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Die Bezugsebene hat nur erinnerungstechnische
Gründe. Sie soll dazu dienen, einen Überblick über die genannten Stratageme zu
bekommen. Wie die Anzahl der Gesetze klein zu halten ist, so ist auch die Zahl
der Stratageme klein zu halten. 36 Stratageme werden 36 Feldern zugeordnet. So
bleibt die Gesamtmenge überschaubar. Durch seine Lage innerhalb der Ebene erhält
jedes Stratagem eine anschauliche Bedeutung. Meditieren ist also ein
Durchwandern dieser Ebene aus 36 Feldern.
Entwerfen Sie für sich eine Strategie der
Selbstheilung! Dazu brauchen Sie ein Krankheitsbewusstsein – ein
Schwächebewusstsein. Dem entgegen steht jedoch der Mechanismus der
Verdrängung. Sie ist ein automatischer Vorgang des Nicht-wissen-wollens, ein
unbewusster Vorgang. Nicht-wissen-wollen, Vorwissen, Vorurteile,
Erfahrungswissen das sind alles Wissenselemente, die sich der Wahrnehmung
überlagern. Sie verändern oder verfälschen die Wahrnehmung. Wirklichkeit ist
stets eine Summe aus Wissen und Wahrnehmung.
Wissen und Wahrnehmung lassen sich nur
trennen durch Wissen vom Wissen. Abstandnahme in Richtung der Ästhetikachse!
Nur so können Sie das Verdrängte wahrnehmen. Oft ist das Verdrängte das
Allgegenwärtige. Nur wegen seiner Allgegenwart wird es nicht erkannt. Die
Kulturentwicklung lässt sich über Jahrtausende hinweg als ein Fortschritt in
Richtung der Ästhetikdimension beschreiben, so wie es das bereits erwähnte Buch
„Dimensionen des Bewusstseins“ tut.
Es ist verblüffend zu sehen, wie sich bei der
Wahrnehmung des eigenen Innenraumes, der eigenen Befindlichkeit, die
Jahrtausende alten Schwierigkeiten wiederholen. In der Antike nahm das
menschliche Bewusstsein die allgegenwärtigen Farben des Himmelslichtes und
der Blätter im Wald nicht wahr. Die antiken Griechen konnten Grün und Blau nicht
voneinander unterscheiden. Sie sahen von diesen Farben nur die Grautöne. Genauso
nimmt das Ich eine unbewusste Angst, die es seit der Kindheit begleitet, nicht
wahr. Diese Angst bestimmt zwar seit der Kindheit alltäglich das Denken und
Handeln. Aber wegen ihrer Allgegenwart wird sie nicht gefühlt.
Indem Sie sich die Bezugsebene vor Augen
führen, gewinnen Sie einen Abstand von Ihrer Person und Ihrer Befindlichkeit.
Die Bezugsebene besteht aus 36 Feldern, wobei jedes Feld für eine bestimmte,
bildhafte Vorstellung, für einen bestimmten Meditationsinhalt, ein bestimmtes
Stratagem steht, so wie sie im vorstehenden Text beschrieben worden sind.
Meditativ sollen die Bilder in der
Reihenfolge der Abschnitte A,B,C und D und in der Reihenfolge 1 bis 9 der
einzelnen Felder durchlaufen werden. Die Grundidee besteht darin, dass nach
einem erfolgreichen Durchlauf die Voraussetzungen für einen zweiten Durchlauf
verbessert sind, so dass die Kreisläufe sich insgesamt mit einer
Aufwärtsentwicklung verbunden sind.
A und B bilden die Bereiche des Nichtwollens,
C und D des Wollens.
Sektor A
1)
Ich bin tot. Ich habe mir das Leben
genommen. Ich lebe jetzt mein Leben nach dem Tode.
2) Kann ich es noch ertragen? Ja.
Will ich es irgendwie anders haben? Nein.
Eine Sache ist nicht so wie sie ist, sondern
so, wie ich sie wahrnehme. Besser: So, wie ich sie wahrnehmen will.
3) Ich bin allein auf einem Floß. Wer
hinauf will, wird zurückgestoßen.
4) Vorherbestimmung! Alles ist
vorherbestimmt. Ich brauche nichts zu entscheiden. Ich kann nichts
entscheiden. Ich fühle mich in meiner Umgebung wohl aufgehoben.
5) Das Gefühl der Leere ertragen
lernen! Meine Vergangenheit erscheint mir als Film. Ohne Intention lasse ich die
Erinnerungsbilder vor meinem geistigen Auge ablaufen. Ich betrachte diesen Film,
so wie er ist, als ein Kunstwerk, ohne Wertung. Ästhetische Selbstwahrnehmung
unter Rücknahme der Intention.
Entwicklungslinien prägen mein Gedächtnis,
geben meiner Lebensgeschichte eine Gestalt, formen mein Geschichtsbild.
6) Sich den „Wachstumszweig“ des
Entzugsdiagramms vor Augen halten:
Die Vision der Nüchternheit, die Vision des
Starbucks.
