_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

 

 

 

Nun noch als Abschluss und Krönung Ihrer Arbeit an der Vergangenheit eine Meditation, die ich „Scheibenwischermeditation“ nenne. Der Blick durch diese Scheibe ist in die Vergangenheit gerichtet, und ihr Glas soll so blitzblank und klar werden, dass das Hindurchschauen ein Vergnügen wird.

Die Vergangenheit zum Glänzen bringen

Scheibenwischermeditation

Überprüfen Sie Ihre Einstellung zur Vergangenheit!

Wenn wir alles so hinnehmen wollen, wie es ist, dann brauchen wir eine positive Einstellung zur Vergangenheit!

Stellen Sie sich vor, Sie müssten jetzt sterben. Sie haben noch eine Nacht zu leben. Sie denken an Ihren letzten Spaziergang gestern, und dieser banale, triviale Vorgang des Spazierengehens beginnt in magischem Licht zu leuchten.

Einmal noch die Bahnhofstraße entlang gehen können, über die Dächer schauen, die Wolkenbilder verfolgen, den Menschen zusehen! Das gibt es jetzt nicht mehr. Jetzt - aber zu spät - merken Sie: Dieser magische Blickwinkel ist der wirkliche, der angemes­sene.

Warum soll diese Einsicht auf Ihren letzten Tag begrenzt sein? Wie Sie sehen, bewegen wir uns wieder auf einer anderen Bewusstseinsebene, auf der Einstellungsebene. Wir stellen unsere Einstellung gegenüber der Alltagsum­gebung in Frage. Unsere Alltagserfahrung erscheint in einem ande­ren Licht. Folgende Meditation soll diese Veränderung vertiefen:  

Sie brauchen ein magisches Bild!

Suchen Sie bitte in der eigenen Vergangenheit nach einer Lieblingsvorstel­lung: etwa einem seit der Kindheit gehegten Tagtraum, einem Traumberuf, einem Wunschbild. Wollten Sie als Kind Lokomotivführer werden? Stellen Sie sich vor, Sie seien jetzt ein Lokomotivführer, der mit seiner Dampflok durch eine Früh­lingslandschaft fährt, sich dabei aus dem Fenster lehnt und den Fahrtwind, die Milde und den Duft der ersten Blüten, genießt. Machen Sie diese Vorstellung - oder einen anderen Kindheitstraum - zu Ihrem magischen Bild! Erheben Sie es zum Maßstab für Ihre Erinnerungsbilder!

Das soll heißen, Sie vergleichen Ihre Erinnerung an den Spaziergang mit diesem magischen Bild und prüfen, ob beide Bilder auf Sie den gleichen Zauber aus­üben. Und das gilt in gleicher Weise für irgendeine andere heute oder gestern ausgeübte Tätigkeit.

Der Zauber vom magischen Bild beruht darauf, dass Sie die persönliche Situation des Lokomotivführers nicht kennen. Sie wissen nicht, ob er sich krank fühlt, ob er sich Sorgen macht, ob er mit seiner Tä­tigkeit als Bahnbeamter unzufrieden ist. Sie wollen es nicht wissen. Die­ses Wissen könnte den Zauber des Bildes zerstören.  

Vergleichen Sie Ihre Erinnerungen mit dem magischen Bild!

Erinnern Sie sich an Ihren Spaziergang gestern! Weiter nichts als ein Spaziergang! Aber: Zauber des Sehens, der Wahrnehmung, des Gehens, der Erinnerung! Nur: Sie nehmen diesen Zauber nicht wahr. Denn Sie haben ein schlechtes Gewissen. Statt spazieren zu gehen, hätten Sie arbeiten sollen?! Vielleicht war etwas viel Wichtigeres zu erledigen.

Die Scheibenwischermeditation machen, heißt: Sie schließen diese Beden­ken aus. Sie löschen das schlechte Gewissen. Bekennen Sie sich nachträglich zu Ihrem Tun, zu dem Spaziergang! Ringen Sie sich zu dem Vorsatz durch, "ich wollte es so!" Auf diese Weise übersetzen Sie das Erinne­rungsbild von der Möglichkeitsform in die Wirklichkeitsform. Während des Spaziergangs hatten Sie ein schlechtes Gewissen, aber jetzt gilt: Sie wollten den Spaziergang machen, obwohl Sie eigentlich hätten arbeiten sollen.

