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BMW
streicht 8.100 Stellen, um die Rendite zu erhöhen.“
„Henkel streicht 3.000 Arbeitsplätze trotz Rekordgewinn.“
Aussage von Henkel’s
Konzernchef dazu: „Wir sichern aus einer Position der Stärke die
Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“ – so eine Aussage müssen die betroffenen
Menschen als ganz schön kaltschnäuzig empfinden. Aus betriebswirtschaftlicher
Sicht ist das Vorgehen jedoch legitim, sogar notwendig. Auch
gesamtwirtschaftlich macht es Sinn. Müssen wir also hinnehmen, dass selbst die
Profitabilität von Unternehmen keine Arbeitsplätze mehr sichert? Leute feuern
für höhere Renditen? Ja, das müssen wir, ist die harte, aber klare Antwort. Aber
es gibt einen Weg.
Dazu müssen wir zunächst etwas
ausholen. Eine Volkswirtschaft ist ein Regelkreis, in dem Güter und
Dienstleistungen, (also auch Arbeitsleistungen) gegen Geld getauscht werden. Das
Geld kommt ursprünglich von der Zentralbank, im Wesentlichen über Kredite. Je
mehr Geld wir bereit sind auszugeben, je mehr Güter und Dienstleistungen wir
also nachfragen, umso mehr werden angeboten. Unternehmen kaufen also Maschinen
und stellen Mitarbeiter ein (soweit im Inland produziert wird), um Produkte zu
erzeugen und zu verkaufen. Durch die dadurch fließenden Arbeitslöhne und
Unternehmensgewinne steigt das Pro-Kopf-Einkommen, damit die Kaufkraft und damit
wiederum der Wohlstand, der wiederum für weitere Nachfrage sorgt. Erhalt und
Vermehrung von Wohlstand (ist gleich Lebensstandard) ist die eigentliche
Funktion der Wirtschaft. Das wird deutlich, wenn man sieht, wieviele Autos heute
auf den Straßen fahren, Computer in den Kinderzimmern stehen, Menschenohren mit
iPods verkabelt sind, und Touristen in fernen Ländern Urlaub machen – und das
mit Zeiten vor etwa 30 Jahren vergleichen.
Machen wir die Grenzen auf,
dann handeln wir uns beides ein: Segen und Bedrohung. Zum einen können wir die
Rohstoffe im Ausland einkaufen und wir können fertige Produkte ins Ausland
verkaufen. Deutschland erwirtschaftet per Saldo einen Außenhandelsüberschuss,
das heißt wir exportieren mehr (hauptsächlich Autos und Maschinen), als wir
importieren. Bedrohung kommt durch die Konkurrenz der „Niedrigkosten-Länder“,
wie Taiwan, Indien, Mexiko, China, neuerdings Vietnam und die Philippinen.
Ausländische Unternehmen bieten ihre – billigeren - Produkte im Inland an und
schöpfen damit heimische Kaufkraft ab. Immer mehr Arbeitsplätze wandern ab in
Billiglohnländer, erst in der Fertigung, jetzt mehr und mehr auch Jobs in der
Forschung und Entwicklung. Durch den stärkeren Euro werden deutsche Produkte und
Arbeitsleistungen im Ausland teurer und ausländische Produkte und
Arbeitsleistungen im Inland billiger, die Konkurrenz wird schärfer. Es hat
keinen Sinn, diese Globalisierungseffekte zu bekämpfen, solange wir selbst
billig einkaufen wollen – sie sind einfach Realität. Wir müssen uns dieser
Konkurrenz stellen.
Gelingt es, konkurrenzfähig zu
bleiben, haben alle Teilnehmer an diesem Regelkreis ihre Vorteile. Unternehmen
machen Gewinne, Arbeitskräfte erzielen Ersparnisse, der Staat seine
Steuereinnahmen. Die Gewinne und Ersparnisse werden nicht mehr wie früher
zuhause im Tresor eingeschlossen oder in Strümpfe gestopft, sondern fließen zu
Banken und anderen Finanzinstituten wie Versicherungen, Anlage-Fonds, Private
Equity Gesellschaften (die gefürchteten „Heuschrecken“), es entstehen
Kapitalsammelstellen. Diese wiederum versuchen, das Geld gewinnbringend weiter
zu verleihen oder anzulegen – das gleiche, was wir mit privatem Geldvermögen
auch tun.
Die Geldsammelstellen werden zu
einer volkswirtschaftlichen Kraft an sich und trifft auf die deutsche Wirtschaft
mit noch größerer Wucht als die Globalisierung selbst. Um die Größenordnungen zu
verdeutlichen: McKinsey schätzt das globale Finanzvermögen (Bankeinlagen und
Wertpapiere) auf 167 Billionen US-Dollar (2006). Diese gigantische Zahl
entspricht etwa dem 3,5-fachen des globalen jährlichen Bruttosozialproduktes!
