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Noch nie hatten Topmanager
einen so schlechten Ruf wie heute. Noch nie gab es eine solche Häufung von
Skandalen und noch nie waren die Fälle so drastisch. Selbst wenn man nicht all
die Fälle von Korruption, Steuerhinterziehung und Geldgier auf sämtliche
Topmanager projizieren darf, die öffentliche Meinung tut es. Munter schlagen
Politiker, Journalisten und Gewerkschaften auf die deutschen Vorstände und
Aufsichtsräte ein und stellen sie als inkompetenten, Macht versessenen Filz
dar.
Wie reagieren die Topmanager
darauf? Sie bleiben stumm. Sie setzen der üblen Meinungsmache nichts entgegen,
sie sind auf Meinungs- und Auseinandersetzungsflucht (auf Steuerflucht sind sie
sowieso). Hat die öffentliche Meinung sie bereits disqualifiziert, so tun sie
das nun selbst, indem sie schweigen. Ihr Schweigen signalisiert entweder, dass
sie ein schlechtes Gewissen haben oder die öffentliche Meinung ihnen praktisch
egal ist, solange nur ihr Laden läuft. Damit geben die Führungskräfte ein Bild
von Führungsschwächlingen.
Manager sind jedoch diejenigen,
die die unternehmerische Energie in einem Land mobilisieren. Unternehmen gehören
zu unserer Gesellschaft, unser System funktioniert nicht ohne sie. Jeden Tag
gehen Abermillionen von Menschen zur Arbeit, jeder Mitarbeiter spricht mit
seinen Freunden, Bekannten, mit seiner Familie über seinen Job. Nur Unternehmen
können primär für Arbeit sorgen, nur sie können wirklich zum Wachstum und zur
Sicherung des Lebensstandards eines Landes beitragen. Das geht nur über die
Menschen – Menschen, die ernst genommen werden, die motiviert sind, die das
Leistungs- und Konkurrenzprinzip einer Volkswirtschaft verstehen.
Manager müssen sich den
öffentlichen Debatten stellen und eine Meinungsführerschaft bilden. Die
einschlägigen Arbeitgeberverbände oder die FDP leisten das nicht. Politiker,
Journalisten und die Gewerkschaften sind letztlich hilflos, sie greifen die
Probleme auf und bauschen sie für ihre Interessen auf. Sie haben außer der
Meinungsmache nichts zu bieten, keine Lösungen, denn sie schielen zu sehr auf
ihre Klientel. Außerdem hat die Mehrheit von ihnen noch nie verantwortlich ein
Unternehmen geleitet. Ihre „Reformen“ sind angesichts der Herausforderungen
lachhaft. Man brüstet sich des beachtlichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit, sie
liegt aber immer noch bei 3,5 Millionen. Das ist soviel, wie Berlin Einwohner
hat. Manager müssen aufhören, sich von Meinungsmachern vorführen zu lassen. Sie
sind jetzt gefordert, für Probleme Lösungen zu finden und auf die Fragen
Antworten zu geben. Die Politik, die Presse, die Gewerkschaften können es
offensichtlich nicht.
Die Antworten werden nicht
bequem sein. Gerade aber weil sie unbequem sind, muss man sie sachlich, klar,
laut und deutlich geben. Man muss versuchen, mit diesen Antworten jeden zu
erreichen - die Mitarbeiter im eigenen Unternehmen und den Mann auf der Straße
(und vor dem Fernseher). Es müssen Lösungen her für die Problematik der globalen
Herausforderungen mit ihrer internationalen Konkurrenz und der technologischen
Schnelllebigkeit gegenüber den bürokratischen nationalen Gesetzen und dem
lokalen verstrickten Netz von organisierten Interessenvertretungen. Wir brauchen
wieder eine vernünftige Balance zwischen Mitbestimmung und Mitverantwortung. Wir
müssen klar werden über die Unausgewogenheit von Zwangsmitteln (z.B. Streik) und
über die Illusion von Kündigungsschutz. Das Thema Soziale Gerechtigkeit wird
heute von Politik und Gewerkschaften belegt - dort darf es um Himmels willen
nicht bleiben. Unternehmer müssen Aussagen treffen, was Soziale Gerechtigkeit in
der Realität bedeuten soll und kann – wo die Unternehmen Säulenfunktion
wahrnehmen können, wo die Grenzen liegen, welche neuen Ideen es geben könnte. Es
ist bezeichnend, wie die Debatte über das Thema Investivlohn ablief: Kurz von
Politikern initiiert, von Gewerkschaften kommentiert, Ende. Kein (oder nur
wenig) Muh oder Mäh von Unternehmerseite. Aber wieder zurück. Unternehmer müssen
ihre Sicht darstellen, wie Vollbeschäftigung in Deutschland zu erreichen wäre.
Denn die Politik ist zerstritten und zaghaft, und die Vorstellungen der
Arbeitnehmervertreter sind völlig ineffektiv. Sie sollten auch darstellen,
welche Megatrends am Wirken sind (Klimaschutz, Nano-Technologie,
Dritte-Welt-Wirtschaft, um nur einige zu nennen), welche Problematiken sie
bringen werden, und wo die Chancen liegen. Die Liste ist endlos. All das wäre
aber notwendig, um dem Angst-Management der Meinungsmacher ein
Zuversichts-Management der ganzen Volkswirtschaft entgegenzusetzen. Nur auf
einem solchen Boden sind vernünftige Reformen möglich.
Dazu müssen sie nicht in die
Politik gehen. Das tun ohnehin die wenigsten - ist ja auch verständlich. Aber
sie sollten sich an öffentlichen Debatten beteiligen und nicht vor jeder
unsinnigen Forderung (nicht nur Lohnforderung) einknicken und resignieren, wie
zuletzt bei der Bahn geschehen. Sie sollten aufhören zu kneifen und sich statt
dessen hinstellen und sagen, was Sache ist.
Um das zu leisten, müssen sie
Vertrauen schaffen. Nicht durch eine Marketing-Aktion der Arbeitgeberverbände,
sondern indem sie sich auf alte deutsche Tugenden wie Fleiß, Anstand,
Wahrhaftigkeit besinnen, niemand schmieren (auch nicht den eigenen Betriebsrat)
und ihre Steuern bezahlen. Dann steht ihnen das Selbstbewusstsein zu, das sie
brauchen, um die Leistung von Unternehmen (und ihre eigene) wieder ins richtige
Licht zu rücken, Standpunkte klarzumachen, auch wenn sie unpopulär sind, und
damit wertvolle Orientierung zu geben für eine berechenbare, klare Wirtschafts-
und Gesellschaftspolitik. Richtige Reformen, jenseits von Meinungsmache und
klassenkämpferischer Profilierungssucht, sind nämlich überfällig, um dem
„kranken Mann“ Deutschland wieder auf die Beine helfen.
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Josef Wenzl, München
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