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Lassen Sie
Kunstwerke auf sich wirken!
Angesichts eines Kunstwerks entsteht der
gleiche Zwiespalt wie angesichts des erwähnten Zen-Gartens: Statt zu schauen
wird überlegt. Das wirkt wie ein Zwang. Doch das Überlegen eröffnet nicht den
Zugang zu dem Kunstwerk, sondern versperrt ihn. „Was will der Künstler damit
sagen?“
Kennen Sie das Bild „Revolution des Viadukts“
von Paul Klee? Vor einem einfarbigen Hintergrund stehen mehrere Torbögen -
hinter einander und nebeneinander, jeder in einer anderen Farbe. Da könnte man
fragen: „Welchen Zeitbezug hat das Wort ‘Revolution’? Warum stehen die Tore
schief, warum sehen sie aus, als ob sie Füße hätten? Ist die Welt in Aufruhr?
Warum hat jeder Bogen einen schwarzen Umriss, eine Vorschau auf düstere Zeiten?
Was will Klee dem Betrachter mit den trüben, einfarbigen Farbfüllungen sagen?“
Das Bild wird keine dieser Fragen beantworten. Schauen Sie das Bild an! Schauen
ist die Voraussetzung für das Verstehen. Der Zustand des Nichtwollens ist die
Voraussetzung für das Schauen.
„Wie wollen Sie das beweisen???“ Eine
typische Frage, die nur wieder eine Überlegung zulässt und damit das Schauen
verhindert. Keine Frage, dass der oben erwähnte Rheinländer das Bild erklären
kann. Aber dass er mit dieser Fähigkeit nicht alleine steht, das beweist jeder
gewöhnliche Museumsführer. Doch für alle andern gilt ... anschauen: Das einzige!
Wenn man dann erlebt, wie sich nach einiger Zeit des Schauens und der
Konzentration plötzlich der Gesamteindruck verändert, wenn man plötzlich das
Gefühl hat, man habe das Bild verstanden, dann weiß man, dass das ein Vorgang
ist, der sich nicht in Worte fassen lässt. Jedes Wort ist dabei überflüssig, ja
schädlich, weil es von diesem Verständnis wegführt.
Hat man dieses Erlebnis des Verstehens
dagegen nicht, dann helfen Überlegen und Philosophieren auch nichts. Etwas
anderes anschauen und später zu dem Bild zurückkehren! Einen anderen Zugang gibt
es nicht. Das oben im Zusammenhang mit der Logik erwähnte „Dritte“ sucht man
auch hier vergebens.
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Der Hund denkt: Waauu!
Schauen - nicht denken! Sich nicht das Leben nehmen - sondern denken, man habe
sich das Leben genommen! Für Hunde alles ganz geläufig! Hunde nehmen sich nicht
das Leben - selbst die sogenannten ‘armen Hunde’ nicht.
Herrchen: Das alles
betrifft mich nicht. Denn ich bin für die Freiheit des Denkens. Was ich denken
soll, ob ich nichts denken soll, das lasse ich mir von anderen nicht
vorschreiben.
Woff!
Du denkst an die
Fußtritte, die Du bekommen hast, weil ich mich über Iris ärgerte? Ich hatte
starke Kopfschmerzen; nur daran lag das.
Woff,
Woff!
Was meckerst Du? Die
Kopfschmerzen, nun ja, die hatte ich, weil ich die ganze Nacht wach gelegen und
gegrübelt hatte - über die Worte, mit denen Iris mich beleidigte. Du meinst, das
Nachgrübeln sei kein Beweis für die Freiheit, sondern folge eher einem Zwang zum
Denken? Damit hast Du vielleicht recht.
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Denkzwang! Regression!
Anklammerung!
Analysieren Sie bei sich eine Depression!
Meditieren Sie: „Ich bin
tot! Will ich etwas anders haben?...“
Die Vergangenheit zum Glänzen bringen.