Ein Depressiver wird sich immer gegen die
Einsicht sträuben, dass er depressiv ist. - Kein Wunder! Das liegt im Interesse
seines Nebenichs.
7) Scheibenwischermeditation: Ich
übersetze meine Vergangenheit vom Konjunktiv in den Indikativ. Ich poliere meine
Erinnerungen blank.
Stets gilt: Ich wollte es so!
Verluste, Versäumnisse, empfangene
Beleidigungen, Kränkungen, Niederlagen, Fehlentscheidungen: Sie bringen die
Würze in das magische Bild der Vergangenheit.
8) Die starken Gefühle. Unterscheiden
lernen zwischen Gefühlen mit Bezug zur Wirklichkeit und den „starken Gefühlen“,
die diesen Bezug nicht haben. Die Gefühle ertragen ohne Intention! Es ist ein
Kampf mit Gespenstern.
9) Ich räume meine Trümmerwüsten auf.
Trauer. Wenn ich einen Verlust erlitten habe,
erlebe ich hier intentionslose Trauer.
Ich verwandele meine Vergangenheit in eine
schöne Landschaft, in der ich gerne spazieren gehe!
Sektor B
1) Ich will: Nichts.
2) Kann ich die Schmerzen ertragen? Ja.
3) Kann ich die Einsamkeit ertragen? Ja.
4) Einklang mit den eigenen Gesetzen und
Rücknahme der Intention - nur auf diese Weise entsteht das Gefühl der Freiheit.
Entspannung!
5) Ewiges Leben! Ich befinde mich auf einem
lebenslangen Raumflug und genieße die Monotonie!
Ich befinde mich auf einer Raumreise als
Kapitän des Raumschiffs. Nach 40 Jahren Amtszeit werde ich die Leitung an eines
meiner Kinder, die im Raumschiff geboren wurden, übergeben. Die größte
Veränderung in meinem Leben wird sein, wenn der nächste Fixstern seine Position,
wie vorausberechnet, um zwei Grad verändert haben wird. In stiller Vorfreude
erwarte ich dieses Ereignis seit 20 Jahren, und auch in den nächsten 20 Jahren
wird diese Erwartung mein Leben erfüllen.
Oder: „Schwarzes Wasser“: Ich treibe
bewegungslos im Wasser - schwebend mit dem Rücken an der Wasseroberfläche. Kopf,
Arme und Beine lasse ich herunter hängen. Keine Bewegungen. Das Wasser ist
schwarz.
6) Alles, was Bedeutung für mich hat, werfe
ich in ein
tiefes Erdloch, in einen Brunnen.
7) Poesie! Ich verschwinde in einem
Rokoko-Gemälde.
Den Wind auf meiner Haut, Farbeindrücke,
Geräusche erlebe ich als zärtliche Berührungen.
8) Sich wundern!
„Zuwendung ohne Intention“ heißt
zunächst: Jetzt an die Sache denken - nichts weiter.
Künstliches Selbstbewusstsein:
„Vielleicht ist es ja gut, was ich mache.“ Sich zugehörig fühlen zu den eigenen
Produkten.
9) Angst!
Angst ist ein Anzeiger des Jungseins! Gesund
sein heißt, Visionen haben. Jedes Tun hat ein erstes Mal. Das Unbekannte flößt
Angst ein.
Angst tritt zu Tage, wenn man eine Gewohnheit
ablegt.
Sektor C
1) Wollen und Nichtwollen (Ora et labora).
Die erste Frage ist stets: In welchem Zustand
befinde ich mich? Ihre Beantwortung entscheidet darüber, ob ich handele oder
bewusst nicht handele. Sonst gilt: Als Depressiver zu handeln, zielt dahin, sich
selbst zu zerstören. Als Fanatiker zu handeln, zielt dahin, die Welt zu
zerstören.
Eine Entscheidung kann falsch sein. Aber noch
falscher ist: Keine Entscheidung treffen.
Wer keine Entscheidung trifft, erleidet immer
früher oder
später einen Wutanfall.
2) Ich stehe auf einem Hochseil, bin
Seiltänzer! Links lauert ein starkes Gefühl, rechts lauert ein manisches
Gefühl, ein Gefühl des Überschwangs.
„Wenn ich zum Augenblicke sage, verweile
doch, Du bist so schön, dann kannst getrost nach Hause Du mich tragen, dann will
ich gern zugrunde gehen.“
3) Ich bin alt und krank! Ich bin
identisch mit Alten und Kranken.
Jeder Mensch hat eine Geschichte.
Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft stellen die Zeitgestalt eines
Menschen dar, die bedeutsamer ist als die heutige Gestalt. So gesehen sind die
Alten schöner als die Jungen, denn sie haben den Jungen etwas voraus. Jung waren
sie auch einmal. Aber wird jeder junge Mensch alt?
4) Gesetz und Freiheit bilden keinen
Gegensatz.
