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Gesetze des Innenlebens! Darum geht es hier.
Können die Ihnen helfen, alltägliche Probleme zu lösen – etwa eine Aufgabe in
Angriff zu nehmen, die Sie bisher immer vor sich her geschoben haben? Zunächst
spüren Sie nur die Ungewissheit, ob Sie mit dem Problem fertig werden oder
nicht.
Ertragen Sie die Ungewissheit!
Die Versuchung besteht darin, sich der Aufgabe
zuzuwenden, indem man gleich einen Plan macht, einen Terminplan, der genau
bestimmt, wann und wie gründlich die Sache zu erledigen ist. Der Plan erzeugt
eine wundervolle Illusion - die Illusion, das Problem sei schon bewältigt. Schon
ist die Wirklichkeit gesund geredet. Richtig ist:
Zuwendung ohne Intention! Die fehlende Intention
erzeugt Ungewissheit. Die Ungewissheit ist realistisch, ist Wahrnehmung der
Wirklichkeit. Wenden Sie sich der Sache zu, und spüren Sie diese Ungewissheit!
Vielleicht wird sie Ihnen zu unangenehm? Dann leisten Sie einen Teil der Arbeit
ab -, tun einen kleinen Schritt in Richtung auf die Erledigung der Arbeit.
Beobachten Sie sich dabei! Dieser kleine Schritt, dieses kleine Stück Arbeit,
ist eine Sensation, wenn Sie lange Zeit nichts daran getan haben.
Später, heute oder an einem anderen Tag, wenden
Sie sich der Aufgabe wieder zu. Vielleicht tun Sie einen zweiten Schritt,
vielleicht auch nicht. Sie beobachten sich dabei und erleben die Spannung, die
in der Ungewissheit liegt.
Der Moralist geht an die Decke:
„So geht es aber nun wirklich nicht!“
„Reiß Dich zusammen!“
„Sei nicht so faul“!
Widerstehen Sie dem Zwang zu moralisieren,
Appelle an sich zu richten, sich zu tadeln oder zu bestrafen, Vorsätze zu
machen!
Wie viel
Willenskraft haben Sie, brauchen Sie?
Wir haben also eine vierte Insel im Ozean
entdeckt. Ihr Name ist „Zuwendung ohne Intention“. Ohne Intention?! Wo bleibt
denn da die Willenskraft?
Wie groß ist Ihre Willenskraft?
Die
Willenskraft ist eine reine Einbildung!
„Woher soll ich wissen, dass ich satt bin, wenn
ich keine Leibschmerzen habe?“
Wer beim Essen von einer unbezähmbaren Gier
angetrieben wird, der bewundert die Willenskraft seines Tischnachbarn, der sein
Mahl nach mäßigem Genuss beendet. Der Alkoholiker bewundert die Willenskraft
seines Nachbarn an der Theke, der ein oder zwei Gläser trinkt und dann zufrieden
aufhört.
Dabei ist ganz klar, dass bei dem mäßigen Genuss
gar keine Willenskraft im Spiel ist. Vielmehr ist kein Bedürfnis da, weiter zu
essen bzw. weiter zu trinken.
Als ein Meister in der Anwendung seiner
Willenskraft gilt der, der sich einer Sucht erfolgreich entzogen hat.
Eine Arbeit, die getan werden muss, vor sich her
schieben!
Können Sie sich aufraffen zu einer ungeliebten
Arbeit?
Sie sollte in Angriff genommen werden. Aber
weshalb soll ich mich dazu heute überwinden, wenn es auch ein Morgen gibt?
Die Arbeit erscheint dem vorausblickenden Auge
als ein Berg, den es zu besteigen gilt. Die Höhe des Berges entspricht der
Intention, die nötig erscheint, um die Aufgabe zu bewältigen. Willenskraft,
Ausdauer, Arbeitskraft! Der innere Widerstand folgt aus dem Anblick des Berges -
die Unlust, die Aufgabe jetzt, in diesem Augenblick, in Angriff zu nehmen.
-
Die Höhe des Berges weist
auf die Schwierigkeit des
Problems,
-
die Steilheit des Anstiegs
auf die Strecke der
bevorstehenden
Entbehrungen,
-
das Volumen des Berges auf
den Gesamtumfang der
Widerstände und
Schwierigkeiten, die aus dem Wege zu
räumen sind.
