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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

ALTMIKS (Hrsg.) 'Die optimale Währung für Europa? Segen und Fluch des Euro.'

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Den Inhalt dieses Buches zu studieren müßte vom amtierenden Bundestagspräsidenten als Pflichtlektüre den Abgeordneten des Deutschen Bundestages auferlegt werden - dann könnte sich niemand von ihnen mit Unwissenheit herausreden oder faktenverzerrende Reden halten.

Was zeichnet Altmiks neues Buch aus? Daß er davon Abstand nimmt, worauf reißerische Autoren des Auflagenkalküls wegen nicht verzichten, nämlich Heerscharen apokalyptischer Reiter durch die Vorstellungswelten der Leser zu peitschen, um sie zu ängstigen und ihre  Unsicherheit noch zu steigern. Stattdessen klärt Altmiks auf. Seriös wie stets und fachlich sauber. Derlei Publikationen gibt es nicht  allzu viele, denn Massenverlage saugen aus der Sehnsucht der Leser nach Ordnung und Berechenbarkeit ihren Honig - und bieten nichts als Talmiwissen. Altmiks rettet dankenswerterweise die Tradition des fundierten und sorgfältig recherchierenden Fachpublizisten und läßt vier ungespreizt formulierende Fachleute zu Wort kommen, die sich mit dem Debakel auseinandersetzen, dem wir uns alle ausgesetzt sehen: dem Debakel einer gegen jede rationalökonomische Aufgabenstellung agierende europäische Fiskalpolitik. Altmiks benennt das Grundproblem so: "(...) Nachteilig ist der Verlust von flexiblen Wechselkursen als Anpassungsmechanismus, wenn sich die Volkswirtschaften europäischer Staaten auseinander entwickeln. Auch das Risiko einer Transferunion sollte berücksichtigt werden: Sobald ein Staat oder einige Staaten sich hoch verschulden und durch einen Anstieg der Lohnstückkosten Wettbewerbsfähigkeit verlieren, drohen Stützungszahlungen der wirtschaftlich stärkeren Staaten einer Währungsunion."

Komplementär hierzu dient der Aufsatz auf S. 23 von Charles B. Blankart, Prof. em. für öffentliche Finanzen an der Humboldt-Universität zu Berlin: 'Die Entstehung der Verschuldungskrise '. Es sind insgesamt markante Plädoyers für ein klar definiertes ökonomisches Handeln unter unbedingter Achtung der wirtschaftlichen Zumutbarkeitsgrenzen ihrer Mitglieder. Die supranationale EU ist allerdings ein rein ökonomisches, demokratisch nicht legitimiertes Experiment mit mehrdeutiger Zielsetzung -  Altmiks sagt hierzu richtig: 'Der Euro war und ist also ein politisches Projekt, das mehr von der Wirtschafts- und Finanzpolitik der einzelnen Euro-Staaten abhängig ist als von der unabhängigen (?) Politik der EZB.' Quod erat demonstrandum!

Es dürfte daher spannend werden, wie jene Zumutbarkeitsgrenzen definiert werden, wenn es der EZB nicht gelingt, das leichtfertig und gegen alle fiskalische Vernunft verspielte Vertrauen der Märkte in ebendiese Unabhängigkeit zurück zu gewinnen. Das Buch geht auch hierauf ein, indirekt zwar, doch so, daß die Zeichen der Zukunft bereits in der Gegenwart gedeutet werden können. Der Eingangsatz gilt auch deshalb mehr denn je für alle allein ihrem Gewissen verantwortlichen und keinen Weisungen unterworfenen Abgeordneten. Sie könnten sonst einst gefragt werden: Weshalb habt ihr dieses Europa nicht verhindert?"

 

OLZOG, 2011, ISBN 3-7892-8333-8, 24,90 Euro (HC)

Der Verlag: www.olzog.de  in München