_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Globalisierung

 

 

 

 

 

 

Globalisierung – was ist zu tun?

 

Gegen die Globalisierung zu sein ist so unsinnig wie gegen die Schwerkraft ankämpfen zu wollen. Sie ist die Konsequenz aus der Öffnung von Grenzen, der Liberalisierungen in aller Herren Länder und des damit verbundenen Zugangs zu billigen Arbeitskräften, aber auch zu riesigen Märkten. Verstärkt wird dies durch die Grenzenlosigkeit der Kommunikation und Transparenz (Internet) und die Verbilligung des Transportwesens. Wir alle profitieren davon: ob Fernseher, Computer, Kamera, etc., wir kaufen Produkte aus Fernost, weil sie bei etwa gleicher Qualität billiger sind. Der Geiz ist geil, auch wenn wir damit Arbeitsplätze in Deutschland gefährden. 

Fast jede Woche berichten die Medien von einem Stellenabbau bei einem heimischen Unternehmen, während es in Fernost, Mexiko, oder Brasilien nur so boomt. Genauso häufig gibt es Berichte von Firmenübernahmen durch „Heuschrecken“. Meist trifft es traditionsreiche, aber schwächelnde Unternehmen.  

Mit harter protektionistischer Hand gegensteuern zu wollen, funktioniert nicht. Einfuhrzölle für Produkte aus Billiglohnländern sind ein Schuss, der nach hinten losgehen kann. Wir würden als Export Weltmeister empfindlich getroffen, wenn etwa China seinerseits Einfuhrzölle auf unsere Produkte erheben würde. Subventionen, um Investitionen und damit Arbeitsplätze im Inland zu halten, sind im internationalen Wettbewerb geradezu anachronistisch. Arbeitsplatzgarantien, Streiks, Kündigungsschutz- und sonstige Regelungen haben auch nur kurzfristige Effekte. Sie setzen bei den Symptomen an und nicht bei den Wurzeln. 

Kämpfen wir keine aussichtslosen Kriege um den Selbsterhalt. Bei einem Kostenverhältnis von neun zu eins - eines westeuropäischen Fabrikarbeiters zu seinem Kollegen in China oder Malaysia - hat es keinen Sinn konkurrieren zu wollen. Bei Produkten mit hohen Stückzahlen die zudem leicht und billig zu transportieren sind, werden solche Länder immer im Vorteil sein. Der Markt lässt keine Wahl: wir müssen mit dieser Entwicklung mitgehen, wir müssen sie sogar noch intensiver vorantreiben als die Konkurrenz und das, so hart das ist, notfalls bewusst auf Kosten der eigenen Arbeitsplätze. Das Beispiel der deutschen Automobilindustrie zeigt, wie einerseits erbarmungslos, andererseits erfolgreich ein konsequentes Beschaffungsmanagement sein kann. 

Wir müssen uns dem Wettbewerb stellen. Wenn wir verhindern wollen, dass uns die Wellen erschlagen, müssen wir surfen lernen. Dabei ist die Ausgangslage gar nicht schlecht. Die Substanz der deutschen Wirtschaft ist gesund. Wir haben im internationalen Vergleich sehr loyale Mitarbeiter, die sich stark mit ihren Unternehmen identifizieren. „Employee Engagement“, welches man etwa in den USA immer wieder fördern muss, kann man bei uns als gegeben voraussetzen. Der Anspruch auf professionelle Arbeit, Qualität und Innovation muss nicht gepredigt werden, er wird gelebt.  

Was entwickelt werden muss, ist der „Mindset“. Wir Deutschen sind zu deutsch, deshalb werden wir im Ausland oft als Außenseiter betrachtet. Wir sind zu langsam, bürokratisch und unflexibel, zu verliebt in Besitzstände, Titel und Komplexitäten (und damit hervorragende Forscher), zu reserviert (leider schlägt das auch zum Kunden hin durch) und zu romantisch - wir erwarten zu sehr, dass die Welt gerecht und fair zu uns sein müsse. Es wird Zeit uns anzupassen, aber ohne unsere Identität zu verlieren und ohne unsere Werte zu opfern. Wir müssen uns öffnen für fremde Kulturen. Wir müssen die Welt zum Dorf machen und Feindbilder überwinden, ohne zu vertrauensselig zu werden. Wir müssen unsere Vornehmheit durch ein gutes Maß an Gerissenheit ersetzen, gerade in den fernöstlichen Märkten.  