Eigentlich ist es ganz logisch, dass man sich
angesichts dieser Durststrecke lieber heute einen guten Tag macht und das Elend
auf morgen verschiebt.
Hier fehlt eine wichtige Einsicht, die sich den
Steinzeitmenschen auch nicht auf Anhieb enthüllt hat.
Nehmen Sie Abstand von dem
Problem!
Die Kultur der Steinzeitmenschen und damit die
Kultur überhaupt begann in dem Augenblick, als unsere Vorfahren erkannten, dass
man, um einen Stein zu zerkleinern, zu bearbeiten, zu formen, die beschränkte
eigene Kraft auf einen einzigen Punkt konzentrieren muss. Da man damals noch
keine Stahlwerkzeuge hatte, kam als Überträger dieser Kraft auch nur wieder ein
Stein in Frage; aber der musste eine scharfe Kante haben und als Schlagwerkzeug
verwendbar sein.
Der Faustkeil muss wiederentdeckt werden!
Ich versuche Sie hier in die Steinzeit
zurückzuversetzen, obwohl die Vorgänge, die ich beschreibe, uns heute trivial
erscheinen. Doch ist das ein Vorurteil! Dieses Vorurteil hindert uns daran, die
Kunst und Technik der Steinzeitmenschen richtig zu würdigen. Die Höhe der damit
verbundenen Kultur hat über Hunderttausende von Jahren das Leben auf der Erde
charakterisiert. Richtig würdigen tun wir diese Kultur, wenn wir daran denken,
dass es eine Zeit davor gab, in der die Vormenschen zwar schon eine gewisse
Intelligenz und handwerkliche Fähigkeit hatten, sie diese aber noch nicht zur
Entwicklung einer solchen Kultur zu nutzen wussten.
Im Nachhinein erscheinen uns die nötigen
Erkenntnisschritte trivial, wie im Rückblick jeder Erkenntnisschritt trivial
erscheint: Stets wundert man sich hinterher „wie haben die Menschen vorher bloß
ohne die Erkenntnis leben können“.
Beschränken Sie die eigenen Kräfte
auf ein einziges Ziel!
Ein wenig verlieren diese Betrachtungen von
ihrer Trivialität, wenn wir uns von der äußeren Welt und der steinzeitlichen
Technik abwenden und uns der inneren Welt zuwenden. Hier in der Innenwelt
befinden wir uns in mancher Hinsicht auf der gleichen Kulturstufe wie die
Vorfahren bei der Entdeckung der Steinbearbeitung.
Es ist einfach ungewohnt, die vorhandenen
Verstandeskräfte hier im Innenraum wirksam und zielgerichtet einzusetzen.
Wir kehren zurück, zu dem Problem der
unerledigten Arbeit. Der innere Widerstand entsteht durch die Vision des Berges,
der das zu erledigende Pensum abbildet. Diesem Widerstand muss man eine andere
Vision entgegensetzen - die Vision eines Keiles, der die verfügbaren Kräfte auf
einen Punkt konzentriert: Diese Vision heißt „Zuwendung ohne Intention“.
Ohne Intention! Wo bleibt denn da die
Willenskraft! Sie ist nicht nur eine Einbildung, sie ist eine uns selbst
schädigende Einbildung. Bei der Zuwendung ohne Intention vermindert sich das zu
erledigende Pensum auf Null, das heißt, das Bild des Berges löst sich in nichts
auf. Es bleibt nur das Problem der Zuwendung, und da mit der Intention die
Verpflichtung verschwindet, öffnet sich der Raum für die Neugier. Neugier ist
aber ein motivierendes Moment.
„Willenskraft“, „Sich zusammenreißen“, „nicht so
faul sein“, „den inneren Schweinehund überwinden“ das sind alles Elemente dieser
selbstschädigenden Einstellung. Diese Elemente tragen bei zur Entwicklung der
Bergvision. Wir wissen schon: Sie tragen bei zu der gefährlichen moralisierenden
Haltung, zur Entwicklung von Vorsätzen.
