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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

MIEGEL/PETERSEN 'Der programmierte Stillstand'

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Ein kleines, schmales Bändchen von hoher Brisanz: Meinhard Miegel, Leiter des Institutes für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn sowie Thomas Petersen, wiss. Demoskop in Allensbach, legen eine von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte (mikrozensische, aber repräsentative) Untersuchung vor über die Einstellung der Deutschen zu Wirtschaftswachstum und materieller Wohlstandsmehrung sowie deren Bereitschaft, entweder hart für ihren materiellen Erfolg zu arbeiten oder sich eher mit bescheidenem Wohlstand zu begnügen. Die Ergebnisse sind je nach sozial- und wirtschaftspolitischem oder soziokulturellem Aspekt ernüchternd bis begeisternd. Sie könnten Aussagen wie diese provozieren: 'Wir Deutschen' müssen endlich wieder arbeiten lernen, um unseren Wohlstand zu mehren, zumindest aber den Besitzstand zu sichern', oder: 'Endlich haben 'wir Deutschen' kapiert, daß Geld nicht alles, das sich selbstgenügende Sein in einer gleichmacherischen Welt die Seligpreisung der sozialen Postmoderne ist'... Die Autoren fragen, ob solche gegensätzliche Weltanschauung de facto Wohlstand sichernd und nicht eher seiner marktwirtschaftlichen Konzeption nach kontraproduktiv, d.h. Wohlstand mittelfristig reduzierend bis vernichtend ist. Die Antworten darauf findet der Leser in zahlreiche Graphiken und Tabellen eingespeist erschreckt wieder. Erschreckt? Oder tiefinnerlich begrüßend? Der Blickwinkel macht's. Objektiv hingegen stehen wir - nicht nur demographisch bedingt - seit langem an einem Scheideweg. Wohin die Reise geht, wie die Wege sich gabeln, weiß der Volksmund. Er hält hierfür einen einfachen Lehrsatz parat, aus generationenübergreifender Lebenserfahrung formuliert: Voller Bauch studiert nicht gerne und Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Auf solcher dem einen oder anderen Jüngeren vielleicht bizarr anmutenden Grundlage fußen indes die Parameter des wirtschaftlichen Gleichgewichtes. Ansprüche, vereinfacht gesagt, können nur in dem Maße ausgeglichen werden wie es das verfügbar geldwert Erwirtschaftete gestattet. Eine drohende Asymetrie ließe nur das Mittel beliebiger Geldvermehrung zu, wie es quod errat demonstandum die allerjüngste Gegenwart lehrt. Allerdings nur den Unwissenden. Der ökonomisch bewanderte Leser wußte, was auf eine Volkswirtschaft zukommt, wenn politische Hasardeure vertuschen und dem naiven Volk Honig ums Maul schmieren. In diesem Sinne werden die Autoren leider, leider wieder nur jene als Zielgruppe ansprechen können, für die Selbstbescheidung zwar eine Tugend, ökonomisch indes seit Adam Smith der Antrieb - also der Erwerbstrieb - essentiell für Wettbewerb und Wohlstand für jeden Marktteilnehmer ist. Unter dem Kapitel Anspruchdenken findet sich auf Seite 61 eine Aufgliederung über die jeweiligen Lebensziele der Befragten ab 16 Jahren: 'Wachsendes Einkommen' rangiert an letzter Position, an erster Stelle stehen 'gute Freunde haben, enge Beziehungen zu anderen Menschen', und an viertletzter Stelle (!) 'im Beruf vorankommen, aufsteigen.' Die rhetorische Volte zum Buchtitel läßt sich somit leicht schlagen. Dem Leser sollte sie den willkommenen Einstieg liefern, um zu verstehen, woran es in unserem Lande ökonomischerseits seit den Siebzigern hapert, und um die eigene Grundeinstellung kritisch zu überprüfen. Dies mutet wie ein Wort zum Tage an - aber es soll mehr als das sein. Zumindest soll den Leser nach der Lektüre das Empfinden erfüllen, versucht zu haben zu verstehen, weshalb Wirtschaft nur dann ihre Funktion als Wohlstandbewahrer erfüllen kann, wenn alle Markteilnehmer ihren Kräften gemäß an einem Strang ziehen und nicht nur Leistung markieren. Daß Wirtschaftspolitik hingegen erst die Rahmenbedingungen vorgibt und etwa Leistungsbereitschaft einkommenssteuerlich fördert, indem sie Progressionskurven schleift wiewohl Leistungsverweigerung sanktioniert, ist ein anderes Thema. Eine weitere Erhebung unter diesem Aspekt aus marktpsychologischer Sicht wäre begrüßenswert. Ihr voraussagbares Resultat lieferte politischen Akteuren dann keine Ausreden mehr.

OLZOG, 2008, ISBN 3-7892-8258-4, 12,90 Euro (PB)

Der Verlag: www.olzog.de  in München