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Revolte der Gesetzlosen
Wir suchen hier nach den
Gesetzen der Innenwelt, und wir suchen die Frage zu beantworten, welchen Nutzen
bringt uns die Kenntnis dieser Gesetze für unser tägliches Leben. Wir hatten die
Dimensionen der Ästhetik und der Intention ins Auge gefasst. Jetzt wenden wir
uns zwei anderen Dimensionen zu: Dem Gesetz und der Freiheit.
Den Begriff des Gesetzes
erweitern wir dabei auf den inneren Bereich: Gesetze sind auch die Regeln, die
der Einzelne sich selbst auferlegt hat. Dabei entdecken wir eine weitere
Orthogonalitätsbeziehung.
Je weniger Gesetze,
desto mehr Freiheit?
In der großen Politik
Vergleichen wir wieder die
große und die kleine Politik: Ein Staat, in dem es keine Gesetze gibt, der Traum
der Anarchisten, ein Paradies der Freiheit?
Eine naive Vorstellung.
Ein Staat, in dem es keine Gesetze gibt, ist natürlich gar kein Staat. Es ist
eine Gesellschaft, in der das Faustrecht regiert, in der keiner seines Lebens
sicher sein kann, in dem die Angst regiert, und wenn die Angst regiert, dann
gibt es keine Freiheit.
Und
in der kleinen Politik?
Ein Mensch, der keine
moralischen Grundsätze in sich trägt, der aus sich heraus keine konstruktiven
Gewohnheiten und keine eigenen Gesetze hervorbringt, der ist seinen eigenen
spontanen Einfällen, Antrieben und Bedürfnissen hilflos ausgeliefert, die ihm
Angst machen, so dass er nicht ein Gefühl der Freiheit entwickeln kann.
Es
handelt sich um Verwahrlosung.
Es gäbe keine
Verwahrlosung, wenn es nicht diese naive Einstellung gäbe, nach der
Gesetzlosigkeit der Traum der Freiheit sei. Statt dessen meldet sich die Angst,
die signalisiert, dass mit der eigenen Einstellung etwas nicht stimmt. Und wehe,
es ist dann keine höhere Bewusstseinsebene verfügbar, von der aus die
Einstellung in Frage gestellt und verändert werden kann!
Das naive Denken ist
eindimensionales Denken:
Das Gesetz sei einfach die
Negation der Freiheit;
eine Dimension reiche aus
zur Darstellung von Gesetz und Freiheit:
der Zuwachs des einen sei
die Verminderung des anderen
- falsches Denken!
Wir entdecken einen
Kontinent
Gesetz und Freiheit sind
voneinander unabhängig!
Wir müssen Freiheit und
Gesetz als zwei voneinander unabhängige Größen betrachten.
Natürlich gibt es auch
falsche Gesetze - Gesetze, die tatsächlich die Freiheit einschränken. Aber das
ist keine Notwendigkeit. Vielmehr ist Freiheit auf die Gesetze angewiesen, sie
wird definiert durch die Gesetze, sie entsteht erst durch sie - in der großen
und in der kleinen Politik.
Damit bewegen wir uns
innerhalb von zwei Dimensionen, und wenn wir die höhere Bewusstseinsebene
einbeziehen, von der aus diese Zusammenhänge erst sichtbar werden, dann sind es
drei Dimensionen.
Wir wissen ja, diese
dritte Dimension ist die Dimension der Ästhetik. Sie steht für:
das Bewusstsein,
das Wissen vom Wissen,
den Abstand von der
eigenen Person,
den ästhetischen Abstand.
Fassen Sie erst drei und dann vier
Dimensionen ins Auge!
Zunächst also: Gesetz,
Freiheit und Ästhetik.
Oben wurde schon im
Zusammenhang mit der Ästhetik von der Intention gesprochen. Damit haben wir vier
Dimensionen. Keine Angst, diese Zählung setzt sich nicht bis ins Unendliche
fort. Es bleibt bei diesen Vieren. Auf die kommen wir aber noch häufiger zurück.
