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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

 

 
Eltern und Kinder

 

Wenn Sie erziehen wollen, müssen Sie Entscheidungen treffen können

 

Die Suche nach dem Dritten, das es nicht gibt: Wir finden das Problem auch im Bereich der Erziehung.

Als Unternehmer sind Sie es gewohnt, täglich weitreichende Entscheidungen zu treffen. Wahrscheinlicher ist, dass Sie kein Unternehmer sind, und dass Sie nicht gewohnt sind, schnelle und weitreichende Entscheidungen zu treffen. Was bleibt - an den meisten Tagen - sind dann die Entscheidung für eine bestimmte Ware im Regal des Kaufhauses und abends die Entscheidung für einen bestimmten Kanal des Kabelfernsehens.

Das ändert sich grundlegend bei der Geburt eines Kindes! Oft sind die Eltern gerade dadurch überfordert, dass sie plötzlich zu Entscheidungen gezwungen werden, die möglicherweise für das ganze Leben des Nachwuchses von richtungweisender Bedeutung sind. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass sie überhaupt kein Kind haben wollen.

Wenn ein Kind aber dennoch geboren ist, erzeugt der Entscheidungszwang oft Panik. Der Versuch, dem Zwang zur Entscheidung auszuweichen, erzeugt die Versuchung, nach dem Dritten zu suchen, das es nicht gibt. Viele Eltern fühlen sich unter einer übergroßen Last der Verantwortung. Sie sehen sich in einer Situation, in der sie alles richtig machen wollen, aber von vorn herein zu wissen glauben, dass sie alles falsch machen werden.

Ein Beispiel für einen solchen Fall liefert das schöne Buch von Simone de Beauvoir „Die Welt der schönen Bilder“: Eine Frage ihres Kindes treibt die Mutter wochenlang um und an den Rand der Verzweiflung, weil sie keine Antwort darauf weiß. Alle Erklä­rungs- und Belehrungsversuche, die sie in Erwägung zieht, hält sie für unzulänglich und verwirft sie wieder. Sie geht ihre Bekannten um Rat an - doch vergebens.

 

Die Sorge um das Wohl des Kindes schließt die Sorge um das eigene Wohl ein!

Vernünftigerweise informieren sich viele Eltern, lesen Ratgeberbücher, besuchen Kurse, um herauszufinden, was alles zum Wohl ihres Kindes notwendig und zu tun ist. Lesenswert sind etwa die folgenden Bücher: 

Petra Gerster und Christian Nürnberger „Der Erziehungsnotstand“,

Rudolf Dreikurs „Kinder lernen aus den Folgen“,

Nossrat Peseschkian „Steter Tropfen höhlt den Stein - Mikrotraumen“,

Omraam Mikhael Aivanhov „Die Erziehung beginnt vor der Geburt“ oder

„Kinderjahre“ von dem Züricher Professor für Kinderheilkunde Remo H. Largo. 

Largo sagt, „ein gutes Vorbild ist die beste Erziehung“. Das gleiche sagt auch Aivanhov. „Euer Kind will sich entwickeln und lernen. Das sollten wir nicht mit Strafe und Belohnung fördern, sondern mit unserem guten Vorbild.“ Doch ist dies eine Messlatte, die sehr hoch gestellt ist. Denn um ein gutes Vorbild zu sein, müssen die Mutter oder der Vater erst einmal selbst wissen, wie das Leben zu gestalten ist. Und dieses Wissen müssen sie in die Tat umgesetzt haben.

Sorge für das Wohlergehen der Kinder! Doch wir wissen ja schon: Ein Regelkreis aus Ursache und Wirkung ist erst dann von Bedeutung, wenn die eigene Lebenssituation mit eingeschlossen wird. Das Wohlbefinden des Kindes ist vom Wohlbefinden der Mutter, der Eltern abhängig. Das Kind wird in der ersten Zeit von seinem Verschmel­zungs-Bedürfnis, einem symbiotischen Bedürfnis geleitet. Symbiose spielt sich im Unbewusstsein ab. Es ist die innige Verschmelzung mit dem Liebesobjekt, also etwa mit der Mutter, mit dem Vater. Doch diese Symbiose kann nur dann vollzogen werden, wenn das Objekt des Verschmelzungs-Bedürf­nis­ses ein stabiles, in sich gefestigtes Objekt ist.

 

Zur Orientierung: Vier Ziele und deren Rangordnung

Daraus ergibt sich folgende Rangordnung der Ziele:

1) Eltern müssen wissen, wie sie ihr eigenes Leben gestalten wollen.

