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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Mindestlöhne und Gerechtigkeit

 

 

 

 

 

 

Es gibt keine Sicherheit von Arbeitsplätzen, weil es keine Sicherheit gibt, dass Kunden zukünftig kaufen werden. Der Wettbewerb ist frei und die Globalisierung hat ihn international noch dramatisch verschärft. Die Bestätigung dieser Logik ist an der Arbeitslosenstatistik abzulesen. Führen wir diese Logik konsequent fort: Mindestlöhne machen nur dann Sinn, wenn Kunden auch bereit sind, Mindestpreise zu bezahlen. Das tun sie aber nicht. Drückt man Mindestlöhne trotzdem durch, führt das zu den gleichen Konsequenzen: Arbeitslosigkeit.  

Zugegeben, dass Mindestlöhne zu Arbeitslosigkeit führen, ist umstritten. (Wer sich dazu mehr informieren will, es gibt einen hervorragenden Artikel in der Online Enzyklopädie Wikipedia zum Thema Mindestlohn, http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohn). Es wird argumentiert, die erhöhte Kaufkraft sorge für Nachfrageschub. Zunächst werden aber für dieselbe Arbeitsleistung die Kosten erhöht. Das muss zu einer Schieflage führen, die über Preiserhöhung (Inflation) oder Kostenreduzierung auf andere Weise (Rationalisierung, Personalabbau, Verlagerung in das billigere Ausland) wieder kompensiert wird. Damit verpufft die Wirkung auf die Kaufkraft. Die Märkte sind heute jedoch unter größerer Spannung als je zuvor – gerade bei Massen-Gütern hat man aufgrund der starken Konkurrenz aus Niedriglohnländern kaum mehr „Luft“, Preise zu erhöhen. Damit wird der Druck auf die Jobs massiv. Erst kürzlich hat das ifo Institut brisante Zahlen vorgestellt: Schon bei einem Mindestlohn von €4,50 würde das in Deutschland etwa 365.000 Jobs kosten. Bei höheren Mindestlöhnen gingen die Jobverluste sogar in Millionenhöhe. 

Aber: Ist es gerecht, dass Unternehmen immer höhere Renditen erzielen, den Mitarbeitern in Niedriglohnjobs aber nicht genug bezahlt wird, um damit leben zu können? Armut der Kleinen für die Geldgier der Großen? 

Nein, das ist nicht gerecht. Aber hier kommt eine harte und schonungslose Erkenntnis: Das Leben ist nicht gerecht. Es ist nicht gerecht, dass allein die Geburt über die Vorteile im Leben bestimmt. Noch immer verhungern Menschen in den Ländern der Dritten Welt, während es den Leuten in den westlichen Ländern vergleichsweise gut geht. Wer in eine wohlhabende Familie hineingeboren wird, hat bessere Chancen in der Bildung (und sonst auch). Wer geistig und körperlich ohne Behinderung geboren ist, hat immer die besseren Karten als der nicht so glückliche. Dass der eine Glück hat, der andere nicht, ist nicht gerecht.  

Bitte nicht falsch verstehen: Man kann Ungerechtigkeiten damit nicht einfach hinnehmen und die Hände in den Schoß legen. Notwendig ist aber, dass wir uns an den Realitäten orientieren. Wichtig ist einzusehen, dass Zwang und Hau-Ruck Methoden wie Mindestlöhne bestenfalls der Profilierung von Parteien, Politikern und Gewerkschaften dienen, aber sonst nicht effektiv sind. Sie führen in letzter Konsequenz sogar zu mehr Ungerechtigkeit (denn auch Arbeitslosigkeit ist eine Form) führen. Der Schuss geht nach hinten los. 

Was nur funktionieren kann, ist auf die Triebkräfte der Regelkreise Einfluss zu nehmen. Im Falle der Niedriglöhne wäre das, die Nachfrage nach Arbeitskraft zu erhöhen, indem man die Wirtschaft ankurbelt – nicht mit herkömmlichen Programmen, sondern mit Methoden, die den „Mindset“ aller Menschen beeinflussen. Hier einige Vorschläge: 

Erstens, wir müssen aufhören, an dem Ast zu sägen auf dem wir sitzen. Geht es den Unternehmen schlecht, geht es den Leuten noch schlechter. Wir müssen wieder ein unternehmerfreundliches Klima in Deutschland zu schaffen, statt Unternehmer als böse Ausbeuter zu brandmarken. Politiker sollten sich Bemerkungen über Heuschrecken und Karawanenkapitalismus sparen und stattdessen die Öffentlichkeit über den Nutzen der Wirtschaft aufklären, und wie sie funktioniert. 

