Natürlich kann man auf
eine Ozeanreise nicht jeden mitnehmen. Deshalb müssen Sie sich zunächst einmal
prüfen lassen: Ihren Mut beweisen; beweisen, dass Sie logisch denken wollen;
dass Sie Entscheidungen treffen wollen; beweisen, dass Sie nachdenken wollen
über Ihr Denken. Was heißt das? Dass Sie Abstand gewinnen wollen von der eigenen
Person. Was heißt das in Bezug auf die Ozeanreise? Dass Sie schwindelfrei genug
sind, um am Mast empor zu klettern.
Wir sind immer noch dabei,
alles hinnehmen zu lernen. Das bedeutet auch angstfrei sein. Positives Denken im
Sinne von Wunschdenken nützt beim Verfolgen unsrer Ziele nichts. Wir beginnen
statt dessen mit einer kleinen Übung in negativem Denken. Es ist eine
Vorstellungsübung, die Sie als Spiel betrachten sollen.
Ist das schwarzer Humor?
Stellen Sie sich einen
Sarg vor! Sie schauen hinein in sein Inneres und sehen dort in trübem Licht die
Umrisse eines Skelettes. Der Schädel hängt noch zusammen mit dem Rückgrat.
Ist Ihnen das zu
trübsinnig, zu morbide? Sie sehen keinen Sinn in solchen albernen Spielchen? Sie
sollten weitermachen. Das Spiel ist nicht sinnlos, und wenn Sie noch dabei sind,
dann halten Sie sich bitte das Folgende vor Augen:
Sie sehen das Skelett in
seiner düsteren Umgebung, erleben eine absolute Stille und Bewegungslosigkeit -
lange Zeit hindurch. Dann plötzlich - die Knochen sind morsch - gibt die
verwesende Verbindung zwischen Rückgrat und Schädel nach. Es knirscht. Ein Riss
bildet sich. Der Schädel löst sich, dreht sich zur Seite und poltert gegen die
Rückwand der Holzkiste.
Sie machen noch mit? Gut
so! Denn jetzt kommt eine Hürde: Fassen Sie sich an den Kopf, und fühlen Sie die
Härte des Knochens unter Ihrer Kopfhaut! Stellen Sie sich vor, es sei Ihr
eigener Schädel gewesen, der das Poltern in der Kiste verursacht hat. Denn
irgendwann, in zwanzig, fünfzig oder in wie vielen Jahren auch immer, wird
dieses oder ein ähnliches Schicksal Ihr eigenes sein.
Wenn Sie noch mitmachen
bei unserem Spiel, dann haben Sie jetzt einen wichtigen Schritt vollzogen -
nämlich den von einer reinen Vorstellung zur Wahrnehmung der Wirklichkeit - der
Wirklichkeit Ihrer eigenen Zukunft. Versuchen Sie, das Bewusstsein dieser
unausweichlichen Wirklichkeit zu ertragen!
Wir brauchen wieder ein
anschauliches Bild
Prägen Sie sich dieses
Bild ein! Machen Sie es zu Ihrem ständigen Besitz, machen Sie sich damit
vertraut! Der Gedanke an den Tod wird in diesen Texten noch häufiger eine Rolle
spielen. Für alle diese bildhaften Vorstellungen gilt: Erst wenn man längere
Zeit damit gelebt hat, erkennt man ihren Wert. Den Schrecken haben sie dann
längst verloren.
Halten Sie inne, und
überlegen Sie, was geschehen ist - und zwar nicht in der realen Welt, nicht in
der Außenwelt: Dort ist gar nichts geschehen. Und viele denken, wenn sich in der
Außenwelt nichts ereignet hat, dann hat sich überhaupt nichts ereignet. Ein
fundamentaler Irrtum! Aus unserem Spiel ist jetzt nicht Ernst geworden. Es ist
immer noch ein Spiel. Aber ein Spiel mit einem ernsten Hintergrund.
Was hat sich ereignet? Sie
haben eine Veränderung im Bewusstseinsraum vorgenommen. Sie haben eine solche
Veränderung bewusst, absichtlich, intentional vorgenommen. Das ist nicht
trivial.
Denn dazu müssen Sie einen
Abstand von der eigenen Person haben, müssen die Fähigkeit entwickelt
haben, in sich selbst hinein zu schauen. Man hat keinen Einfluss auf Prozesse,
von denen man nichts weiß. Wissen ist das eine. Wissen vom Wissen ist etwas ganz
anderes. Dazu ist eine höhere Bewusstseinsebene erforderlich, von der aus
wahrnehmbar ist, was sich auf einer anderen abspielt. Eine solche Ebene haben
Sie jetzt bei sich genutzt oder installiert. Spielerisch zwar, aber dennoch kann
das für Sie irgendwann eine lebenswichtige Bedeutung annehmen. Etwa wenn sich
dadurch Ihre Einstellung zum Tode verändert.