Zum zweiten, wir müssen uns wieder auf betriebswirtschaftliche „Basics“ konzentrieren, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Finanzielle Stärke, damit Profitabilität und Wachstum müssen als selbstverständliche Werte eines Unternehmens wieder anerkannt sein. Sie sind noch der beste Schutz vor Übernahmen oder Stellenabbau. Zu diesen Werten müssen wir stehen, auf jeder Ebene des Managements. Wir sollten aufhören, unsere Mitarbeiter als „Arbeitnehmer“ zu behandeln, sondern wir müssen sie durch einen pro-aktiven Führungsstil als Mitunternehmer fordern und fördern und ihr Potenzial für die anstehenden Herausforderungen mobilisieren. 

Drittens, so dynamisch und kostenorientiert die globalisierte Wirtschaft jeden Tag ist, es kommt darauf an, in mittel- und langfristigen Zielen und Werten zu denken. Wichtig ist aus der Menge hervorzustechen und einen Namen, ein Gesicht zu schaffen, das für etwas Besonderes steht. Die konsequente Stärkung des Marken- oder Firmenimages ist heute wichtiger als das nächste Quartalsergebnis. Unternehmen wie Porsche oder Loewe zum Beispiel machen das vor.  

Der Kampf um den kostengünstigsten Zulieferer muss zwar gekämpft werden, er darf zum Kunden hin aber nicht sichtbar sein. Es ist Gift, wenn man den Produkten ansieht, dass sie billig produziert wurden. Gute Unternehmen achten darauf, dass das subjektive Erleben des Produktes durch den Kunden unter keinen Umständen vernachlässigt wird, egal wo das Produkt hergestellt wird. Der Service muss stimmen, das Unternehmen muss lokal präsent, sichtbar und erreichbar sein. Die Bedienungsanleitungen sollten als Aushängeschild betrachtet werden.   

Bei allem Verständnis für den Kostendruck, achten wir darauf, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Oft wird neben der Volumen-Fertigung auch die Prototypen- und Vorserienfertigung in Niedriglohnländer verlagert, also Bereiche an der Schnittstelle zwischen Produkt-Entwicklung und Fertigung. Gerade an dieser Stelle sind Qualität und „Time to Market“ die kritischen Parameter, nicht die Kosten. Das Know How dort zählt zu den Kronjuwelen eines Unternehmens, es sollte nicht leichtfertig weggeben werden.  

Zu guter Letzt: Stärke und Agilität sind wichtiger als Größe. Schnellerer Technologiewandel, kurzlebigere Produktzyklen, Taktiken der Konkurrenz, usw. erfordern ständige Beobachtung, schnelle Entscheidungen und zügige Umsetzung von Veränderungen durch eine motivierte Mannschaft. Deutschland ist im internationalen Vergleich eher mittelständisch gewichtet, für das Agieren im globalen Umfeld ist das ein großer Vorteil. Sie müssen nicht mit Anforderungen herumschlagen, die an große Konzerne gestellt werden. Sie haben keinen so kurzfristigen Ergebnisdruck und müssen keine umfangreichen Quartalsberichte veröffentlichen und diskutieren. Sie können sich ihre Nische suchen und dort sehr profitabel sein. Sie müssen nicht die Nummer eins oder zwei sein, um Investoren bei Laune zu halten, und sie müssen nicht ständig akquirieren oder verkaufen. Sie haben auch nicht den Druck, zweifelhafte Synergien realisieren zu müssen und können sich schlankere Organisationen schaffen, mit klaren Verantwortungen, transparenter Leistung und kurzen Entscheidungswegen.  

Ein Unternehmen macht im globalisierten Markt dann vieles richtig, wenn es aus Marktorientierung heraus auf harte betriebswirtschaftliche Faktoren (Kostensenkung) einerseits und auf weiche (Konzentration auf die Stärken) andererseits fokussiert. Denn nichts zählt mehr, als den Markt zu bedienen - je grenzenloser dieser Markt ist, umso mehr.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Josef Wenzl, München

 

>Thema Management (Okt.2007)

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

 

Josef Wenzl ist Geschäftsführer der

 

deutschen Niederlassung eines amerikanischen IT-Konzerns.