Zweitens, es macht keinen Sinn, Mindestlöhne durchzudrücken mit dem Argument, die Unternehmen sollen dann eben weniger Gewinne machen. Der rasante technologische Fortschritt und der Globalisierungsdruck haben das Unternehmensrisiko so stark erhöht wie nie zuvor. Daher sind auch die Renditeansprüche von Seiten der Investoren so hoch wie nie. Wir müssen ein Verständnis dafür erzeugen, dass starke Renditen notwendig sind, um Investitionen im eigenen Land zu halten. Wandern die Investoren aus Deutschland ab, wird das (noch mehr) Stellen kosten.  

Drittens, wir müssen endlich ein klares Verständnis dafür zu schaffen, was Unternehmen in Deutschland leisten können und was nicht. Mindestlöhne festzulegen, die sonst nicht marktgerecht sind, bedeutet letztlich, eine weitere Soziallast (des Ausgleichs zum Lebensunterhalt) den Unternehmen aufzubürden. Die Soziallasten vom Staat auf die Unternehmen abzuwälzen, wird im hitzigen globalen Wettbewerb nur dazu führen, dass entweder Unternehmen abwandern (oder sterben) oder Arbeitsplätze verlagert werden – in beiden Fällen wird die Sozialproblematik sogar noch verschärft. Die Grenzen des Belastbaren sind bereits überschritten. Und vom Ergebnis her ist das System geradezu irrwitzig. 

Viertens, um den Staat in seinen Sozialaufgaben nicht völlig zu überfordern, brauchen wir wieder mehr Eigenverantwortlichkeit, Innovationslust und Unternehmergeist bei jedem einzelnen. Wir brauchen eine Kultur der Zusammenarbeit mit Unternehmen, statt einer Kultur des Gegeneinanders. Hier wären klare, konsistente Aussagen der Politik und auch der Presse notwendig. 

Fünftens, wir müssen hemmungslos in Bildung zu investieren, statt in Subventionen. Die Stärke einer Volkswirtschaft ist durch die Stärke seiner Menschen bestimmt, nicht durch seine Fürsorgesysteme. 

Sechstens, sehen wir der Realität in’s Auge, dass es immer dort einen Niedriglohnsektor geben wird, wo es keinen Spielraum für Preiserhöhungen gibt. Stellen wir klar, dass der Staat es für besser hält einen schlecht bezahlten Job zu haben, als arbeitslos zu sein. Mit einem Job, den man hat, kann man eigenverantwortlich etwas anfangen und versuchen sich hochzuarbeiten. Als Arbeitsloser fängt man wieder bei Null an. 

Siebtens, da wo der Verdienst nicht zum Lebensunterhalt ausreicht, wird der Staat nach wie vor einspringen, aber über ein klares, logisch strukturiertes System. Die mir am sinnvollsten erscheinende Lösung ist das Modell der negativen Einkommensteuer nach Milton Friedman. Die Idee ist, dass jeder ein Grundeinkommen vom Staat erhält, dagegen jedes Einkommen versteuern muss. Andere Formen der Grundsicherung (Sozialhilfe, ALGII) würden wegfallen und durch das Grundeinkommen ersetzt. Das Grundeinkommen würde ohne Rücksicht auf Bedürftigkeit gewährt, entsprechende Überprüfungen entfallen (zusammen mit den Kosten der dafür notwendigen Bürokratie), die Abwicklung würde über die Finanzämter erfolgen. Es würde Anreiz geben auch mit Niedriglohn zu arbeiten, nicht erst, wenn Sozialhilfeniveau erreicht ist. Natürlich müssten die Steuersätze so gestaltet werden , dass das System in sich finanzierbar bleibt und den Staat nicht zusätzlich belastet. Geringverdiener würden stärker entlastet, Höherverdienende müssten den Ausgleich tragen, der nach Umschichtung der ALGII, Sozialhilfe, etc. übrig bleibt. 

All diese Ansätze wirken nur langfristig, man wird die Fehlentwicklungen von Jahrzehnten in unserem Land nicht von heute auf morgen korrigieren können. Notwendig ist eine Beherztheit der verantwortlichen Politiker, für die Sache und damit letztlich für das Wohl des Volkes zu kämpfen. Auch wenn Maßnahmen unpopulär sind.

 

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Josef Wenzl, München

 

>Thema Der Wert eines Jobs (Jan.2008)

 

 

 

 

 

>Thema Stressmanagement (Dez. 2007)

>Thema Globalisierung (Nov. 2007)

>Thema Management (Okt.2007)

 

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Josef Wenzl ist Geschäftsführer der

 

deutschen Niederlassung eines amerikanischen IT-Konzerns.