2) Sie müssen bereit sein, Entscheidungen zu treffen, nötigenfalls schnelle Entscheidungen.

3) Diese Entscheidungen müssen jeweils das eigene Wohlbefinden mit einschließen. Eine Überforderung der Mutter, der Eltern, ist dann ausgeschlossen. Bevor sich die Eltern überfordern, müssen sie eine Wunscherfüllung des Kindes ablehnen - egal, ob dieser Wunsch in sich berechtigt ist oder nicht. Wichtig ist: Diese Berechtigung ist dann kein Thema, sie wird nicht in Erwägung gezogen.

4) Die getroffenen Entscheidungen müssen - von den Eltern - strikt eingehalten werden.

Die Liebe zum Kind darf, das ergibt sich aus diesem Katalog, beliebig groß werden - aber natürlich nicht größer als die Liebe zur eigenen Person oder zur Person des Ehepartners.

 

Der Umgang mit den Kindern bringt Spaß - er muss Spaß bringen!

Man darf und soll sich über alle Fragen des Kindes freuen, sich damit ernsthaft auseinander setzen und sie ausführlich beantworten. Aber die Antwort muss sofort erfolgen und sich aus dem Wissensstand des Gefragten ergeben - damit man sich nicht genötigt sieht, hierzu erst Erkundigungen einzuziehen. Das Kind will ja nicht unbedingt klüger werden als der Erwachsene.

Für das Kind ist das Fragen ein Spiel, und ein Spiel muss es auch für den Gefragten sein und bleiben. Ein Spiel ist nur interessant, wenn jeder Spieler die Chance hat zu gewinnen, wenn jeder Spieler auch bereit ist zu verlieren, und nur solange es allen Beteiligten Spaß bringt. Dadurch werden dem Verhalten des Erwachsenen gewisse Grenzen gesetzt: Das Spiel muss ihm auch dann noch Vergnügen bereiten, wenn er verliert; etwa wenn das Kind etwas besser weiß als er, oder wenn er überfragt ist und zugeben muss, „das weiß ich nicht“. Vor allem - das ist fast das Wichtigste: Ein Spiel besteht aus Zug und Gegenzug. Jede Antwort darf nicht viel länger sein als die Frage.

Ein langer Monolog, eine lange Belehrung von Seiten des Erwach­senen ist Spielver­derberei, denn sie macht die Rückmel­dung, ob das Kind überhaupt noch interessiert ist, unmöglich. Ein Monolog hindert das Kind am weiteren Fragen, wenn es das Spiel fortsetzen, oder am Schweigen, wenn es das Spiel beenden möchte.

Einer Bitte des Kindes gegenüber sollten die Eltern grundsätzlich aufgeschlossen sein und bereit sein, sie zu erfüllen. Aber es dürfen sich keine stereotypen, unveränderlichen Gewohn­heiten des Ja- oder Neinsagens einschleifen. Deshalb muss sich der Erwachsene zunächst und schnell überlegen, ob er nein oder ja sagen, oder ob er die Antwort offen lassen will. Wenn er nein oder ja sagt, muss die Entscheidung eindeutig sein: Das Ja muss rückhaltlos und ohne Wehleidigkeit gegeben werden.

Das Nein muss ebenso eindeutig und sachlich, ohne Ärger, ohne Vorwürfe, eventuell auch ohne Erklärung erfolgen, wobei das Kind aus Erfahrung weiß, dass das Nein nicht revidierbar ist. Nur so schafft man die Voraussetzung dafür, dass das Kind sich mit einem negativen Bescheid abfindet.

Oder die Entscheidung bleibt offen, wenn es dem Erwachsenen Spaß bringt, einen Dialog über das Problem zu führen - einen Dialog, der dann irgendwann zu einem Nein oder Ja im oben beschriebenen Sinne führen kann. Voraussetzung für einen solchen Dialog ist, wie gesagt, dass er dem Erwachsenen Spaß bringt, dass sein Wohlgefühl dadurch nicht in Frage gestellt ist.

 

Eine Entscheidung ist keine Entscheidung, wenn sie nicht eindeutig ist!