Sanktionsrecht: Wenn das Sanktionsrecht die
schöpferische Freiheit einschränkt, funktioniert das Stratagem nicht, genauso
wenig, wie wenn das Sanktionsrecht zu Gunsten der Freiheit abgeschafft wird.
5) Meine Befürchtungen und Hoffnungen stellen
meinen
Zukunftshorizont schief. Ich rücke ihn
gerade.
Ästhetik und Intention: Kontemplation oder
selbstvergessenes Tun.
6) Ich bin identisch mit meinem Gegenüber.
Ethik der
Ichidentität.
Eine Verhaltensregel ist dann gültig, wenn
sie einerseits wirksam, anderseits für jedes beliebige Ich nachvollziehbar ist.
Es gibt nicht „die Geschichte“, es gibt nur
„Meine Geschichte“.
7) Renaissance, Reformation, Barock,
Rokoko – auf welcher dieser Stufen stehe ich gerade?
„Wenn Du das nicht hast, dieses Stirb und
werde...“
8) Entweder-Oder! Logik: Jede
Entscheidung ist eine Frage des Entweder-Oder. Suche ich vielleicht nach einem
Dritten, das es nicht gibt?
Konzentration auf den Augenblick, auf die
Gegenwart,
erzeugt die Vision des Keiles.
9) Ich nehme die Mängel meiner Umwelt
wahr.
Ein Regelkreis aus Ursache und Wirkung ist
erst dann von Bedeutung, wenn er den Denkenden in seiner gesamten
Lebenssituation mit einbezieht.
Sektor D
Die Felder 1,3,9 und 7 bleiben zunächst
ausgenommen. Sie werden einem eigenen Kreislauf zugeordnet.
2) Einführung eines Gesetzes: Was die
Knochen für den
Körper, das bedeuten Gesetze für die Seele.
4) Trikotspannung, meine
Einschlafhilfe.
5) Der Trichter. Ich beobachte die
zufließende Energie
und halte den Spiegel ruhig.
Bildhafte Vorstellungen entwickeln! Sich von
bildhaften Vorstellungen leiten lassen!
6) Die Goldene Regel: Der
wohlverstandene Egoismus des Einzelnen ist mit den gesellschaftlichen
Interessen deckungsgleich.
8) Ich mache mir die Schönheit meiner
eigenen Gestalt bewusst. Wenn ich ein neues Verhaltensgesetz einführen will,
freue ich mich darauf, dass ich ab dem Tag X ein anderer sein werde.
Der Frustrationskreislauf besteht aus den
Feldern D1, D3, D9 und D7:
D1) Minderwertiger Appell.
D3) Zurückweisung.
D7) Wut und Abwendung von der Wirklichkeit.
D9) Bedürftigkeit.
Der
Frustrationskreislauf
Vier Felder, nämlich die Felder D1, D3, D9
und D7, fallen aus dem Rahmen der übrigen Felder heraus.
Während jedem der übrigen Felder eine
positive, gesundheitsfördernde Wirkung zugeordnet ist, haben die eben erwähnten
Felder eine krankhafte Bedeutung. Sie bilden die Stationen eines eigenständigen
Kreisprozesses, eines sich selbst verstärkenden Kreislaufes, eines
Frustrationskreislaufes, eines Teufelskreises. In ihm sind die krankhaften
Erscheinungen aus erinnerungstechnischen Gründen zusammengefasst worden.
Diese Vierergruppe spiegelt in gewisser Weise
die Bezugsebene wieder. Die gesamte Bezugsebene symbolisiert mit ihrem
Durchlaufsinn durch die Abschnitte A, B, C und D einen aufsteigenden Kreislauf.
Die Verneinung dieses aufsteigenden Kreislaufes ist der absteigende Kreislauf
der Felder D1, D3, D9 und D7. Dies ist das gemeinsame Schema, das in den unten
beschriebenen Krankheitsverläufen,
dem Pennersyndrom,
dem Dilettantismussyndrom,
der Depression,
der Resignation,
der Sucht,
dem mangelnden Selbstvertrauen
zu Tage tritt.
Zum Schluss wieder ein Vergleich mit der
Vergangenheit: Seit dem Zeitalter der Renaissance hat man sich zu der Erkenntnis
durchgerungen, dass Wahrheiten durch das Experiment bestätigt werden. Wenn man
im Labor erprobt hat, dass Wasserstoff und Sauerstoff sich zu Wasser vereinigen,
dann hat man damit eine gesicherte Erkenntnis gewonnen. Sie muss nicht erst
durch den Vergleich mit der Bibel oder durch das Zeugnis eines Theologen
abgesichert werden.
So ähnlich ist es heute. Wenn man durch das
Experiment mit sich selbst, durch den Blick nach innen beobachtet hat, dass
Gesetz und Freiheit sich im Wachstumsprinzip vereinigen, dann hat man eine
gültige Erkenntnis gewonnen. Zu ihrer Bestätigung benötigt man weder die
Ergebnisse der Hirnforschung noch muss man dazu wissen, welche Signale die
Amygdala absondert.
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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