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Waauuu! Die Steinzeit! Wir Hunde haben die
Menschen ja die ganze Zeit hindurch begleitet. Ich weiß noch: Es hat tatsächlich
unendlich lange gedauert, als die Menschen schon die meiste Zeit auf zwei Beinen
gingen und Hände hatten, ehe sie lernten, Faustkeile zu benutzen und
herzustellen. Überraschend ist, wie sich das jetzt im Innenraum wiederholt,
indem eine Einstellung wie „Zuwendung ohne Intention“ den Begriff „innerer
Schweinehund“ überflüssig macht. Der Begriff „innerer Schweinehund“ hat mir
tatsächlich noch nie gefallen.
Quatsch! Ohne Willenskraft geht es nun mal
nicht. Sieh’ den Spruch hier an der Wand: ‘Selbstbeherrschung ist das halbe
Leben!' Ich mache gerade einen Motivationskursus mit. Da lerne ich, wie wichtig
Willenskraft ist. Wir trainieren unsere Willenskraft. Täglich eine viertel
Stunde auf einem Bein stehen! Einen Stundenplan machen. Acht Stunden täglich
nach Plan arbeiten und das fünf mal in der Woche! In dreißig Tagen bin ich mit
meinem Pensum durch und kann mich zur Prüfung melden. Na, was sagst Du nun?
Woff!
Du glaubst mir nicht? Ich sage Dir: Morgen fange
ich damit an. Na ja, zugegeben, das nehme ich mir jeden Tag vor - schon seit
drei Jahren. Aber ich verspreche Dir: Morgen mache ich Ernst damit.
Woff!
Woff!
Ich weiß, Du denkst an „Zuwendung ohne
Intention“. Ich soll sofort anfangen, ohne irgendeinen Vorsatz. Aber:
Heute wird daraus doch nichts mehr. Ich bin
müde! Und außerdem ist es schon später Nachmittag!
Woff!
Woff!
Na wenn Du meinst. Also gut! Wo sind denn die
Papiere? Mein Gott - wie verstaubt das alles ist! Aber dennoch: Irgendwie ist es
aufregend!
Wau-Wau-Wau!
Ein Fauler wird fleißig! Eine Sensation! Das ist ein Grund zum Feiern!
„Zuwendung ohne Intention“
heißt zunächst:
jetzt an die Sache denken -
nichts weiter
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Wir
bewegen uns auf der Oberfläche einer Kugel. Der eine Pol ist das Gesetz
Während der Reise haben unsere Geographen die
Inseln und die Küstenlinie im Westen, so weit sie sichtbar ist, vermessen. Sie
haben inzwischen keinen Zweifel mehr daran, dass wir uns auf einer
Kugeloberfläche bewegen. Da die Kugel sich dreht, muss sie zwei Pole besitzen.
Den einen Pol nennen wir „Das Gesetz“, den anderen „Die Sucht“.
Zwischen diesen beiden Polen lassen sich alle Probleme der Lebensführung
kartographieren.
Die Sucht ist der Punkt auf der Oberfläche
unserer Kugel, der am weitesten vom Gesetz entfernt ist. Und das Gesetz ist der
Punkt, der am weitesten von der Sucht entfernt ist.
Aus der Sucht kann man sich nur mit Hilfe des
Gesetzes befreien. Daraus ergeben sich drei Probleme:
Die
richtige Einstellung zum Gesetz finden,
Praktische Erfahrungen sammeln mit der Einführung eines Gesetzes und
Suchtverhalten überall dort aufdecken, wo es vorherrscht.
Wie oben schon gesagt: Die Sucht ist der Urtyp
aller seelischen Erkrankungen überhaupt.
In Bezug auf das Gesetz gibt es eine naive
Einstellung, die das Gesetz als Gegensatz der Freiheit erlebt: Ein neues Gesetz,
das ich mir auferlege, bedeutet Einschränkung meiner Freiheit! Das ist eine
falsche Einstellung gegenüber dem Gesetz.
Sie bewirkt die ......
(Diese Rubriken sind
geschrieben in Anlehnung an das Buch „Eine Seereise zum Ich“ von Georg M.
Peters, Verlag SPIEL.)
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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