Wieder müssen Sie einen inneren Widerstand überwinden

Dies ist eine Vorstellungsübung, eine Meditation, mit dem Ziel der Einstellungsänderung. Innere Widerstände stehen der Meditation entgegen: Das schlechte Gewissen war Ihnen vielleicht nicht bewusst. Selbstzweifel und Ängste können unbewusst sein. Erst am inneren Widerstand gegen diese Übung werden sie erkennbar. Wenn die Übung erfolgreich ist, dann wischt sie die Erinnerung an Ihre Verpflichtungen weg. Wesentlich ist nur noch das, was Sie wirklich getan haben. Und das Erinnerungsbild beginnt zu strahlen. Als Kontrolle dient dabei immer der Vergleich mit dem magischen Bild.

Die Medita­tion hat ihr Ziel erreicht, wenn das Erin­nerungsbild im gleichen Zau­berglanz er­strahlt wie das magische Bild. Der Glanz kann heiter sein, er kann sich aber auch mit dem Gefühl der Trauer verbinden, wenn die be­trachtete Si­tuation mit Schuld, Fehlverhal­ten oder Verlust verbunden ist. Da diese Meditation aber in Richtung auf den Zustand des Nichtwollens zielt, handelt es sich um intentionslose Trauer, die frei ist vom Bemühen, den Verlust aus­zugleichen.

Unterscheiden Sie auch hier wieder deutlich die Einstellungsebene von der Handlungsebene! Die Erinnerung an den gestrigen Spaziergang gehört in die Einstellungsebene. Ein Spaziergang, den Sie heute oder morgen machen werden, gehört der Handlungsebene an. Und denken Sie daran: Ein schlechtes Gewissen ist kein guter Lehrmeister.

Wollen

 

Die vier Koordinaten

Beim Nichtwollen richtete sich die Aufmerksamkeit in die Vergangenheit, beim Wollen richtet sich die Aufmerksamkeit in die Zukunft. Wollen heißt, eine Veränderung anstreben. Wenn man über das Tätigsein, das Aktivsein, nachdenkt, kommt einem leider der Begriff „arbeitslos“ in die Quere. „Was soll ich tun, wenn ich arbeitslos bin?“ Ich kann hier nur sagen, was man nicht tun soll: Morgens nach dem Aufwachen im Bett liegen bleiben, fernsehen, zu einem Suchtmittel greifen, süchtig oder depressiv werden. Zum Thema „arbeitslos“: Es hat auch offensichtliche Vorteile, wenn man seine Zeit selbst gestalten kann, im Vergleich zu einer vielleicht fremdbestimm­ten, täglich wieder­keh­­renden Routine. Selbststeuerung! Die Aufmerksamkeit muss sich der Ge­fahr zuwenden, süchtig oder depressiv zu werden. Dabei kehrt sich die Aufmerk­­samkeit nach innen. Wir haben gesehen, die Aufmerk­sam­keit kann man steuern. Der Idealfall ist der, dass die Aufmerk­samkeit sich ganz nach außen wendet.

Es sind die vier nun schon bekannten Koordinaten, die im Auge zu behalten sind:  

Gesetz und Freiheit, Intention und Ästhetik. 

Ich teile diese Vierergruppe in zwei Teilgruppen auf:

 Intention und Ästhetik einerseits,

Gesetz und Freiheit andererseits.

 

Intention und Ästhetik

Die Aufmerksamkeit nach außen wenden, das stellt sich in diesen Koordinaten dar als  

Rücknahme der ästhetischen Distanz und

Vergrößerung der Intention.  

In anderen Worten heißt das „selbstvergessenes Tun“. Selbstvergessenes Tun ist die Voraussetzung für den Erfolg. Alles Wollen muss als Ziel dieses selbstvergessene Tun haben. Aber es ist wie auf der Autobahn: Die Höchstge­schwin­digkeit kann man nur fahren, wenn man freie Bahn hat, und wenn die Randbedingungen stim­men. Worin das Ziel Ihres „selbstvergessenen Tuns“ bestehen soll, darüber kann ich hier nichts sagen. Deshalb soll es in diesem Text nur um die Randbedingungen gehen. Das Bild der Autobahn sei noch einmal bemüht: Sie sitzen am Steuer. Aber wenn Zweifel an der Fahrtrichtung bestehen, dann heißt es, anhalten und die Karte studieren. Übersetzen wir das Kartestudieren in unser Begriffssystem. In den Koordinaten der Ästhetik und der Intention ausgedrückt, befinden wir uns dabei am Gegenpol des selbstver­ges­senen Tuns: 

Rücknahme der Intention und

Vergrößerung der ästhetischen Distanz.  

