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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

POLLER

'Frei sein und dienen. Der Weg zur freiheitlichen Bürgergesellschaft.'

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Der Schlüsselsatz zum tieferen Verständnis des klug gewählten, sich an Humboldt orientierenden Titels findet sich auf Seite 189 des rund 300 Seiten umfassenden Werkes: 'Es gibt einen Zusammenhang zwischen Wachstum und Beschäftigung. Aber nicht, weil Wachstum zu mehr Beschäftigung führt, sondern umgekehrt, weil durch mehr Beschäftigung Wachstum entsteht (...).' Diese simple, von Wirtschaftspraktikern seit jeher verinnerlichte Formel ersetzte endlose Debatten in Talkshows, reihenweise erkenntnistheoretische Werke zu Wirtschaftsentwicklung und Wachstumsgenerierung - wenn, ja wenn, politisch Verantwortliche die Scheuklappen aus ideologischer Verbohrtheit und der Hybris selbstherrlicher, beratungsresistenter Entscheidungsfindungen abzulegen gezwungen würden und ökonomische Binsenweisheiten als fundamental wirkende Marktmechanismen eingebleut bekämen. Wäre ein solches Szenario einer sich von oktroyierten Fesseln selbst befreienden Gesellschaft denkbar? Zumindest erhielte sie in der Wirtschaftsgeschichte einen Ehrenplatz. Und damit dürfte solche Annahme in den Bereich der Fabel verwiesen werden. Was der Autor indes beabsichtigt könnte jedoch den Weg dorthin auf Dauer versperren und der Erkenntnis Bahn brechen, daß das Privileg der Selbstbestimmung unaufhebbar mit der Pflicht zum selbstverantwortlichen Handeln verbunden ist, was in praxi sowohl Selbstbescheidung von Wünschen als auch Dienen im Sinne des ichbezogenen Verzichtenwollens zugunsten der Prosperität der Gemeinschaft bedeutete. Hier setzt der Autor für den Leser den Hebel zur Erkenntnis an, und zwar mittels eines umfangreichen Prologs zu Gesellschaft und Staat im Laufe der Geschichte, überleitend in einen Exkurs über den Modernen Verfassungsstaat und hinführend zur Darstellung von Wirtschaftsordnung und Sozialer Marktwirtschaft. Dies ist insofern von Bedeutung, weil Geschichte eben nicht als Abstraktum, vielmehr als eine kausale Abfolge menschlicher Entscheidungen oder Unterlassungen zu bewerten ist. Wer dies akzeptiert, wird dem Autor in seiner Analyse des Versorgungsstaates - der durch verantwortungslose Weckung von Begehrlichkeiten erst etabliert wurde - beipflichten und seiner Schlußfolgerung, daß ausschließlich eine sich an einer 'Kultur der Freiheit' orientierende Gesellschaft eine Gemeinschaft mündiger Bürger bildet, zustimmen. Allein diese ist Herausforderungen zu Fragen ihrer kulturellen Identität, denen des Wertes von Patriotismus und damit letztlich der Prosperität aller Güter, also auch die den Boden hierfür bereitende wirtschaftliche Rahmengebung, gewachsen. Und hier rundet sich das Bild insofern, als Wilh. v. Humboldt in der Idealität einer Gesellschaft die Bildung des Einzelnen zu einem 'proportionierlichen Ganzen' erblickte und dieses Ziel als politische Unabdingbarkeit deklarierte. Horst Poller wählte für dieses Essential zeitgemäße, gleichwohl nicht minder eindringliche Worte, und dies ist das große Verdienst seines Werkes: zu zeigen, was notwendig ist, um das Land aus der Lethargie zu befreien und voranzubringen, was es bedeutet, sich seiner Freiheitsrechte bewußt zu sein, und welche Forderungen der mündige Bürger an sich selbst und sodann an jene, die seine Rechte zu bewahren vortäuschen, mit Vehemenz durchzusetzen bestrebt sein muß. Die Grundlage hierfür in Argumentation und Handeln werden ihm mit diesem wissensgewichtigen Buch anhandgegeben.

OLZOG, 2006, ISBN 3-7892-8192-1, 29,90 Euro (HC)

Der Verlag: www.olzog.de  in München