_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Kreditklemme – was tun? 

 

 

 

 

 

 

Kaum hat es jemals soviel Geld in Umlauf gegeben wie jetzt. Staatliche Beihilfen und Garantien aus den Konjunkturprogrammen haben den Liquiditätsbestand aufgebläht wie einen riesigen Luftballon. Weil die Leute verständlicherweise weiterhin sparen, bleibt das Geld in Kapitalsammelstellen hängen – bei den Banken. Die müssten sich eigentlich über das billige Geld freuen und jetzt munter Kreditgeschäfte machen, aber das Gegenteil ist der Fall. Die Banken halten sich zurück, verlangen Kreditzinsen in unveränderter Höhe obwohl die Refinanzierung noch nie so billig war.

Man muss verstehen, was bei den Banken „abgeht“: Durch den Schock der Finanzkrise sinkt die Risikobereitschaft in der Wirtschaft generell in den Keller, warum sollten die Banken hier eine Ausnahme bilden? Auslandsbanken ziehen sich in ihre Heimatmärkte zurück, was Auswirkungen auf den Syndizierungsmarkt hat (das ist der Markt der Konsortialkredite zur Finanzierung von Großprojekten und Großkonzernen). Sparkassen sind schwer durch ihre Landesbanken belastet, ihre Kreditportfolien sind durch schwächere Bonitäten gebeutelt, die der deutschen Großbanken auch. Diese beschäftigen sich zusätzlich noch mit Fusionen, Restrukturierungen und Wertberichtigungen auf ihren Wertpapierbestand. Wem es noch gut zu gehen scheint sind einzelne Kleinbanken und Genossenschaftsbanken. 

Was die Bonität ihres Kreditportfolios angeht, müssen die Banken natürlich alarmiert sein. Bei mittelständischen Betrieben hat es jetzt erst die Jahresabschlüsse für 2008 gegeben. Wie 2009 gewesen sein wird, sieht man erst Mitte 2010. Bis dahin wird die Nervosität der Banken nicht ruhig halten. Bereits jetzt machen sie Druck hin zu Kürzungen von bestehenden Kreditlinien. Bei Neukrediten und Kreditverlängerungen versuchen sie, härtere Konditionen durchzusetzen: kürzere Laufzeiten, strengere Auflagen, höhere Margen = teurere Zinsen. Nicht selten drücken Banken als Gegenleistung für ihre Kreditbereitschaft ihren Kunden andere Bankleistungen auf (Anlagen, Zahlungsverkehr, Außenhandel, etc.). Kredite zur Finanzierung von Unternehmenskäufen sind sehr problematisch geworden, High-Leverage und syndizierte Kreditaufnahmen fast unmöglich. 

Kredite reichen Banken meist nur noch für Betriebsmittel und Wachstumsinvestitionen aus. Folgende Finanzierungen werden in der Regel abgelehnt:

 

-    Verluste – die sind Sache des Unternehmers / Investors (sie heimsen ja auch die Gewinne ein).

-     Steuern und Zinsen – diese müssen aus dem laufenden Geschäft kommen. Daher sind die Preise für die Produkte/Dienstleistungen des Unternehmens entsprechend zu kalkulieren

-     Kredit-Tilgungen – ebenfalls aus dem operativen Cash Flow (also aus Projekten oder Betriebsmitteln, für die der Kredit war)

-     Ausschüttungen – klar, diese stammen ja aus vergangenen Gewinnen, die entsprechenden Finanzmittel sollten also eigentlich zurückgelegt sein.

-     Ersatzinvestitionen – sollten durch Abschreibungen von Alt-Anlagen finanziert sein. 

 

Aber Krise ist Krise. Was macht denn nun ein Unternehmen, dessen Aufträge eingebrochen sind, dem die Liquidität ausgeht, das ums Überleben kämpft? 

Was nicht helfen wird, ist seine Energie darauf zu verwenden, die alte „störrische“ Bank raus zu werfen und eine neue zu suchen. Kredit-Shopping kommt auch bei der vermeintlich neuen Bank nicht gut an. Man selbst würde nicht anders reagieren. Eine Ergänzung mit einer weiteren Bank ist sinnvoll, solche Absichten sollten aber mit der bestehenden Bank abgestimmt werden. Vielfach ist sogar eine Zusammenarbeit der beiden Banken möglich. 

Ich empfehle drei Schritte: (1) Hausaufgaben machen (2) Sich strategisch ausrichten (3) Reden. 

Zu (1) Das naheliegendste ist zunächst, einen eventuell hohen Berg an Kundenforderungen abzubauen. Immer wieder frappierend, gerade in kleinen und mittelständischen Betrieben, wie lax das Mahnwesen betrieben wird, und wie wenig der Außendienst auch in den Prozess des Eintreibens von Zahlungen eingebunden ist (Vertriebsprovisionen sollte man so lange zurückhalten, bis Kunden bezahlt haben).  

