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Rückblick
Die vorstehenden Rubriken sind unter dem
Titel „Der Seiltänzer“ als Buch erschienen. Das Buch kann für 12 Euro bei Amazon
oder vom Verlag über www.verlag-spiel.de
bezogen werden.
Die immerwährende Frage ist, wie soll der
Mensch sein Leben gestalten?
Das Buch möchte eine neue Sichtweise in die
Wissenschaft vom Menschen einbringen. Es strebt die gleichen Ziele an wie andere
Bücher aus dem Bereich der Lebenshilfe. Aber die Methode und die Ergebnisse
sind ganz andere.
Die Erkenntnisse dieser Autoren resultieren
aus dem argumentativen Denken und aus der Trennung von Subjekt und Objekt. Diese
Trennung und dieses Denken gelten als Kriterien der Wissenschaftlichkeit. Dabei
wird der Mensch allerdings immer nur von außen, durch Beobachtung seines
Verhaltens wahrgenommen. Die Trennung von Subjekt und Objekt ist zu einem
Dogma geworden.
Dieser Perspektivwechsel führt zu der
Erkenntnis, dass der bisher beschrittene argumentative Weg grundsätzlich
verfehlt war. Er führt nur zur Formulierung von moralischen Appellen und guten
Vorsätzen, die bald wieder vergessen werden. Die neue Perspektive rückt das
Bewusstsein in den Mittelpunkt. Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat das
Bewusstsein eine kontinuierliche Entwicklung durchlaufen. Solche Entwicklung
findet aber auch spiegelbildlich innerhalb eines individuellen Lebenslaufes
statt. Damit rücken die allgemeine Geschichte und das individuelle Leben des
Einzelnen in eine Nachbarschaft und Verwandtschaft miteinander.
Während die Hirnforschung noch darüber
diskutiert, ob es Willensfreiheit und Bewusstsein überhaupt gibt, gelangt der
hier vorgelegte Text zu einer neuen Ethik, die eine wunderbare Klarheit und
überraschende Symmetrieeigenschaften besitzt.
Um Vorsätze einzuhalten, fehlen dem Menschen
normalerweise alle Voraussetzungen. Deshalb ist es notwendig, dass er sich
zunächst einmal von allen bisher gemachten Vorsätzen befreit.
„Den inneren Schweinehund überwinden!“ „Der
größte Sieg, den ein Mensch erringen kann, ist der über sich selbst“ – hat schon
Platon gesagt, und so wird er seitdem überall zitiert. Als kalte Dusche kommt
aber bald hinterher: „Die Summe aller Laster ist konstant!“ Man erkennt daran:
Das Ziel der Selbstüberwindung ist ein hohes Ziel. Man redet zwar ständig
darüber, glaubt aber nicht an einen Erfolg. So richten schließlich die Menschen
ihre Hoffnung auf Hirnforschung und Pharmazie und auf einfache Rezepte, wie sie
durch die Medien vermittelt werden. Im vorgelegten Buch wird der Leser gefragt:
„Wollen Sie sich pharmakologisieren lassen?“ Nötig ist eine viel grundlegendere
Betrachtung! Dann enthüllt sich nämlich das Problem der Selbstüberwindung als
ein Scheinproblem. Man kann kein Hochhaus bauen, wenn man nichts von Statik
versteht.
Voraussetzung für inneres Wachstum und für
die Einhaltung eines selbstauferlegten Gesetzes ist immer, dass psychische
Störungen wie Suchtverhalten, Ängste, selbstzerstörerische Emotionen,
Depression und Fanatismus überwunden sind. Sie sind nur von innen heraus zu
therapieren. Vorgestellt wird auch eine neue Theorie von Depression und
Fanatismus, die beide Zustände in einen engen Zusammenhang rückt. Sie ist
leicht verständlich und führt zu starken Vereinfachungen im Umgang mit den
erwähnten Krankheitsbildern. Und der Erfolg ist insofern messbar, als man ihn
in der gegebenen Situation unmittelbar an sich selbst oder einem Klienten
beobachten kann. In jedem Fall ist das Verschwinden der Depression eine
sensationelle Erfahrung. An einem Klienten kann man ihn beobachten, nachdem man
ein therapeutisches Gespräch geführt hat, wie es auf S.41 des erwähnten Buches
beschrieben ist. Der Erfolg zeigt sich an äußeren Merkmalen der Gestik, Mimik
und Sprache, die unübersehbar sind. An ihnen erkennt man das Verschwinden der
Depression eher als der Betroffene selbst. Diese Erfahrung gemacht zu haben, ist
die einzige Möglichkeit, sich von der Richtigkeit dieser Theorie zu überzeugen.
Insgesamt ergibt sich ein Stufenmodell der Persönlichkeitsentwicklung.
Keine Stufe kann erstiegen werden, ohne dass die vorherige Stufe eingenommen
wurde.
Das Ursache-Wirkungsdenken ist in der
Naturwissenschaft wirkungsvoll, aber nicht hier. Das sollte ja spätestens seit
Freud allgemein bekannt sein. Viktor Frankl hat die „Psychologie der paradoxen
Intentionen“ begründet. Die bedeutet für das Individuum, seine Intention auf das
Gegenteil von dem zu richten, was es eigentlich will. Ein sehr realistischer
Ansatz! Aber alle bisherigen Ansätze sind viel zu sehr auf enge Bereiche
eingeengt. Sie sind zu sehr auf bestimmte Ausschnitte der Persönlichkeit und auf
enge Zeitabschnitte ausgerichtet. Diese Grenzen ergeben sich aus dem Dogma der
Trennung von Subjekt und Objekt. Wenn man diese Dogmatik überwindet,
verschwinden auch die Grenzen, und die gesamte Persönlichkeit, das gesamte
Leben und die gesamte Geschichte kommen in den Blick.