Scheibenwischermeditation
Hinaus aufs offene Meer, das ist das Ziel.
Keine Angst vor Seeungeheuern, keine Angst vor der Depression! Wenn wir alles so
hinnehmen wollen, wie es ist, dann brauchen wir eine positive Einstellung zur
Vergangenheit! Wie ist Ihre Einstellung zur Vergangenheit? Dies ist, wenn wir
vor dem Wind segeln, der Blick nach hinten. Der Blick nach vorne ist zum größten
Teil verstellt durch das Segel.
Überprüfen Sie Ihre Einstellung zur
Vergangenheit!
Stellen Sie sich vor, Sie müssten jetzt
sterben. Sie haben noch eine Nacht zu leben. Sie denken an Ihren letzten
Spaziergang gestern, und dieser banale, triviale Vorgang des Spazierengehens
beginnt in magischem Licht zu leuchten.
Einmal noch die Bahnhofstraße entlang gehen
können, über die Dächer schauen, die Wolkenbilder verfolgen, den Menschen
zusehen! Das gibt es jetzt nicht mehr. Jetzt - aber zu spät - merken Sie: Dieser
magische Blickwinkel ist der wirkliche, der angemessene.
Warum soll diese Einsicht auf Ihren letzten
Tag begrenzt sein? Wie Sie sehen, bewegen wir uns wieder auf einer anderen
Bewusstseinsebene, auf der Einstellungsebene. Man hat eine bestimmte Einstellung
oder man hat sie nicht?? Was wir jetzt tun, ist: Wir stellen unsere Einstellung
gegenüber der Alltagsumgebung in Frage. Unsere Alltagserfahrung erscheint in
einem anderen Licht. Folgende Meditation soll diese Veränderung bewirken:
Sie brauchen ein magisches Bild!
Man suche in der eigenen Vergangenheit nach
einer Lieblingsvorstellung: vielleicht einem seit der Kindheit gehegten
Tagtraum, einem Traumberuf, einem Wunschbild. Wollten Sie als Kind
Lokomotivführer werden? Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Lokomotivführer, der
mit seiner Dampflok durch eine Frühlingslandschaft fährt, sich dabei aus dem
Fenster lehnt und den Fahrtwind, die Milde und den Duft der Frühlingsluft,
genießt. Machen Sie diese Vorstellung - oder einen anderen Kindheitstraum - zu
Ihrem magischen Bild! Erheben Sie es zum Maßstab für die eigenen
Erinnerungsbilder!
Das soll heißen, Sie vergleichen Ihre
Erinnerung an den Spaziergang mit diesem magischen Bild und prüfen, ob beide
Bilder auf Sie den gleichen Zauber ausüben. Und das gilt in gleicher Weise für
irgendeine andere heute oder gestern ausgeübte Tätigkeit.
Der Zauber des magischen Bildes beruht
darauf, dass Sie die persönliche Situation des Lokomotivführers nicht kennen.
Sie wissen nicht, ob er sich krank fühlt, ob er sich Sorgen macht, ob er mit
seiner Tätigkeit als Bahnbeamter unzufrieden ist. Sie wollen es nicht wissen.
Dieses Wissen könnte den Zauber des Bildes zerstören.
Vergleichen Sie Ihre Erinnerungen mit dem
magischen Bild!
Erinnern Sie sich an Ihren Spaziergang
gestern! Weiter nichts als ein Spaziergang! Aber: Zauber des Sehens, der
Wahrnehmung, des Gehens, der Erinnerung! Nur: Sie nehmen diesen Zauber nicht
wahr. Denn Sie haben ein schlechtes Gewissen. Statt spazieren zu gehen, hätten
Sie arbeiten sollen?! Vielleicht war etwas viel Wichtigeres zu erledigen.
