|
|
Das jetzt in TB-Ausgabe
vorgelegte Buch des Professors für Ökonomie erweist sich als jenes seriöse und
kompetent verfaßte Werk eines Autors, der faktisch etwas zu sagen hat, und zwar
schon 2006, als er das Manuskript vorlegte. Zum Inhalt sei hinzugefügt, daß er
sich an des Denkens nicht verlustig gegangene Leser wendet, die sich eine
kritische Distanz zum eigenen (ökonomischen) Handeln bewahrt haben. Diese
Zielgruppe hat der Autor anvisiert, denn nur ihnen ist zu helfen möglich:
mittels eigenverantwortlichen Umganges mit nicht unmittelbar benötigtem Gelde.
Das klingt merkwürdig in einem Umfeld von Raffkes, die die Politik ebenso gerne
wie ausgiebig als 'kleine Leute' apostrophiert. Nun, da die Schuldigen
ausgemacht sind, werden sie zu Opfern gieriger Banker stilisiert und diese
wiederum als Verursacher allen Übels gebranntmarkt. Otte korrigiert diese
populistische Sichtweise, indem er der politisch-ökonomischen Rahmengesetzgebung
eine gewaltige Mitschuld anlastet. Wer sehen kann, der sehe: eklatantes Versagen
staatlicher Bankenaufsicht; fahrlässig handelnde LB's; Derugulierung des
Derivatenhandels etc. etc. Die Grundlage für das sich schon im Frühjahr 2007
abzeichende und lange öffentlich verschwiegene Desaster (das Buch erschien da
bereits) war jedoch nicht ausschließlich die Gier einzelner Manager und deren
Planvorgaben an die Mitarbeiter, vielmehr waren es all die raffgierigen 'kleinen
Leute', denen Tagesgeldsätze von drei Prozent als Zumutung erschienen und die
den Zehnprozenter nahmen, sei er auch in Island oder sonstwo zu ergattern. Ottes
Buch liest sich wie eine Protokollierung der die Banker mit ihren wahnwitzigen
Ansprüchen vor sich her treibenden 'kleinen Leute' - die mußten um des
Überlebens willen Konstellationen der (virtuellen) Geldvermehrung erfinden, um
im Wettbewerb der Begierden zu überleben. Sie taten es, sie mußten es tun. Und
so schloß sich folgerichtig der Kreislauf des Ruinösen: Malus und Bonus
überboten einander - die Mali überlebten, wie man jetzt mühelos feststellen
kann. Allerdings gehört hierzu Intelligenz, nicht Bauchgefühl. Otte gibt
tradierte Tips, wie man diese sich auf gute fünf Jahre hinziehende Systemkrise,
die man euphemisierend Wirtschaftskrise nennt, geldphysisch überlebt, seelisch
sodann in konkludierender Eintracht mit sich selbst. Alles dies ist auf rund 380
Seiten fundiert und ohne wirtschaftsenzyklopädisches Wissen lesbar dargebracht
und macht diese Buch zu einem Muß. Aber wie gesagt: es muß Intelligenz
vorherrschen, nicht das Bauchgefühl. Letzteres demoliert aus Wut den
Arbeitsplatz, der einem das Einkommen sichern hilft. Volksmund meint treffend
dazu: Nur ein Narr sägt den Ast ab, auf dem er sitzt! Wer von den geneigten
Lesern nun den US-amerikanischen Hintergrund des Desasters kennenlernen möchte,
lese die Anmerkungen in der Rezension zu
Zeises ansonsten
nicht erwähnenswertem Buch, und zwar ab Mitte Zeile 18. Das erhellt zusätzlich
die von keinem populären 'Aufklärer' vorgetragene Ursache des
Weltwirtschaftsumbruches und in dessen Schatten die rigide, den Einzelnen
entmündigende 'sozialmarktwirtschaftlich' manifestierte Neujustierung von Geld-
und Devisenflüssen, Schuldverschreibungen, Aktien und Zertifikaten. Die dato
noch verschwiegenen, bald sieben Millionen Arbeitslosen kümmert's nicht, denn
die werden durch geldwerte Armenspeisung so lange wie möglich in Schach gehalten
werden. Ottes Pessimismus geht noch weiter: Staatsbankrott, Währungsreform...
Sein Credo: Bargeld halten und Gold kaufen. Damit überlebt sich's. Das mutet so
altmodisch an und erscheint unter Hasardeuren wie ein Spottlied auf die braven
Sparer. Ist's aber nicht, denn am Golde hängt, zum Golde drängt - in leichter
Abwandlung des Goetheschen Zitates. Fazit: Ruhe bewahren und die Entwicklung
fein beobachten, dann ist reiflich Vorsorge getroffen. Und: keinem
Wirtschafts-'Weisen', Polit-Visionär und Berufs-Hellseher auf den Leim gehen!
ULLSTEIN, 2009,
ISBN
3548372902,
9,90 Euro (brosch.)
Der
Verlag: www.ullstein.de
in Berlin
|
|