Wichtig ist jeweils die Eindeutigkeit der Entscheidung und die Vermeidung der Suche nach dem Dritten, das es nicht gibt. Dann bleibt bei allen Varianten das Wohlgefühl der Beteiligten erhalten. Dieses Wohlgefühl gilt es, wichtig zu nehmen! Für das Kind ist es gegeben, wenn es die Erfahrung macht, dass seine Wünsche nicht alle mit Nein abgefertigt werden. Wenn es spürt, dass die Eltern sich wohl fühlen. Wenn es gelernt hat, dass die Eltern sich ihm zwar nicht immer zuwenden, sondern sich manchmal abwenden, aber dass sie sich, wenn sie sich ihm zuwenden, auch ganz, ohne Vorbehalt zuwenden.

Die Suche nach dem Dritten, das es nicht gibt, ist die Gefahr, die überall lauert und in den Abgrund zieht. Die Mutter wendet sich ab, weil eine solche Aktion aus äußeren Gründen erforderlich ist, oder weil sie damit einem inneren Bedürfnis nach Ruhe, Sammlung und Für-sich-sein folgt. Das Kind respektiert diese Abwendung aber nicht, weil es aus Erfahrung weiß, dass es nur genügend laut schreien muss, um die Mutter wieder den eigenen Wünschen gefügig zu machen. Und so wie es immer war, ist es auch jetzt wieder: Das Kind setzt seinen Willen durch, die Mutter wendet sich ihm zu, aber nicht aus eigenem Antrieb, nicht rückhaltlos, sondern widerwillig, gezwungenermaßen, von Selbstmitleid gequält, mit Wehleidigkeit und Vorwurf in der Stimme.

 

Der depressive Gedanke

„Warum kannst du mich nicht einmal in Ruhe lassen“. Das Kind ist unzufrieden, weil die Zuwendung nur halb ist, und weil es eine Mutter hat, die unzufrieden und nicht sie selbst ist. Die Mutter ist unzufrieden, weil sie ein Kind hat, das ihr keinen Freiraum gewährt und quengelig ist.

Das ist die Folge davon, dass die Mutter in diesem Falle alle Entscheidungen nur halb trifft: Die Zuwendung zu dem Kind ist eine halbe, die Abwendung ist eine halbe. Halbe Entscheidungen sind stets eine Folge der Suche nach dem Dritten, das es nicht gibt.

Nicht wenn ein Wunsch des Kindes unerfüllt bleibt, nicht wenn einmal nein gesagt wird, droht die Katastrophe. Die Katastrophe droht, wie wir immer wieder sehen, wenn die Bewusstseinsebene oberhalb dieser Entscheidungen fehlt, wenn die Entscheidungen nicht überdacht werden können. Wehleidigkeit ist der Anzeiger, der die drohende Katastrophe ankündigt, die erkannt werden muss als Vorbote der Depression, und sie kann nur von der erwähnten Bewusstseins­ebene aus wahrgenommen werden. Wohlbefinden, Heiterkeit dagegen, das sind die Anzeiger, die signalisieren, dass alles in Ordnung ist.

Ist das zu leichtfertig gedacht? Spaß, Wohlgefühl, Heiterkeit in Betracht zu ziehen angesichts einer so schwerwiegenden Aufgabe wie der Kindererziehung? Ist das nicht Hedonismus, Vergnügungs­sucht, Symptom der Spaßgesellschaft? Wo bleibt die Verantwor­tung, die Pflicht?

Zum Hedonismus: Die Fans der Spaßgesellschaft setzen keine Kinder in die Welt. Deren Spaß vererbt sich also nicht. Die erwähnten Bedenken ergeben sich einfach daraus, dass es ungewohnt ist, weitreichende Entscheidungen zu treffen und die auch noch schnell zu treffen. Angesichts solcher Notwendigkeit bleibt gar keine andere Wahl: Sobald aus jeder Verhaltensweise gegenüber dem Kind ein Problem gemacht wird, das langer Überlegung, Beratung, Information bedarf, ist die Partie verloren, die Überforderung eine zwangsläufige Folge und damit auch der Sturz in den Abgrund der Depression mit all ihren Folgen.

Nur eine andere Einstellung kann Sie davor bewahren: Den spielerischen Charakter aufrechterhalten, schnell reagieren und getroffene Entscheidungen hinnehmen! Um in all dem Durchein­ander einen Maßstab für richtig und falsch zu bewahren, gibt es nur die Anzeiger des Gefühls, die man in sich selbst wahrnehmen muss: Die Wehleidigkeit als negativen, das Wohlgefühl, die Heiterkeit, die Phantasie als positiven Anzeiger.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Georg M. Peters

 

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Dr. Georg M. Peters ist Buchautor zum Themenkreis

 

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