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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

 

 

 

Welche Gesetze? Das ist die Frage.

Natürlich ist es jedem freigestellt, welche Gesetze – strenge oder weniger strenge – er sich zu eigen machen will. Jede Regel kann mehr oder weniger einschneidend sein und jede Regel kann mehr oder weniger streng eingehalten werden. Und es kommt auf die Gegebenheiten an: Wer Sport treibt und mit seinem Körpergewicht kein Problem hat, der braucht auch seine Nahrungs­aufnahme nicht zu beschränken. Doch ein Satz gilt ganz allgemein:

Je strenger die Gesetze sind,

desto weniger Gesetze muss man einhalten. 

Zwei strenge Gesetze, die das Essverhalten steuern sollen, könnten so lauten:

1) Zuckerverzicht: Nichts essen, was raffinierten Zucker in größeren Mengen enthält - also keine Süßigkeiten, Kuchen, Speiseeis.

2) Zweidritteldiät: An einem sechzehn Stunden langen Tagesabschnitt nichts zu sich nehmen - weder Essen noch Trinken!

Zwei Gesetze, die alle Bedingungen erfüllen, die an solche Gesetze zu stellen sind: Sie sind einfach, gelten dauernd und täglich. Und ansonsten auf die eigenen Instinkte vertrauen. Sozusagen die Aufgabe der täglichen Lebensgestaltung auf die natürlichen Bedürfnisse übertragen. Nur so wird der sinnliche Genuss am Essen und Trinken bewahrt. Ich komme noch darauf zurück. (Vergleiche auch Arnold Gehlen: „Der Mensch“)

Sich ändern lernen, sich Gesetze geben, die eigenen Gesetze als Bereicherung erleben und nicht als Einschränkung der Freiheit, das erfordert zunächst eine Zuwendung zur eigenen Person.  

Machen Sie sich keine Vorsätze!

Sie machen sich keine Vorsätze mehr, weil man dabei regelmäßig auf die Nase fällt. Sich Vorsätze zu machen, das ist ein seelischer Automatismus, der aus der Angst folgt. Es fehlt der Abstand von der eigenen Person. Die Vergangenheit wird dadurch entwertet und die Zukunft leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Moralische Appelle wie „Nun reiß Dich mal zusammen“, „Du musst nur Deinen inneren Schweinehund überwinden!“, „Nutze Deine Willenskraft!“, die mögen gut gemeint sein, helfen aber nicht. Das Verhalten zu ändern, erfordert eine andere Technik.

Sich Vorsätze machen, zielt auf eine Änderung des Verhaltens ab, auf eine Änderung der Lebensführung und damit auf eine Änderung der Persönlichkeit. Das kann nur gelingen, wenn man sich aller vier der oben genannten Dimensionen bewusst ist.

Die wichtigste Dimension ist die Ästhetikdimension, der Abstand von der eigenen Person. Die Intention zurück nehmen! Also den kontemplativen Standpunkt einnehmen! Keine Zielsetzung! Dazu brauchen wir Vertrauen in die Zukunft und die eigene Umwelt: „Alles ist vorher bestimmt“, „alles so hinnehmen können, wie es ist - wie es kommt.“

Die Einführung eines Gesetzes ist mit Angst verbunden - zwangsläufig. Diese Angst können wir nur ertragen, wenn wir eine fatalistische Einstellung annehmen: „Ich bin tot!“ „Kann ich die Situation im Augenblick noch ertragen? Ja!“ Nur so können Sie Abstand von Ihrer eigenen Person erlangen. Dieser ästhetische Abstand ist erforderlich, um Ihr Verhalten zu ändern. Eine Verhaltensänderung erfordert einen Plan.  

Das Gesetz: Einrichtung eines Gesetzes

Die vier Dimensionen

Nehmen Sie die Intention zurück!

 

Um Ihr Verhalten zu ändern, brauchen Sie ein Gesetz - ein Gesetz, das Sie sich selbst auferlegen. Ein Sprichwort lautet: Wenn ein Fleißiger faul wird, kräht kein Hahn danach. Wenn ein Fauler aber fleißig wird, dann erbebt der Weltengrund.

Die Intention richtet ihr Augenmerk auf die Zukunft. Aber bei einer Verhaltens­änderung ist die Intention schädlich. Deshalb ist der Ausspruch „Ich will mir das Rauchen abgewöhnen“ ein Widerspruch in sich. Ein Suchtmittel steht immer in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Intention. Die Intention stützt sich auf das Suchtmittel. Das ist sozusagen ihr Gewohnheitsrecht.

Falls wir unser Verhalten ändern wollen, dann bedeutet die Intention eine doppelte Belastung: Durch die Betonung der Zukunft und durch die Abhän­gigkeit der Intention von dem Stützmittel, dem Anregungsmittel, dem Sucht­mittel.

