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Der Titel impliziert bereits ein nationales Unbehagen, das sich allerdings
noch nicht in dem Maße artikuliert, wie es erforderlich wäre, um eine breite
Diskussion über die demokratische Legitimation des Gebildes 'Europäische Union'
auszulösen.
Wäre dem so, dann müssten die Brüsseler Kommissare nebst Alibi-Parlament
argumentativ schutzsuchend in Deckung gehen. Vor wem? Natürlich vor dem nicht
gefragten Souverän der jeweiligen Nationalstaaten. Es würde aufgedeckt werden,
daß erstens die Gründung einer reinen Wirtschaftsunion mit abnorm
unterschiedlich leistungsfähigen (und -willigen!) Volkswirtschaften eine
verwerfliche, weil kontraproduktive Idee war, und zweitens die Negierung des
bedeutsamen, für die Akzeptanz bitter notwendigen
ethisch-kulturell-moralisch-intellektuellen Überbaus eines nicht mehr fernen
Tages nur eines produziert, nämlich den Ausbruch gewalttätiger Nationalismen.
Soweit die unwiderlegbare Faktenlage. Wenn nun das Buch des Volkswirtschaftlers
Prof. em. Franz-Ulrich Willeke auf dieser Grundlage argumentieren würde, wäre es
so, als zündete man einen Holzstoß in freier Natur an, nicht, um sich zu wärmen,
sondern um die Natur zu heizen - also ein abwegiger Gedanke. Nein, der Autor
argumentiert klug, denn er rekurriert auf das, was ist und, davon abstrahierend,
was sein wird - nicht nur, was sein könnte. Und damit entlarvt er mit einigen
wenigen Sätzen im letzten Drittel seines Buches die im eigentlichen Sinne
kriminelle Energie der Brüsseler Verantwortlichen - wenn man absichtsvolle
Wohlstandsvernichtung qua Entmüdigung so nennen will -, indem er 'Haushaltslöcher
stopfen als neues Ziel?! als deren larvierte Bemühungen, eine reine
sozialistische Transfer-Union zu etablieren, aufzeigt.
Er sagt: 'Müsste man dann nicht ganz einfach von seiten der EU betriebenen,
missbräuchlichen Ausnutzung der Solidarität der Nettozahler sprechen?! Und
er fährt fort: 'Denn eines ist ja wohl klar: Wie wir spätestens aus der
Pisa-Studie des Lehrers mit seinen 27 Schulkindern wissen, ist die Summe der
Nettoleistungen gleich der Summe der Nettobeiträge. (...) Deshalb ist gesichert,
dass es dann die Nettozahler sind, die diese von der EU betriebene Variante des
Stopfens von Haushaltslöchern in vollem Umfang allein über ihre Nettobeiträge
tragen müssten. Sozusagen 'auf kaltem Wege', ungefragt, ohne parlamentarische
Kontrolle und ohne eine zusätzliche Belastung des EU-Haushalts.'
Und damit allein, mit solcher glasklaren
Aussage, beweist sich der Autor als profunder Kenner eines irreparablen
Systems von Nehmen und Geben, vulgo Ausplünderung des einen zum Nutzen des anderen,
oder: des Fleißigen und Verantwortungsbewußten zum Wohle der Faulen und
Verantwortungslosen. Das sei zu krass formuliert, weil es nicht die diesen
Parametern beigeordneten unterschiedlichen Mentalitäten der Mitgliedsstaaten
berücksichtige? Nein, es ist sogar wohlwollend formuliert, denn was der Autor
höflichkeitshalber anders benennt kann der Rezensent zwanglos, sich an der
etymologischen Auffassung von faul und fleißig, von verantwortungsbewußt und
verantwortungslos orientierend, interpretieren.
Der Leser sei dieserhalb auf Kap. 1
verwiesen: 'Die Lastenverteilung innerhalb der EU und wie dabei Nettozahler
und Nettoempfänger entstehen.' Sie dient als Augenöffner, um Blinde sehend
zu machen, so daß er (durch Grafiken, Tabellen und reichhaltige Anmerkungen
unterstützt) rund 40 Seiten weiter zum o.e. Punkt der Betrachtungen gelangt und
mit dem Autor im Kapitel 'Ausblick' auf den letzten elf Schlußzeilen einig
werden kann. Welche das sind? Wird nicht verraten, denn es soll ja spannend
bleiben, um die Frage für sich allein beantworten zu können: Muß hier der Sack
oder der Esel geschlagen werden, um dem Spuk, genannt interessenspolitische EU-Solidarität, ein Ende
zu bereiten? Oder trifft zu, was Merkel anläßlich ihres Besuches in Singapur am
1. Juni 2011 coram publico intonierte: daß die EU und der Euro 'der deutschen
Herzensangelegenheit seien'? Hieraus ergäbe sich jedoch ein Kausalitätsproblem:
Woraus erwuchs die Wurzel solcher Aussage und woraus sprießt deren Legitimation?
Auch deshalb ein Summa cum laude für dieses fundierte,
offene und
doch so ganz und gar unprätentiöse Werk, das die Dinge beim Namen nennt und
Fragen von den Verantwortlichen zu beantworten fordert!
OLZOG, 2011, ISBN
3-7892-8332-1,
19,90 Euro (brosch.)
Der
Verlag: www.olzog.de in München
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