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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

KURZ 'Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft.' 

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Knapp tausend Seiten Plädoyer für die Institutionalisierung von Rätesystemen, gegen Markt und Wirtschaft, gegen Globalisierung, gegen kapitalistische Geldmaschinen - der Autor verliebt sich direkt  in seinen Rundumschlag gegen alles, was ihm als Mitherausgeber der Zeitschrift 'Krisis' an einem Gesellschaftssystem, an dem er ungeniert partizipiert, sauer aufstößt. Das ist legitim, und das darf er. Wir haben ihn ausgehalten und wie werden ihn aushalten. Aber: Kritik am Kapitalismus, der per definitionem das Zusammenwirken gegenteiliger Kräfte zur Schaffung von geld- und mehrwerter Produktion ist, kann weder abgeschafft noch auf die Sicht eines Erkenntnistheoretikers reduziert werden. Allerdings hat der Autor in einem Recht, wenn er behauptet, daß das System als solches marodierende Banden Wirtschaftskrimineller anziehe. Wie sieht es aber aus in Kuba, Vietnam, Nordkorea, China? Mit offiziellem Rätesystem ökonomisch düster; offiziös indes prosperierend: wenn man Permissivität als Erfolgsfaktor für einen relativ reibungslosen Waren- und Dienstleistungsfluß ansetzt, Kritikern das Handwerk legt und mit der Welt in soufflierendem Ton kommuniziert. Alles, was der Autor da als gegenbeweislich anführt, ist Nonsens und der demokratischen Grundordnung diametral. Will er das? Vielleicht, denn so richtig weiß er es wohl selbst nicht. Er verkörpert die 68er Denkrichtung, in der sich die Halbwüchsigen von damals in der Illusion sonnten, Gesellschaft als eine amorphe Masse ideologisch so zurechtkneten zu können, daß sie auf Kommando pariert. Er spinnt eben den Faden, an dem das Glück des Revolutionärs hauchzart hängt, weiter. Traumweltler muß es geben, soll und darf es geben - nur muß man sie nicht noch belohnen, indem man ihre Weisheiten, die im Grunde genommen nur milieutheoretisch unendlich Wiedergekautes darstellen, nicht auch noch in Geldeswert absegnen. Es ist anzunehmen, daß Kurz von Smith noch nichts las, Mankiew nicht kennt und Schumpeter für ein Gesellschaftsspiel hält. Macht nichts. Theoretisierende Schwarmgeister gibt es zuhauf. Auch sie haben ihren in der Regel wohlbeheizten Platz in jener kapitalistischen Gesellschaft gefunden, deren Finanzierung ihnen nichts wert ist. Erich Kästner hätte dazu gesagt: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und so möge der Leser es auch mit Kurz halten: an der langen Leine und ihn sich austoben lassen. Pikant ist nur, daß gerade ein Verlag mit der Historie von Ullstein dies vorexerziert.

EICHBORN, 2009, ISBN 3-2821-87316-9, 24,95 Euro (geb.)

Der Verlag: www.eichborn.de  in Berlin