Um das Verhalten zu ändern, gibt es deshalb nur einen Weg: Sie müssen die Intention zurücknehmen. Nichtwollen! Das Nichtwollen bewirkt eine Abkopplung von der Zukunft. Der Übergang vom Wollen zum Nichtwollen muss verbunden sein mit einem Einstellungswandel. Das Wollen ist gebunden an die Willens­freiheit, das Nichtwollen beruht auf dem Glauben an die Vorherbe­stimmung: Wie oben schon gesagt: Willensfreiheit und Vorherbe­stimmung sind miteinan­der vereinbar. Wir haben das schon im Mittelalter von Bene­dikt gelernt.  

Willensfreiheit heißt: Mein eigener Wille geschehe!

Vorherbestimmung heißt: Gottes Wille geschehe!

Denn aktives Planen, Handeln, Wollen ist nicht möglich ohne die Voraussetzung der Willensfreiheit. Nichtwollen dagegen ist nur zu ertragen, nur dann angstfrei zu durchstehen, wenn ein Gefühl der Wohl­aufgehobenheit, der Geborgenheit innerhalb eines über­persönlichen Ordnungsschemas gegeben ist. Gelassenheit, ein Sich-treiben-lassen und eine selige Erwartung des Todes folgen daraus.

Die Zeit wird aufgehoben und der Unterschied zwischen heute und morgen belanglos. In dieser Situation verwandelt sich das Wollen, „Ich will jetzt unbe­dingt eine Zigarette rauchen“, in das Nichtwollen und in die schicksalser­gebene Frage „Kann ich es jetzt, in diesem Augenblick, noch ertragen, auf die Zigarette zu verzichten“. Das ist auch die Zielrichtung der Meditation „Ich bin tot“.   

Ordnung

Ändern Sie Ihre Einstellung zur Ordnung!

Natürlich ist Selbststeuerung ein Ordnungselement.

Das Thema „Ordnung“ liefert wunderbare Anschauungs­beispiele für eindi­men­sionales, also falsches Denken. Das eindimensionale Denken meint, Gesetz und Freiheit schließen einander aus?! Das kennen wir schon. Von diesem „Dogma“ muss man ausgehen, um die „Logik“ des eindimensionalen Denkens zu verstehen. Dann steht also jeder einzelne vor der Wahl, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden: Für das Gesetz oder für die Freiheit, gegen die Ordnung oder gegen die Freiheit.

Gibt es irgendeinen Song in der Beat-, Rock-, Folk- oder Popmusik, der ein Lob auf die Ordnung singt? Das wäre ja ein großer Lacherfolg. Also ist die Entscheidung schon klar: Wir entscheiden uns natürlich für die Freiheit und damit gegen die Ordnung, gegen das Gesetz, und wir sind stolz auf diese Entscheidung! Andern Menschen unterstellen wir, dass sie sich für die Ordnung und damit gegen die Freiheit entschieden haben. Auf sie schauen wir hinab, sie sind die Spießer - eine zum Untergang bestimmte Gesellschafts­klasse.

Das eindimensionale Denken sucht Halt in der Gruppe und findet ihn auch. Diese Einstellung „für die Freiheit, gegen die Ordnung“ ist ein starkes Moment des Gruppenzusammenhaltes. Und es gibt viele äußerlich sichtbare Zeichen, die signalisieren, „Ich gehöre zu euch! Wir gehören alle zusammen!“ Diese Worte hier werden hoffentlich nicht als Kampfansage gegen die genannten Musikstile missverstanden. Es spielt keine Rolle, ob die Philosophie der Song-Texte tiefsinnig oder flachköpfig ist, ob sie mehrdimensional, eindimensional oder nulldimensional ist. Dennoch kann die Musik erstklassig sein. Aber ein wichtiges Element der Musik ist die Ordnung - ob sie nun harmonisch, melodisch oder rhythmisch bedingt ist.

Das eigene Leben gestalten, heißt Ordnung in das eigene Leben bringen! Wir wissen schon, dass das nicht auf Kosten der Freiheit geschieht. Ordnung ist die Basis der Freiheit. Wir wissen auch, dass darin eine große Aufgabe, ein schwieriges Problem liegt.

Die starken Gefühle, die aus dem Unbewusstsein gespeist werden, stellen eine Gefahr dar. Um mit ihnen umgehen zu können, ist eine Analyse erforderlich - die schwierigste Aufgabe. Die schwierigste Aufgabe sollte zuletzt angegangen werden! Als erster Schritt bietet sich statt dessen ein simpler Einstellungswandel an: Ordnung ist nicht der Gegenpol der Freiheit, sondern eine Vorbedingung, ein Ausdruck von Freiheit!