Das ist der hier schon mehrfach erwähnte Pol der „Kontemplation“.

Die beiden Pole in dem Feld von Ästhetik und Intention sind also Kontem­plation und selbstvergessenes Tun. Das selbstvergessene Tun ist die frucht­bar­ste Form der Aktivität. Sie ist das eigentliche Ziel einer Verhaltens­ände­rung. Sie ist das, was wir anstreben: Sinnvolles Handeln ohne Selbst­zwei­fel und ohne allzu viel Selbstkontrolle! Das setzt allerdings voraus, dass die Richtung stimmt. Der andere Pol, den man aufsucht, wenn Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Tuns auftreten, ist die Kontemplation. Die beiden Extrempositionen in den Koordinaten der Ästhetik und der Intention sind demnach:  

Selbstvergessenes Tun:

als Rücknahme der ästhetischen Distanz und Vergrößerung der Intention.

sowie Kontemplation:

als Rücknahme der Intention und Vergrößerung der ästhetischen Distanz.  

Eine solche Polarität wird auch den beiden anderen Koordinaten, die wir hier im Blick haben, unterstellt, nämlich der Beziehung zwischen Gesetz und Freiheit.  Aber dabei geht man in die Irre.

:

Gesetz und Freiheit

Eine Polarität, die hier unterstellt wird, ist in Wirklichkeit nicht vorhanden. Dahinter verbirgt sich eine falsche Einstellung, die allerdings sehr weit verbrei­tet ist. Sie betrifft wieder die beiden Extrempositionen.

Die beiden Extrempositionen lauten Asozialität oder Zwang. 

Asozialität oder Zwang

Die Einstellung des Asozialen ist: 

Je weniger Gesetze ich befolgen muss, desto größer ist meine Freiheit.  

Sie ist auch die Einstellung der Anarchisten.

Die gegenteilige Einstellung ist auf Zwang ausgerichtet. Sie lautet:  

Wenn ich Gesetze durchsetzen will, dann muss ich die Freiheit beschränken.  

Sie betrifft auf gesellschaftlicher Ebene die Zwangsregimes und auf individueller Ebene die Asketen und die Zwanghaften. Der Betroffene fühlt sich eingekerkert. Gesetze werden grundsätzlich aufgefasst als die Stäbe eines Kerkers, in den er eingesperrt ist oder sich selbst einsperrt. Auf der gesell­schaft­lichen Ebene ist das die Einstellung eines tyrannischen Herr­schafts­regi­mes oder eines autoritären Erziehungssystems. Auf der individu­el­len Ebene finden wir hier die Askese um der Askese willen, die Selbstkasteiung und den oben schon erwähnten „Kampf gegen den inneren Schweinehund“.

Wir sollten uns dagegen zu der Einstellung durchringen, dass zwischen Gesetz und Freiheit eine andere Beziehung gilt. 

Das Wachstumsprinzip

Hier schließen sich Gesetz und Freiheit nicht gegenseitig aus, sondern sie ergänzen einander.  

Ohne Gesetze genieße ich keine Freiheit.

Freiheit kann nur auf der Basis von Gesetzen existieren. 

Damit richten Sie Ihre Einstellung auf Wachstum aus! Jedes Wachstum folgt bestimmten Gesetzen. Wachstum ohne Gesetze ist kein Wachstum, sondern Wucherung, Krebs. Andererseits: Jedes Wachstum braucht Freiheit. Denn das Ziel des Wachstums ist vorher nicht eindeutig festlegbar. Dadurch entsteht ein Raum der Ungewissheit. Diese Ungewissheit wiederum erweckt die Neugier – Neugier auf den Fortschritt des Wachstums.

Gesetze zu definieren ist also eine gewisse Gratwanderung: Zu viele Gesetze führen in Unfreiheit und Zwang, zu wenige Gesetze in die Anarchie und in die Haltlosigkeit.

 

  Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Georg M. Peters

 

Rubrik >November 2008 I Oktober I September I August I Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

Rubriken 2007: Dezember I November I Oktober I September

August I Juli

 

Ihre Meinung zu diesem Text ist gefragt:

redaktion@deutscher-buchmarkt.de

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Dr. Georg M. Peters ist Buchautor zum Themenkreis

 

'endogene Depressionen', verlegt im www.verlag-spiel.de