Soviel hier als grobe
Richtschnur für die weitere Fortsetzung. Wichtig für Sie ist, dass Sie diese
Begriffe nicht nur theoretisch erfassen. Denn - wie gesagt - ein Regelkreis aus
Ursache und Wirkung ist immer nur von Bedeutung, wenn die eigene Person, Ihre
Person, einbezogen wird. Das heißt in diesem Zusammenhang, Begriffe wie Gesetz
und Freiheit, Ästhetik und Intention müssen jeweils ein Echo in Ihrem Inneren
hervorrufen.
...ein Echo im Inneren?
Wenn Sie diese Zeilen hier
lesen, dann ist das ein Vorgang auf einer bestimmten Bewusstseinsebene, der
Handlungsebene.
Fragen Sie sich jetzt
einmal, mit welcher Intention Sie lesen! Beobachten Sie sich! So lange Sie
lesen, verweilen Sie noch auf der gleichen Ebene. Aber indem Sie diese Frage an
sich richten, begeben Sie sich auf eine andere, höhere Ebene.
Also - noch einmal die
Frage: „Mit welcher Intention lesen Sie? Geht Ihre Intention dahin, ein
bestimmtes Pensum dieses Lesestoffs zu erfüllen - innerhalb einer bestimmten
Zeit?“ Wenn das der Fall ist, dann ist Ihre Intention im Augenblick sehr hoch.
Richten Sie jetzt die
Frage an sich, wie Ihre derzeitige Haltung im Hinblick auf die eigenen Gesetze
aussieht
- haben Sie zuviel
geraucht? zuviel Alkohol getrunken?
Indem Sie diese Frage
beantworten, begeben Sie sich wiederum auf die höhere Ebene. Angenommen, Sie
sind zur Zeit mit Ihren Gesetzen im Einklang! Dann nehmen Sie bitte für einen
Moment Ihre Intention zurück, also den Vorsatz, ein bestimmtes Lesepensum
einzuhalten! Lehnen Sie sich zurück, und genießen Sie Ihre Freiheit.
Die kann darin bestehen,
aufzustehen und in den Himmel zu schauen. Auf diese Weise entsteht das Gefühl
der Freiheit:
durch Rücknahme der
Intention und
Einklang mit den eigenen
Gesetzen -
es kann nur auf diese
Weise entstehen. Wenn Sie nun zurückkehren zum Text und weiterlesen, dann spüren
Sie, wie Ihre Intention wieder erwacht, und wie Sie auf die anfängliche
Bewusstseinsebene zurückkehren.
Das bedeutet, Ihr
ästhetischer Abstand, der sich zwischenzeitlich vergrößert hat, vermindert sich
wieder. Allgemein gilt: Je mehr Sie sich konzentrieren, je erfolgreicher Sie
arbeiten, desto kleiner wird dieser ästhetische Abstand - selbstvergessenes
Tun.
Bildhaftes Denken! Was ist
ein Stratagem?
Einklang mit den eigenen
Gesetzen und Rücknahme der Intention -
nur auf diese Weise
entsteht das Gefühl der Freiheit
Das ist eine Formel, eine
bildhafte Vorstellung, ein Bild, das eine bestimmte Aufgabe hat. Das Bild soll
eine seelische Kraft entfalten.
Verinnerlichen Sie es,
bewahren Sie es im Bewusstsein! Es soll Sie befähigen, sich in bestimmten
Augenblicken in bestimmter Weise zu entscheiden und zwar zu entscheiden im Sinne
Ihrer eigenen Gesetze.
Das wird hier später noch
genauer erörtert werden. Thema ist, Strategien zu entfalten zur Gestaltung des
eigenen Lebens. Eine Strategie ist immer situationsgebunden, ist immer an die
Erreichung eines bestimmten Zieles gebunden.
Wenn Strategien aber einen
allgemeingültigen Kern aufweisen, dann ist dieser strategische Kern ein
Stratagem. Die oben genannte Formel, „das Gefühl der Freiheit folgt aus dem
Einklang mit den eigenen Gesetzen und einer Rücknahme der Intention“ ist also
ein Stratagem.
Unser Ziel hier ist,
Stratageme zu entwickeln. Ihre, des Lesers, Möglichkeit ist es, diese Stratageme
zu verinnerlichen. Gestalten Sie das Leben mit ihrer Hilfe! Gleichzeitig testen
Sie die Strategeme. Denn entweder sie entfalten die seelische Kraft, die ihnen
hier zugeschrieben wird, dann sind sie gut, oder sie tun es nicht, dann
verwerfen Sie sie wieder.