Die intrinsische Motivation des Menschen,
sein Leben zu gestalten, wird bisher immer nur sporadisch angesprochen. Denn
wenn der Mensch nur von außen betrachtet wird, spielt sie eine marginale Rolle.
Erst durch die introspektive Methode wird der intrinsischen Motivation die
zentrale Rolle zugewiesen, die ihr zukommt.
Ziel des Buches ist, dem Leser eine neue
Einstellung zu sich selbst zu vermitteln. Er soll einen Abstand von sich, seinem
Fühlen und Denken gewinnen, soll in der Lage sein, von sich in der dritten
Person zu denken. Dabei lernt er, die verschiedenen Ebenen zu unterscheiden, auf
denen er sich bewegt – etwa die Handlungsebene und die Einstellungsebene. Nur
dadurch, dass er eine höhere Ebene einnimmt, kommt er in die Lage, auf der
unteren Ebene etwas zu verändern – etwa sein Verhalten, seine Einstellung oder
auch sein Denken. Auf der Handlungsebene hilft der Mensch etwa einem
anderen auf ein Floß herauf und bewahrt ihn so vor dem Ertrinken. Etwas anderes
ist die Einstellungsebene. Im Rahmen einer Meditation kann der Mensch durchaus
auf einem Floß allein sein wollen, und andere am Hinaufklettern hindern. Die
Meditationen, die hier vorgeschlagen werden, bewegen sich auf Bahnen, die noch
unbekannt sind. Mit Autosuggestion haben sie absolut nichts zu tun.
In der Realität ist man auf die Hilfe anderer
Menschen angewiesen. In gewisser Weise ist die ganze Welt auf Hilfe
angewiesen. Es ist aber immer gut, wenn der Helfer gesund ist. Das Buch
gliedert sich in die Teile „Nichtwollen“ und „Wollen“. Um eine Phase des
Nichtwollens überstehen zu können, muss man sich in der eigenen Umgebung wohl
aufgehoben fühlen. Dieses Gefühl erwirbt man dadurch, dass man die eigenen
Lebensumstände verändert, oder dadurch, dass man die Einstellung zu den
eigenen Lebensumständen verändert. Handeln oder die Einstellung verändern –
dieser Schritt von der einen Ebene auf die andere ist eine Bewegung entlang der
Ästhetikdimension! Die wird im Allgemeinen zu wenig beachtet. Das Gefühl der
Zufriedenheit ist die Voraussetzung für Gesundheit, und Gesundheit ist die Basis
für erfolgreiches Handeln. Die Zielsetzung des Buches geht dahin, den Leser zum
„selbstvergessenen Tun“ zu befähigen – zum „Flow“, einem Indiz für
Gesundheit. Die Zielsetzung des „selbstvergessenen Tuns“, etwa Hilfe für
andere, Hilfe für die Welt, wird in dem Buch nicht näher definiert. Aber
grundsätzlich gilt: Bevor jemand handelt, muss er sich ernsthaft fragen, in
welchem Zustand er sich befindet. Die Antwort sollte entscheiden, ob er handelt
oder bewusst nicht handelt. Denn sonst gilt: Als Depressiver zu handeln,
zielt dahin, sich selbst zu zerstören. Als Fanatiker zu handeln, zielt dahin,
die Welt zu zerstören.
Die Einführung eigener Gesetze wird bildhaft
mit der Entwicklung des Knochengerüstes in der Evolution gleichgesetzt. Die
Bildhaftigkeit ist nicht nur bedeutsam in Hinsicht auf die Verständlichmachung
des Gesagten, sondern sie hat eine Bedeutung bei der Kreation von Leitbildern,
Stratagemen. Das Knochengerüst ermöglicht dem Menschen den aufrechten Gang.
Selbstauferlegte Gesetze erfüllen im übertragenen Sinn genau die gleiche
Aufgabe.
Es entstehen neue Denkmodelle wie die
„Scheibenwischermeditation“, durch die die Einstellung zur Vergangenheit
entspannt wird, wie die „Zuwendung ohne Intention“, durch die die Einstellung
zur Zukunft angstfrei gestaltet wird, wie die „Trikotspannung“, durch die
mögliche Einschlaf- oder Schlafstörungen behoben werden.
Eine Art Verdichtung erfährt das Gesagte im
Bild des Vier-Achsen-Stratagems (s.S.162,163). Hier werden die
Orthogonalitätsbeziehungen zwischen Intention und Ästhetik einerseits sowie
Gesetz und Freiheit andererseits verdeutlicht. Die Ästhetikdimension ist die
wichtigste der vier Dimensionen, da sich an ihr eine kontinuierliche Entwicklung
sowohl im individuellen Rahmen als auch im historischen Rahmen ablesen lässt.
Zur Verdichtung und Vergegenwärtigung dient auch die sogenannte Bezugsebene.
Eine Meditationsebene (s.S.183), in der die im Text angesprochenen Leitsätze,
Stratageme, funktional angeordnet und zusammengefasst werden.
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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