Mit über 56 Billionen Dollar stellen die USA gut ein Drittel der globalen
Vermögenswerte, gefolgt von der Eurozone (38 Billionen) und Japan (19
Billionen). Die Schwellenländer und Länder mit hohen Rohstoffverkäufen holen
massiv auf. Bereits an fünfter Stelle steht China mit 8,1 Billionen - das ist
das Dreifache des deutschen Buttonationaleinkommens! Russland ist bereits an
neunter Stelle (1,6 Billionen) gleich hinter Indien.
Dieses Finanzvermögen erzeugt
einen massiven globalen Anlagedruck. Die Zahl der Anlagemöglichkeiten ist
riesig, es gilt jedoch immer der Grundsatz: Je höher die Gewinnchancen, desto
höher auch das Risiko, und umgekehrt. Wer sein Geld auf ein Sparkonto einzahlt,
bekommt nur eine geringe Verzinsung, hat dafür aber kein Risiko. Wer sein Geld
in ein Unternehmen steckt, kann hohe, sehr hohe Gewinne machen, solange das
Unternehmen gute Renditen erwirtschaftet. Schlägt es fehl, erhalten seine
Investoren keinen „Return“ und ziehen sich zurück; die Unternehmen verlieren
ihre Geldmittel, sie schwächeln, müssen Stellen abbauen oder gehen pleite. Um
Investoren anzuziehen und zu halten, müssen Unternehmen wesentlich höhere
Renditen zu erzielen als alternative Anlageformen mit niedrigerem Risiko.
Investoren sind subjektive Wesen. Die Renditen von morgen sind wichtiger als die
von gestern, Erwartungen und Vertrauen sind ausschlaggebend. Investitionen
basieren zu einem großen Teil auf Spekulation. Den Glauben an die Ertragskraft
können Unternehmen nur aufrecht halten, wenn sie stetig und ständig wachsen.
Wachstum und Renditen sind damit die Kern-Kriterien für den Unternehmenserfolg.
Ohne sie sind Unternehmen keine Unternehmen, sondern gemeinnützige
Organisationen – oder Liebhaberei-Betriebe ihrer Besitzer oder Gründer (das ist
dann auch in Ordnung).
Wachstum erzielt man entweder
im Konkurrenzkampf um Marktanteile, oder man schafft gleich neue Märkte durch
neue Produkte, auf der Basis von neuen Ideen und Technologien. Beispiele sind
der iPod oder das Hybridauto. Wer immer nur das gleiche alte Produkt verkauft,
dem werden Konkurrenten mit besseren / billigeren Produkten bald die Nachfrage
wegnehmen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Stillstand ist
Rückschritt. Innovation und Flexibilität dagegen ist Fortschritt.
Wachstum hat keine Grenzen,
denn auch Wachstum ist ein Kreislauf. Es löst Bestehendes ab, die Eisenbahn den
Pony-Express, die Traktoren die Pferdegespanne, der Computer die Schreibkräfte,
das Internet den Einzelhandel. Wachstum schichtet um: den Inhalt von Jobs (weg
von körperlicher hin zu mehr steuernder Arbeit), den Inhalt von Unternehmen
(Nokia stellte fürher in Reifen her, Mitsubishi Nähmaschinen), ja ganze
Industrien und Branchen. Das Alte bricht stetig weg und wird durch Neues
ersetzt. Wachstum ist auch gesellschaftlich essentiell wichtig, über den Konsum
hinaus. Natürlich hat Wachstum auch Schattenseiten, z.B. die Umweltbelastungen,
dort muss regulierend eingegriffen werden. Neue Technologien haben das Leben
jedoch leichter gemacht. Die Fortschritte im Gesundheitswesen sind enorm, die
Lebenserwartung ist rasant gestiegen. Benachteiligte haben heute wesentlich
bessere Chancen als früher.
Zu Renditen:
Die Notwendigkeit
ergibt sich
aus zwei Gründen:
Durch das dadurch angesammelte
Geldvermögen erhöhen Unternehmen ihren Wert, ihren „Shareholder Value“. Mit der
Werterhöhung (oder über Gewinnausschüttungen, beides hat denselben Effekt)
erhält der Investor seinen „Return“, darüber haber wir schon gesprochen. Der
Shareholder Value eines Unternehmens ist heute wichtiger als seine langfristige
Stabilität - leider. Besonders stark zeigt sich dies bei börsennotierten
Gesellschaften. Früher wurde die Qualität eines Unternehmens nach seinen
Produkten, seinen Technologien, seinen Leistungen, etc. beurteilt. Diese
Faktoren sind nach wie vor zwar wichtig, im Vordergrund stehen heute aber die
Finanzdaten. Nicht mehr nur seine Produkte, sondern das ganze Unternehmen ist
plötzlich den Regeln von Angebot und Nachfrage unterworfen. Und das auf
internationalem Parkett, nicht mehr nur im romantischen Deutschland.