Der Kontinent heißt: Gesetz und Freiheit
Schauen Sie auf die Karte!
Wie weit sind wir
inzwischen gekommen? Wir bewegen uns auf einer Kugel, die sich dreht um die
beiden Pole Gesetz und Sucht. In dem Spannungs- oder Magnetfeld zwischen den
beiden bewegen wir uns. Die Karte, in die unsere Entdeckungen eingetragen worden
sind, zeigt vier Inseln und einen Kontinent:
Die Orthogonalität von
Ästhetik und Intention:
Ihr verdanken Sie die
Freiheit, zunächst keine Vorsätze mehr zu fassen.
Die Trikotspannung:
Sie kann für Sie eine
Einschlafhilfe sein.
Die Insel der Süchtigen:
Halten Sie sich deren Bild
vor Augen! Werden Sie sich der eigenen Sucht bewusst!
Zuwendung ohne Intention:
Lassen Sie die Bergvision
verschwinden! Die Willenskraft, über die Sie verfügen, ist groß genug.
Verschwenden Sie keinen Gedanken mehr an Ihre Willenskraft.
Der Besuch der vierten
Insel, die wir auf unserer Seereise entdeckt haben, hat sich gelohnt. Wir haben
ihr die Erkenntnis zu verdanken, dass die Willenskraft eine reine Fiktion, ein
Produkt der Einbildung ist.
Jetzt steuern wir die
Landmasse im Westen an, die wir ja schon im Blick hatten. Nach einer kurzen
Reise gelangen wir dort hin und gehen von Bord.
Wonach wir Ausschau
halten, ist ein neues Stratagem. Wir haben gelernt, was ein Stratagem ist.
Stratageme sind wichtige Elemente bei dem Versuch, das Leben nach eigenen
Wünschen zu gestalten.
Der Kontinent soll stehen
für die „Orthogonalität von Gesetz und Freiheit“ – für die Unabhängikeit von
Gesetz und Freiheit, für die Vereinbarkeit von Gesetz und Freiheit.
Was propagieren die
Rebellen? Sie kämpfen gegen das Gesetz für eine vermeintliche Freiheit. Denn sie
glauben, dass Gesetz und Freiheit einander ausschließen. Doch das ist falsches
Denken.
Hier folgen zwei Beispiele
für die Beziehung zwischen Gesetz und Freiheit. Die werden in ganz allgemeiner
Form beschrieben. Es geht zunächst nur darum, dass Sie verstehen, was mit dem
Stratagem gemeint ist. Wenn Sie selbst ein Problem haben mit Asozialität oder
Sucht, nehmen Sie die Beispiele nur zur Kenntnis. Eine Auseinandersetzung mit
den Problemen folgt später.
Der Asoziale
Ein Beispiel für die
Beziehung zwischen den beiden Größen Gesetz und Freiheit ist die Einstellung des
Asozialen, des Penners, des Streuners. Er setzt sich zur Wehr gegen die
Aufforderung, doch endlich ein geregeltes Leben zu führen, sich ein Obdach und
eine geregelte Arbeit zu besorgen, sich der Anstrengung zu unterziehen, etwas
für seinen Lebensunterhalt zu tun.
Er sieht das als eine
Zumutung an, als eine unerträgliche Einschränkung seiner Freiheit.
Die Ordnung im Bereich der
eigenen Lebensführung fällt in die Zuständigkeit des Gesetzes, und für den
Asozialen sind die beiden Begriffe Gesetz und Freiheit miteinander unvereinbar.
Die Unvereinbarkeit von Gesetz und Freiheit! Ein Mehr des einen bedeutet ein
Weniger des andern und umgekehrt. Das ist die falsche Einstellung! Richtig ist
auch hier wieder, dass beide Größen unabhängig voneinander, dass sie orthogonale
Größen sind.
(Diese Rubriken sind
geschrieben in Anlehnung an das Buch „Eine Seereise zum Ich“ von Georg M.
Peters, Verlag SPIEL.)
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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