Im Buch „Eine Seereise zum Ich“ von Georg M. Peters finden Sie Beispiele dafür, wie groß die Wirkung einer Einstellungsänderung sein kann, zum anderen, die Bedeutung einer Analyse. Die Beispiele erzählen von einfachen Einstellungsänderungen, die keine Kraft erforderten, aber dennoch mehr bewirkten, als die größte Willensanstrengung gekonnt hätte. Diese Einstel­lungs­ände­rungen waren jeweils nur möglich als Ergebnis einer Analyse.

Strategie der Verhaltensänderung

Machen Sie sich einen Plan!

 

Also - kommen wir zu sinnvollen Veränderungen: Wichtig ist die Eindeu­tigkeit. Wir vermeiden die Übertreibungen. Die Verhaltens­änderung wird quasi gemäßigt, sie wird auf das notwendige Mindestmaß zurückgeführt; aber in dieser Minimalform erhält sie eine strikte Verbindlichkeit.

Es ist die Einführung eines Verhaltensgesetzes, eines Gesetzes. Mit jeder Einführung eines solchen Gesetzes üben wir die Neuein­führung eines Gesetzes, die jedes mal dem gleichen Schema folgt. Die beiden Forderungen, nämlich die Mäßigung und die Verbind­lichkeit, bedingen sich gegenseitig. Denn jede Anstrengung, die mit einem großen körperlichen, meditativen, zeitlichen, diätischen, finan­ziellen Aufwand ver­knüpft ist, trägt ihr Verfallsdatum in sich.

Jede große Anstrengung, die nach einigen Tagen oder Monaten endet, ist belanglos. Eine Verhaltensänderung ist nur dann von Bedeutung, wenn sie das Verhalten auf Dauer verändert, wenn sie einen neuen Lebensgrundsatz, ein Gesetz darstellt, dessen Einhal­tung durch Gewöhnung selbstverständlich wird. Eine solche Regel wird schließlich kaum noch wahrgenommen; sie wird gleichsam zu einem festen Bestandteil der eigenen Körperlichkeit.

Zum allgemeinen Schema für die Einführung eines Gesetzes gehören die Mäßigung und die Verbindlichkeit, die schon erwähnt wurden, und darüber hinaus die Einhaltung einer genau bestimmten Strategie:  

Ohne Regeln geht es nicht. Fünf Regeln,

die Sie befolgen müssen:

 

1) Führen Sie niemals zwei neue Gesetze gleichzeitig ein!

2) Ein neues Gesetz wird erst dann eingeführt, wenn das vorherige durch Gewöhnung zum festen Besitz geworden ist.

3) Es wird jedes mal der Tag X der Einführung des Gesetzes im Voraus bestimmt. Und zwar so, dass an diesem und einigen folgenden Tagen keine Termine und Pflichten anstehen. Sie können sich der Muße hinge­ben!

4) Erleben Sie diese strategischen Erwägungen ganz bewusst als eine Abstandnahme von der eigenen Person, als einen Schritt in Richtung der Ästhetikdimension! Nehmen Sie die Intention zurück! Zweckfreies Schauen, Selbstgewahrwerdung! Nehmen Sie die eigene Person in ihrer neuen Ge­stalt wahr!

Der Trinker erlebt sich so als Nichttrinker. Der Raucher als Nichtraucher! Ihre Person nach dem Tag X ist nicht mehr dieselbe Person wie vor dem Tag X.

Das bedeutet Konzentration auf den Augenblick. Zukunft und Vergangen­heit verlieren ihre Bedeutung. Keine Intention! Keine Ziele! Keine Planung! Die Frage „was will ich?“ verwandelt sich in die Frage „kann ich das Dasein in diesem Augenblick noch ertragen?“

5) Reichern Sie das Bewusstsein an mit Vorstellungen über die Wahl zwischen „gut und böse“, zwischen Einhaltung und Verwerfung des neuen Gesetzes! Das neue Gesetz ist keine Einschränkung der Freiheit!

Damit schaffen Sie sich Ihre eigene Werteskala, Sie finden Ihre Definition von Gut und Böse. Diese Vorstellungen werden möglichst bildhaft ausgestaltet und orientieren sich an dem oben eingeführten Entzugsdiagramm. Jeder geschei­terte Versuch zur Einführung eines Gesetzes schmälert die Aussichten eines zweiten Versuches! Das ist einerseits eine schlichte Tatsache, aber darüber hinaus eine Vorstellung, ein Bild, das Sie vor Augen haben müssen. Es motiviert Sie dazu, den Versuch ernst zu nehmen.

Zu den eindringlichen, bildhaften Vorstellungen gehört auch das, was oben über die Willenskraft gesagt wurde. Der Berg, den Sie vor sich sehen, muss sich in Nichts auflösen!

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Georg M. Peters

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Dr. Georg M. Peters ist Buchautor zum Themenkreis

 

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