Die Scheibenwischermeditation machen, heißt:
Sie schließen diese Bedenken aus. Sie löschen das schlechte Gewissen. Bekennen
Sie sich nachträglich zu Ihrem Tun, zu dem Spaziergang! Ringen Sie sich zu dem
Vorsatz durch, "ich wollte es so! " Auf diese Weise übersetzen Sie das
Erinnerungsbild von der Möglichkeitsform in die Wirklichkeitsform. Während des
Spaziergangs hatten Sie ein schlechtes Gewissen, aber jetzt gilt: Sie wollten
den Spaziergang machen, obwohl Sie eigentlich hätten arbeiten sollen.
Wieder müssen Sie einen inneren Widerstand
überwinden
Dies ist eine Vorstellungsübung, eine
Meditation, mit dem Ziel der Einstellungsänderung. Der Meditation stehen innere
Widerstände entgegen: Das schlechte Gewissen war Ihnen vielleicht nicht bewusst.
Selbstzweifel und Ängste können unbewusst sein. Erst am inneren Widerstand gegen
diese Übung werden sie erkennbar. Wenn die Übung erfolgreich ist, dann wischt
sie die Erinnerung an Ihre Verpflichtungen weg. Wesentlich ist nur noch das, was
Sie wirklich getan haben. Und das Erinnerungsbild beginnt zu strahlen. Als
Kontrolle dient dabei immer der Vergleich mit dem magischen Bild.
Die Meditation hat ihr Ziel erreicht, wenn
das Erinnerungsbild im gleichen Zauberglanz erstrahlt wie das magische Bild.
Der Glanz kann heiter sein, er kann sich aber auch mit dem Gefühl der Trauer
verbinden, wenn die betrachtete Situation mit Schuld, Fehlverhalten oder
Verlust verbunden ist. Da diese Meditation aber in Richtung auf den Zustand des
Nichtwollens zielt, handelt es sich um intentionslose Trauer, die frei ist vom
Bemühen, den Verlust auszugleichen.
Unterscheiden Sie auch hier wieder deutlich
die Einstellungsebene von der Handlungsebene! Die Erinnerung an den gestrigen
Spaziergang gehört in die Einstellungsebene. Ein Spaziergang, den Sie heute oder
morgen machen werden, gehört der Handlungsebene an. Und denken Sie daran: Ein
schlechtes Gewissen ist kein guter Lehrmeister.
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Herrchen: Die
Vergangenheit als schön empfinden! Das hört sich gut an, ist aber reine Theorie.
Wenn ich beleidigt oder gekränkt worden bin: Das kann ich nicht einfach
wegschieben und vergessen. Das belastet mich eventuell noch Jahre später.
Der Hund: Woff!
Na ja - keine Sache ist,
wie sie ist, sondern so, wie ich sie wahrnehme. Mein Nebenich will
Beleidigungen wahrnehmen und die Erinnerung daran konservieren. Will ich
eine Beleidigung wahrnehmen?
Wau!
Woff!
Es ist ein Problem der
Wahrnehmung: Hat überhaupt eine Beleidigung stattgefunden? Hat eine beleidigende
Absicht dahinter gesteckt? Enthielt die Beleidigung vielleicht einen Kern
berechtigter Kritik, und kann ich aus dieser Kritik einen Nutzen ziehen? War die
Beleidigung eine scherzhafte Herausforderung, und war der Beleidiger vielleicht
enttäuscht, dass ich nicht mit einem Scherz geantwortet habe?
Woff!
Du hast recht: Die
Überlegungen sind zu kompliziert. Das ist Selbstbespiegelung. Vielleicht will
ich mehr sein, als ich bin, und das treibt mich in die Depression. Meditation:
„Ich bin tot! Ich bin nichts! Ein Nichts kann nicht beleidigt werden. Es
existiert nicht. Will ich irgend etwas anders haben? Nein! Ich freue mich über
die Kommunikation, in die ich eingebunden bin. Es gibt halt ein breites Spektrum
von Kommunikationsarten. Ich schwimme auf einem Floß im Ozean. Allein! Ich will
allein sein!“
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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