|
|
Das Buch präsentiert eine ausgezeichnete Hintergrunddarstellung von Ursache und
Wirkung der Finanzkrise im Spiegel der ethischen Dimension einer enthemmten
Geldpolitik sowie der Reformbestrebungen für eine globale Finanz-Weltordnung. Sechs
Autoren fächern ihre Sichtweise auf, wobei als Grundpostulat ordnungspolitische
Konsequenzen zur Verhinderung erneuter Finanzkrisen auszumachen ist. Ohne eine
globale ethische Grundströmung mag das illusorisch klingen, doch sofern alte
Tugenden wiedererweckt würden, reüssierte der gesamte Bankensektor und mit ihm der
komplementäre Finanzmarkt. Und zwar damit dem, wofür auch Autor Lawrence C. White,
Volkswirtschaftler an der George Mason University in Virginia, plädiert: daß ein
freies Bankenwesen auf 100 Prozent Reserven gestützt sein müsse, also ein klares
Plädoyer für die hundertprozentige Reservepflicht aller Bankeinlagen. Das
existierte schon einmal in Deutschland, und es war die sogenannte Golddeckung,
die im Markt den Handelnden Sicherheit garantierte. Aber - lesen wir bei einem
anderen Autor, Jörg Hülsmann, nach, ebenfalls Volkswirtschaftler und an der
Université d' Angers tätig, der im ersten Kapitel, gewissermaßen als
Prolog, die ethischen Probleme der Währungspolitik im Rückblick auf die
Entwicklung christlicher Grundsätze für die Warengeldproduktion auffächert.
Geben wir ihm Recht, fügen wir aber aus übergeordneter Sichtweise in Kenntnis
der psychischen Determiniertheit aller diesbezüglichen Verantwortungsträger
hinzu, daß einmal ausgebildete Reaktionsmuster internalisiert werden, was nichts
anderes bedeutet, als daß sie Zuschnappreflexe ausbilden, die alles wegbeißen,
was ihnen die großen Freßnäpfe wegnehmen und durch kleinere ersetzen will. Die
unmittelbare Gegenwart beweist dies dem Leser so hinlänglich wie tagtäglich.
Resultiert daraus finanzpolitischerseits nun Resignation anstelle von
Reformoffensiven? Man muß es nicht nur befürchten, es stellt nämlich das
bisherige Credo aller administrierten Finanzentscheidungen dar. Das Buch weist
somit etwas Gutes auf, es informiert den verunsicherten Markteilnehmer auf
gänzlich unspektakuläre Weise, fernab aller Apokalypsenpredigten. Das gibt es
also auch noch und sollte deshalb eifrig genutzt werden.
OLZOG, 2010, ISBN
3-7892-8325-3,
24,90 Euro (HC)
Der
Verlag: www.olzog.de in München
|
|