Der zweite Grund: Unternehmen
brauchen starke Bilanzen, um in ihr Wachstum investieren zu können. Neue
Technologien erfordern neue Maschinen, neue Standorte, neue Mitarbeiter,
eventuell müssen andere Unternehmen zugekauft werden, um Ressourcen, Know-How,
Zugang zu neuen Märkten, etc. zu erwerben. Das ist riskant. Selbst das straffste
Management kann nicht garantieren, dass ein neues Produkt am Markt einschlägt.
Es nicht zu wagen, wäre aber vielleicht noch riskanter. Verschärft werden die
Risiken durch die globale Konkurrenz und die Schnelllebigkeit der Produkte
aufgrund der rasanten technologischen Veränderungen. Unternehmen, die
traditionell immer ertragskräftig und grundsolide waren, können heute innerhalb
kurzer Zeit abstürzen.
Je nach Branche müssen Renditen
im internationalen Umfeld bei etwa 15 bis 20% des Umsatzes liegen, um ein
Unternehmen dauerhaft sowohl stabil zu halten als auch voranzubringen. Es muss
wachsen, um profitabel zu sein, und es muss profitabel sein, um zu wachsen. Ob
Unternehmen langfristig existieren können, hängt von der Befolgung dieser
einfachen Regel ab. Stellenabbau wird also nicht trotz hoher Profitabilität
betrieben, sondern gerade deswegen. Für eine Volkswirtschaft ist Stellenabbau
zur Optimierung von Renditen weniger gravierend als Stellenabbau aufgrund von
Pleiten.
In Deutschland sind wir mental
immer noch auf einem anderen Dampfer. Wir halten Gewinnstreben für unmoralisch,
geldgierig und unsozial. Wenn für Renditen gar Arbeitsplätze abgebaut werden,
ist das kapitalistisch und skrupellos. Mit Gesetzeskeulen wie Kündigungsschutz,
Mindestlöhne, durch Streiks erzwungene Lohnforderungen und
Arbeitsplatzgarantien, usw. sollen Unternehmen dazu verdonnert werden, „sozial“
zu sein. Das geht jedoch zu Lasten ihrer Ertragskraft oder der
Wachstumsfähigkeit. In der Folge werden Unternehmen abwandern oder von
ausländischen Unternehmen oder Insekten übernommen - oder sterben. Die sozialen
Folgen kennen wir, sie sind an der Arbeitslosenstatistik abzulesen.
Der richtige Weg wäre, den
Regelkreis Wirtschaft zu stärken. Die Geldpolitik der Zentralbank sowie die
Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung sind natürlich wichtig. Damit
steuern sie das Fahrzeug Wirtschaft, geben bei Bedarf Gas oder bremsen und
stellen sicher, dass es auf der Straße bleibt. Die Dynamik der Wirtschaft kommt
jedoch woanders her. Der eigentliche Motor sozusagen sitzt tiefer als man
zunächst denkt und ist immaterieller Art. Es ist der „Mindset“, die „mentale
Power“ aller Menschen einer Volkswirtschaft. Gemeint sind Arbeitsethik,
Qualitätsbewusstsein, unternehmerisches Denken, Flexibilität, Forscher- und
Erfindergeist, der Wille zu konkurrieren, und vor allem Gewinnstreben. Dies sind
die eigentlichen Kräfte, die eine Wirtschaft antreiben und Krisen, Rezessionen
und Talsohlen überwinden helfen. In Deutschland ist es eher so, dass jede
konjunkturelle Krise stärker einschlägt als die nachfolgende Erholung wieder
gutmachen kann. Der Arbeitslosensockel wird mit jedem Zyklus höher.
Wollen wir wirklich für
Vollbeschäftigung sorgen, müssen wir bei diesem Mindset ansetzen. Stellenweise
müssen wir völlig umdenken. Wir brauchen wieder Risikobereitschaft statt
Sicherheitsdenken, Ausrichtung auf Wachstum statt falsches Sozialverständnis,
Gewinnstreben statt Klassenkämpferei, Einsatzbereitschaft statt
Fürsorgementalität. Das ist nicht nur Aufgabe der Politik, des Bildungswesens,
der Forschung, der Medien und der Gewerkschaften. Diese Aufgabe betrifft auch
nicht nur Unternehmer, die davon natürlich unmittelbar am meisten profitieren
würden. Sie betrifft jeden Abteilungsleiter, Angestellten und Arbeiter,
letztlich alle Bürger. Zum Besten Aller.
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Josef Wenzl, München.
Er ist Autor des im September bei
Principal erscheinenden Buches
'Führungskraft. Wie Sie Ihren
Vorsprung im Unternehmen
und globalen Wettbwerb sichern.'
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