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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Vita contemplativa

Lyrik aus heutiger Feder

von Massimo Levanter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wochen- und Weltende

 Wochenende

kurze Verlängerung

der Belichtungs-

zeit

lose Verdichtung

noch viel zu weit

keine Wende

dafür vier Wände

keine Veränderung

Bestandsaufnahme dessen

was verbleibt

und was vergessen

im Visier:

all die Anfänge

die alles bedeuteten

mit jedem Male

die später geleugneten

alle so wichtig

- und nur das war richtig -

das immerhin noch merken wir

und was wir sonst noch sehen

sind Fanale

nicht unangenehm

immer kleiner, immer banaler

alles scheint so unbesehn

herrlich verstummt

der Redramatisierung widerstanden

abgestanden?

ausgestanden, endlich!

alles untragisch endlich

abgelaufen und abgefahren

und jetzt leider, leider auferstanden

all das Erhabene, das man erkor

die Gelübte, die man schwor

mit unwiederholbarer Wucht

und wert

zum grossen Spielabbruch

oder aber, hört, hört

das Ziel aller Epen zu sein

Sterne, die man hatte

Tatsächlich rein und fein

zarte Bonbons auf Watte

Das alte Licht es spielt verrückt

verkannt, verlegen

und gebückt

einst überlegen

majestätisch

geodätisch

und verwegen. 

Und was man nun auch

vor sich einblendet

aufgebraucht

gebraucht und zurückgegeben

von uns selbst, aus einem anderen Leben.

auf der Strasse kein Glück

einen Song im Ohr

der erratisch tickt

Erinnerung schändet

ein zuckender Rest,

dressierte Reflexe

ohne Kontexte

die heroischen von früher

als wir alles vermochten

hilflos ironisiert

gedreht und gewendet

lobotomisch zitiert,

und doch unangefochten

einzige Führer

man nickt

der Kindheit entledigt

die Jugend falsch erraten

dann auch dies Missverständnis

noch verraten

unterdessen schwer erziehbar und missraten

steht man nun da als alternder Thor

sein eigenes Gefängnis

durchs Gitter

erkennend noch, was man verlor

weder tragisch noch bitter

während an allem andern es gebricht

weit und breit kein Attraktor

kein Motor in mehr Sicht

in dieser Persönlichkeit

die irgendwie noch immer nicht

gänzlich entkroch

dem Gerüst gesammelter Komplexe

zum Aplomb ist’s nicht mehr weit

es fehlt nur noch

unerschütterliche Spiessigkeit.

 

 

 

 
 

 

 

'Vita contemplativa' erscheint monatlich