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Daß ökonomischerseits etwas
nicht mit rechten Dingen zugeht in unserem Lande scheint allmählich
Allgemeinwissen zu werden. Nach Jahren politisch unerbittlicher Forcierung
arbeitsfreier Einkommen aus Verweigerung und Spekulation platzte eine Blase. So
verlautete es aus vorbelasteten Kreisen. Es zerplatzte jedoch keine Blase der
Spekulation, sondern es war schlicht der Zusammenbruch eines Finanzsystems,
welches das virtuelle Geld favorisierte und nicht das reale. Was als Blase nicht
einmal mehr apostrophiert, vielmehr als Realitätsverlust der
Finanzmarktteilnehmer dem verblüfften bis verängstigten Sparer (der nota bene
seinen Teil durch pure Zinsgier dazu beitrug) zu verdeutlichen versucht wurde,
kommt der Gesamtheit der Steuerzahler immens teuer. Wohlgemerkt der
Steuerzahler. Wer aus welchem Grunde auch immer hiervon befreit ist, erlebt sein
Waterloo nicht in der Brieftasche, sondern nur vom Hörensagen. Und hier setzt
der Autor den Hebel an, der wirklich alles aus den Angeln wuchtet, den
volkswirtschaftlichen wie auch den schicken finanzpolitischen Rahmen. Das in seiner Nüchternheit
zu lesen erlaubt nur ein Urteil: Endlich! Endlich wird das Leichentuch geliftet,
um den malträtierten Toten in seiner ganzen Entstelltheit betrachten zu können.
Vermutlich reicht solcher Anblick allein nicht aus, es müssen Fakten her, um die
entprechenden Merkmale assoziieren zu können: Was war geschehen, daß es zu
diesem zerschundenen Leib kam? Wer und was ist ursächlich dafür? Wodurch wurde
er
so zugerichtet? Bachmann stellt, das ist klug, Analogien her, die es dem Leser
leicht machen, seinen Ausführungen zu folgen. Dieser erfährt beispielhaft, wie die
Zeit vor dem Schuldenmachen wohl funktioniert haben mochte (S. 114) bis hin zum
Anlegen eines politisch motivierten Maulkorbes für den investigativen
Journalismus (S. 277). Seit der Erstauflage 2003 hat der sechs Jahre später aktualisierte Inhalt
des Buches keinen Jota an systemischer Sprengkraft eingebüßt, im Gegenteil, es
geht noch viel enthemmter zu. Weshalb, wieso und warum? Weil die Ursachen viel
tiefer liegen als der normale und vom intimen Informationsfluß ausgesperrte Bürger ahnt.
Bachmann deckt sie auf, wohltuend unprätentiös und versiert, und so schließt
sich der Kreis der Analogien: vom zerschundenen Leichnahm (des Staates) bis hin
zum Leichenbeschauer (dem investigativen Fragesteller), der sich nicht
rechtfertigen sollte, es sei denn, Fragen würden künftighin, weil qua p.c.
als defätistisch und
subversiv gebrandmarkt, straf- und sanktionsbewehrt beantwortet. Fragen beispielweise danach, was
denn 'soziale Gerechtigkeit' bedeute. Der Autor subsummiert die
gesellschaftspolitischerseits unterdrückte Anwort unter sein Schlußwort mit der
Überschrift Die Freiheit in der Defensive. Diese 36 Zeilen allein genügten, um
zum Kauf des Buches zu raten. Sich ein X für ein U vormachen zu lassen wäre dann
kaum mehr möglich. Wenn doch, dann wäre dies einer pervertierten
Informationspolitik
geschuldet, die nur ein Ziel kennt: Wahrheiten zu unterdrücken, zu entstellen
und zu täuschen. Und die nur einen Feind ausmacht: aufgeklärte, wehrhafte Bürger.
Die allein könnten solches Szenario
verhindern helfen. Die Angst der Verantwortlichen davor ist riesengroß.
FRIELING & Huffmann, 2009, 2. Auflage, ISBN 3-8280-2790-9,
19,60 Euro (brosch.)
Der
Verlag: www.frieling.de in
Berlin
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