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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Stress-Management

 

 

 

 

 

 

Die Ursachen von Stress sind nicht der hohe Leistungs-, Termin- oder Arbeitsdruck. Es ist nicht das Kindergeschrei, der Stau auf dem Weg zur Arbeit oder der Drucker, der gerade im entscheidenden Moment wieder nicht funktioniert. Die Ursache von Stress ist der Widerstand dagegen. 

Stress hat man nicht, Stress macht man sich. Er wird erzeugt und beeinflusst von unseren Erfahrungen und Einstellungen, häufig von Angst oder Wut. Dass Stress eine mentale Ursache hat, ist letzten Endes eine gute Nachricht. Wir können aus uns heraus Stress vermeiden oder reduzieren. 

Drei Wege haben sich dazu bewährt: Veränderung unserer Denkweisen, Fitness und Entspannung sowie Harmonisierung. 

Beginnen wir mit den Denkweisen und nehmen wir den Arbeits-, Leistungs-, und Termindruck als das nächstliegende Beispiel:

- Es wird immer mehr Arbeit als Zeit geben, mehr Ziele als Ressourcen, mehr Pläne als Maßnahmen und mehr Probleme, als man vorhersehen kann oder will. Das ist normal – das ist zwangsläufig so.

- Der Druck wird nicht besser wenn man weiß, dass Fehler anderer daran schuld sind und man selbst nun die Suppe auslöffeln soll. Der Torwart muss versuchen den Elfmeter abzuwehren, auch wenn ein anderer Spieler mit seinem Foul ihn verursacht hat (und es ihm nicht einmal Leid tut). Durch Schuldzuweisung auf andere erhöht man nur den Widerstand. Das Leben ist nicht fehlerfrei und schon gar nicht gerecht.

- Das Ziel, durch eigenen Fleiß alles soweit abgearbeitet zu haben, dass endlich keine Probleme mehr bestehen, ist nicht realistisch. Meist kommt das zweite Problem, noch bevor das erste bewältigt ist. Hilfe von außen (auch vom Chef) kommt auch meist nicht von selbst, sondern ist eine Holschuld. Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen.

- Wenn wir uns ernsthaft von Stress freimachen wollen, sollten wir aufhören damit zu kokettieren, sonst beschwören wir ihn herbei. Wir sollten aufhören innerlich damit zu prahlen wie sehr beschäftigt und „gestresst“ wir sind, auch wenn andere darauf hereinfallen (wahrscheinlich sind sie eher genervt). Schmeißen wir die Vorstellung, Überstunden seien wichtig, über Bord. Sie haben mit Effektivität und Effizienz nichts zu tun, eher im Gegenteil.

- Wenn wir aufgehört haben, mit dem Druck zu hadern oder sonst wie zu missbrauchen, bekommen wir einen klareren Blick für den nächsten Schritt: Noch länger und härter zu arbeiten löst das Problem nicht, wir können die Anforderungen unmöglich alle erfüllen. Hilfreich ist hier das Konzentrieren auf das Ergebnis, den „Output“, das wozu Sie eigentlich da sind. Setzen Sie klare Prioritäten und stimmen Sie sich ab, was Sie tun und was nicht („nein sagen“). Bei allem was zu tun ist, machen Sie einen soliden Plan, am besten mit Kollegen. Ziehen Sie alle Register an Hilfen. Machen Sie bald den ersten Schritt, denn wenn einmal angefangen ist, verliert manche unangenehme Aufgabe seinen Schrecken. Setzen Sie da klar und mutig Grenzen, wo Ihre Leistungsfähigkeit überschritten ist.  

Sein bestes geben kann man nur mit Fleiß und Disziplin. Die dabei erzeugte Anspannung ist in Ordnung. Im Gegensatz zum Stress ist sie noch nicht schädlich, solange auf die Anspannung wieder eine Phase von Entspannung folgt. Ständige, also chronische Anspannung würde für sich wieder körperlichen Widerstand und damit Stress erzeugen.  