Etwas schwieriger, aber genauso dringend, ist meist die Optimierung des Lagerumschlages. Hier ist oft sehr viel Geld gebunden. Notwendig ist hier erst einmal eine Analyse des bestehenden Bestandes und wie er abgebaut werden kann. Dann sollte man auch die Beschaffungsprozesse, Lieferzeiten, Zahlungsziele Kommisssionsläger-Modelle, Optimierung von Stücklisten-Materialien schon in der Entwicklungsphase, usw. ansehen, inwieweit dies optimiert werden können.  

Für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens ist nicht die Finanzabteilung zuständig, sondern die Geschäftsleitung und das gesamte Management. Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung muss regelmäßig, zeitnah berichtet und diskutiert werden. Jahresabschlüsse müssen schnell stehen, mit klarem Verständnis der Zahlen und einem offenen Lagebericht (den Banken sich besonders genau ansehen). 

Eliminierung von Kosten und Komplexitäten. Dieser Bereich geht meist mit der Streichung von Stellen einher, ist unpopulär und Kräfte zehrend, da die Widerstände enorm sein können. Es hilft jedoch nichts. Wenn konkurrenzfähig bleiben, ja wer überleben will, muss ran. Ich verstehe Unternehmen nicht, deren Auftragseingänge – wie in einem realen Fall - ganze 80 Prozent (!) eingebrochen sind, die nur 10 Prozent der Belegschaft abbauen.  

Grundsätzlich gelten folgende Empfehlungen: (i) Besser stark als schwach – lieber einmal einen tieferen Einschnitt als mehrere halbherzige nacheinander. (ii) besser schnell als langsam – und wenn es nicht weh tut, stimmt was nicht. (iii) ultimative Verantwortung: solche Projekte sind erste Führungsaufgabe. Also: hinstellen, Fakten klarmachen, dabei allen in die Augen sehen (besonders den Mitarbeitern, die von Personalabbau betroffen sind) - und durch. 

Zu (2) Bei allen Hausaufgaben: Ist das Geschäft künftig tragfähig? Mit anderen Worten: wie komme ich aus dem Loch und kann wie bleibe ich draußen? Dazu sind Antworten notwendig auf folgende Fragen: Wie sieht der Markt aus, wie ist die Konkurrenzsituation, was tut die Konkurrenz (und was hat das für Folgen), - und was tun wir? Was tun wir, wenn’s nicht klappt (wie reagiert das Unternehmen auf Umsatz- und Ertragseinbrüche, wie merken wir solche Entwicklungen überhaupt rechtzeitig?). Das ist hier schnell geschrieben und gelesen, erfordert aber eine Unmenge an mentaler Klarheit und Verbindlichkeit mit allen Kennern des Geschäfts im Unternehmen. Und schließlich das aktive, lebendige Kommunizieren. 

So, nun zu (3): Wenn die Hausaufgaben gemacht sind, und die Strategie klar ist, heißt die Devise Reden. Mit Lieferanten und Partnern, mit Investoren und Mitarbeitern, mit Kunden und Behörden und – mit Banken. Banken tun das, was sie als Außenstehende tun müssen: Kennzahlen-Relationen erschließen, um die Kreditdienstfähigkeit zu ermitteln. In der Regel ziehen sie die Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre und die Planbilanzen für die nächsten 2 bis 3 Jahre heran. Eine Liquiditätsplanung ist ebenfalls notwendig. Nur: in Zeiten der Krise gibt das alles nicht viel her. Und das wissen die Banken auch.  

Der Kernpunkt im Umgang mit Banken ist: Wer plausibel darlegen kann, wie er in durch die Krise kommt, der bleibt kreditwürdig. Das Wort Kredit leitet sich ab vom Lateinischen credere, anvertrauen. Vertrauen kann man nur haben zu Menschen, nicht zu Kennzahlen, wenn es um den Fortbestand eines krisengeschüttelten Unternehmens geht. Daher ist notwendig, dass man sich häufig mit Bankern bespricht (einmal pro Quartal). Der Gesprächstoff sollten nicht nur die Bilanzen, Planungen und Kennziffern sein, sondern das Ergebnis der Hausaufgaben (siehe 1) und die Strategie des Unternehmens (siehe 2). Ich habe erlebt, dass manch Banker sich davon anstecken ließ.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Josef Wenzl, München.

Er ist Autor des bei bei Principal erschienenen Buches

 'führungs I KRAFT. Neue Energie im Unternehmen'

 

Pflichtlektüre für alle,

die  beruflich weiterkommen und die Ursachen

der Wirtschaftskrise verstehen wollen! 

 

Rezension lesen

 

Ihre Meinung zu diesem Text ist gefragt:

redaktion@deutscher-buchmarkt.de

oder direkt an den Autor: jwenzl@gmx.de

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Josef Wenzl ist Geschäftsführer der

 

deutschen Niederlassung eines amerikanischen IT-Konzerns.