Ich gratuliere Ihnen, dass
Sie noch nicht abgesprungen sind. Nicht jeder ist uns bis hier gefolgt - und
zwar ganz einfach deshalb, weil er dazu nicht in der Lage ist. Warum? Weil er
diese Bewusstsein
sebene nicht hat oder
nicht einrichten kann.
Ist diese Unfähigkeit
organisch bedingt, ist es fehlende Übung, ist es Trotz? Es hängt zusammen mit
einer anderen Eigenschaft oder Unfähigkeit, die sich in der Weigerung
ausdrückt, logisch zu denken. Es ist eine Unfähigkeit, die sich maskiert als
Verweigerung:
„Ich will nicht logisch
denken! Gefühl ist wichtig, nicht die Logik. Logik verführt zur
Wissenschaftlichkeit. Wissenschaftlichkeit hat uns ins Unglück geführt.“
Sind Sie fähig, logisch zu
denken?
In Bezug auf die Logik
gilt das Gleiche, was Goethe über die Gesundheit gesagt hat:
„Gesundheit ist nicht
alles. Aber ohne sie ist alles nichts.“
Statt dessen gilt auch:
„Logik ist nicht alles.
Aber ohne sie ist alles nichts.“
Die Ablehnung der Logik
beruht auf einem falschen Verständnis von Logik. Man kann einen Kuchen nicht
gleichzeitig essen und ihn behalten. So einfach ist das. Damit beginnt die
Logik. Eine Aussage ist entweder wahr oder sie ist nicht wahr. „Tertium non
datur.“ Das heißt: Ein Drittes gibt es nicht. Entweder esse ich den Kuchen oder
ich esse ihn nicht. Das ist der Anfang jeder Logik.
Auf einer solchen
Feststellung beruht auch jede Entscheidung. Eine Entscheidung bedeutet
überhaupt nichts, wenn nicht zumindest die Möglichkeit besteht, dass sie strikt
eingehalten wird. Und das ist eine Frage der Logik.
Können Sie Entscheidungen
treffen?
Eine Entscheidung bedeutet
dann nichts, wenn sie im nächsten Augenblick schon wieder vergessen ist.
Ein solches Lavieren
kennzeichnet den Lebensstil eines Menschen, der ohne Logik lebt. Unbewusst sucht
er nach dem erwähnten Dritten, das es nicht gibt. Und daran kann sich nichts
ändern, so lange er diesen Prozess nicht wahrnimmt. Da er den Prozess nicht
wahrnimmt, ist er nicht fähig, sein falsches Verhältnis zur Logik zu ändern.
Wir wissen schon, wir
haben es ja gerade gesehen: Um sein Verhältnis zur Logik zu verändern, müsste er
eine Bewusstseinsebene einrichten, von der aus er seine Einstellung überhaupt
erst einmal wahrnehmen kann. Nur wenn er diese Wahrnehmungsfähigkeit hat, kann
er eine falsche Einstellung ändern. Aber zur Installation einer solchen
Bewusstseinsebene sind manche nicht in der Lage - wie oben schon gesagt.
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Der
Hund denkt: Wau! Das war interessant: Entscheidungen! Sehr wichtiges Thema!
Herrchen
sagt: Na, mich betrifft das eigentlich nicht. Entweder oder? Ich nehme lieber
den mittleren Weg.
Hund:
Woff!
Herrchen: Was ist? Willst Du Gassi gehen?
Wau!
Er müsste sich bald entscheiden, ob er mit mir Gassi gehen will. Sonst
entscheidet sich statt seiner meine Blase. Vielleicht entscheidet er sich ja
dafür, dass ich mein Bedürfnis hier drinnen befriedige. Dann sollte er aber
auch dazu stehen. Das müsste er doch gerade gelernt haben.
Du
willst Gassi gehen. Ich habe aber keine Lust. Vielleicht später.
Woff!
Soll das eine Entscheidung sein?
Warte
noch einen Moment! Gleich gehen wir Gassi!
Das
ist auch wieder keine Entscheidung. Der Hund jault.
Also -
jetzt hör’ endlich auf zu jammern. Wir gehen ja schon.
Merkt
er gar nicht, wie wehleidig das klingt? Andererseits - wir brauchen nicht mehr
Gassi zu gehen. Meine Blase hat sich schon entschieden.
Pffuuuiii!!
Jetzt
kriegt er wieder einen Wutanfall. Er sagt, das oben Gelesene betreffe ihn nicht.
Hätte er aufmerksamer gelesen, dann wäre ihm klar geworden:
Wer keine Entscheidung
trifft, erleidet immer
früher oder später einen
Wutanfall.
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Ein depressiver Gedanke
führt stets zu falschen Entscheidungen.
Es folgen Beispiele für
depressive Gedanken und deren tragische Folgen. Ein depressiver Gedanke hat oft
spektakuläre Folgen. Manches Unglück, manche Katastrophe resultieren aus einem
einzigen depressiven Gedanken. Es gibt Katastrophen, die bisher immer nur aus
technischer Sicht betrachtet wurden. Um die Ursache aufzudecken ist aber oft die
psychologische Sichtweise von entscheidender Bedeutung.
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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