordnung rüttelt und Marktmechanismen suspendiert. Nun hätte
man gerne von der Ursache der Wirtschaftskrise, die als Finanzkrise etikettiert
wurde, gelesen, doch Fehlanzeige. Diese Ursache greift weit zurück, nämlich in
die 80er Jahre, und liegt im US-Immobilienmarkt begründet. Clinton, damaliger
Präsident des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten (also auch der maliden),
zwang seinerzeit die Hypothekenbanken dazu, auch an unsichere Kantonisten
Hypothekendarlehn zu vergeben; das Ziel war, eine deutlich steigende
Wohnungseigentumsquote zu erzeugen, um die Menschen zu beruhigen und zu binden.
Sein Kalkül: Wer Eigentum besitzt, der wird nicht mehr gewalttätig, sorgt für
seine Kinder und arbeitet. Also konnte die im Bauministerium tätige Roberta
Achtenberg für ‚gerechtes Wohnen und Chanchengleicheit’ sorgen, und zwar rigoros
mittels neu eingerichteter ‚Vollzugsbüros’, die Heerscharen von Anwälten und
Ermittler beschäftigten, die darauf achteten, daß keine der Hypothekenbanken die
Antragsteller wegen ihrer Rasse etc. benachteiligten. So wurden sie gezwungen,
Hypotheken zu vergeben, die objektiven Kriterien nach gar nicht bedient werden
konnten... Man legte zudem die Nationalbanken an die Leine, die ein Viertel, die
anderen drei Viertel der Darlehn vergaben, und erfand flankierend hierzu eine
neue Bewertung (analog dem AAAA-Rating), nämlich das CRA (Community Reinvestment
Act). Kriterium war, wieviele Kredite an die nur wenig zahlungskräftigen Kunden
vergeben wurden. Je umfangreicher, desto höher wurde das Rating eingestuft. Das
wiederum zog, weil es strategisch so angelegt worden war, natürlich positive
staatliche Gutachten für Fusionen, Erweiterungen und die Eröffnung neuer
Geschäftsstellen nach sich. Damit wurde den Banken gewissermaßen ein
Betätigungsfeld eröffnet, das sie voraussehbar expansiv nutzten. Und somit war
die Basis für den Zusammenbruch von Mac und Mae und Lemann und anderen gelegt...
Das liest der Leser bei Zeise nicht, wohl weil es nicht ins Konzept paßte. Damit
wurde eine Chance zur objektiven Aufklärung vertan. Und das könnte vor dem
Hintergrund des vom Autor bevorzugten Zukunftsmodells eines staatlich und global
regulierten Finanzmarktes sehr subjektive Gründe haben. Oder meint er
tatsächlich, darin würden politisch-ökonomisch fundierte Zockereien ausgemerzt?
Soviel Naivität wäre fahrlässig.
PAPYROSSA,
2009, ISBN
3-89438-396-8,
14,90 Euro (brosch.)
Der
Verlag: www.papyrossa.de
in Köln
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