Fitness ist hier immens wichtig. Fit werden Sie mit gesunder Ernährung, viel Bewegung und viel Lachen. Die gewonnene Kraft und Ausgeglichenheit verringern zum einen den Widerstand gegen die Anspannung, zum anderen werden Stresshormone leichter und schneller abgebaut. Es gibt Management-Berater, die dreieinhalb Stunden Sport pro Woche als Minimum sehen, nur um fit zu bleiben. Dabei ist häufigere, regelmäßige Bewegung besser als einmal groß am Wochenende. Egal was Sie tun, erzeugen Sie mit Ihrem Sport nicht zusätzlichen Stress durch übertriebenen Ehrgeiz oder Konkurrenzkampf, aber achten Sie darauf, dass Sie sich fordern (schwitzen!) und hinterher immer energetisiert fühlen. 

Geben Sie auch der Entspannung seinen Raum. Jeder hat seine eigene Art los zu lassen. Ich empfehle, selbst die anspruchlosesten Routinen (Autofahren, Essen, Toilette benutzen, usw.) zum Entspannungsritual zu erklären. Hüten Sie sich auf vor Aktivitäten, die entspannen sollen, aber auf subtiler Ebene eher belasten oder die Anspannung verstärken, z.B. fernsehen (kommt sehr auf den Film an), Computer spielen, „eine rauchen“, etc. 

Schließlich zur Harmonisierung: So verrückt es klingt, der erste Schritt ist die Trennung. Nehmen Sie Probleme nicht allzu persönlich. Geben Sie dem Problem einen Namen, trennen sie es von sich, stellen Sie es vor sich hin, dann frisst es nicht mehr in Ihnen. Wenn Sie im Stau stehen, sagen Sie genau das: „ich stehe im Stau und werde einen wichtigen Termin versäumen und ich kann nichts tun als anzurufen“. Oder „Ich weiß nicht, wie das Projekt innerhalb der Termine noch zu schaffen ist.“ Das holt die Situation herunter auf das was sie ist und entzieht dem Widerstand die Grundlage. Es schafft außerdem die Plattform von der aus Sie Hilfe holen können.  

Ein wenig schwieriger wird es mit dem zweiten Gang: harmonisieren Sie sich mit dem Problem. Freuen Sie sich, wenn es regnet. Wenn Sie sich nicht freuen, regnet es trotzdem. Wenden Sie das gleiche Prinzip an auf alle Monster von Mitmenschen, nicht funktionierende Geräte, unvorhergesehenen Probleme, usw. Setzen Sie eine andere Brille auf und „segnen“ Sie. Das ist nicht real? – Ihre anderen Urteile sind es auch nicht. So aber haben Sie weniger Stress. Es geht. Wirklich. 

Stress ist eine Zivilisationskrankheit. Ich wage die Aussage, dass sie von der Trennung in unserem Denken genährt wird, insbesondere von der harten Grenze, die wir zwischen Berufs- und Privatleben ziehen. Der Job ist Zwang, Freizeit ist Freude. Der letzte Schritt zu einem stresslosen Leben wäre die Aufhebung dieser Trennung. Ziel ist, was Mihaly Csikszentmihalyi mit „Flow“ beschreibt, ein Zustand, in dem Arbeit und Spiel, Routinen und rasante Arbeitsabläufe, Ziele und Wege, Vergnügen und Notwendigkeiten ineinander fließen, sich gegenseitig befruchten und uns wachsen lassen. Auch das sollte machbar sein, wenn auch in kleinen Schritten. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Josef Wenzl, München

 

>Thema Globalisierung (Nov. 2007)

>Thema Management (Okt.2007)

 

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Josef Wenzl ist Geschäftsführer der

 

deutschen Niederlassung eines amerikanischen IT-Konzerns.