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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

 

 

Wie weit sind Sie vom Glück entfernt?

 

Depressives Denken muss man zuerst bei sich selbst erkennen, ehe man versuchen kann, diese Gedanken zu beeinflussen. An etwas anderes zu denken, ist allerdings leichter gesagt als getan. Die Technik des sogenannten „Positiven Denkens“ ist eher schädlich als nützlich, weil es nicht zur Ursache des depressiven Denkens vordringt. (Siehe Günter Scheich „Positives Denken macht krank“) Denn das depressive Denken ist zwanghaft. Man braucht eine Strategie, um sich von diesem Zwang zu befreien. Und diese Strategie muss im gesunden Zustand entwickelt und eingeübt worden sein. Sie hängt zusammen mit der Einstellung. Die richtige Einstellung gewinnen – das ist die Aufgabe! Wann fühlen Sie sich glücklich? Wie weit sind Sie vom Glück entfernt? Was ist Glück? Wie hängt Glück mit der Einstellung zusammen? Das sind die entscheidenden Fragen!

Um die Antwort hier gleich vorweg zu nehmen: Das Glück ist nicht weit entfernt. Sie sind schon glücklich. Vielleicht wissen Sie es nicht. Ihr Alltagsgefühl, das ist das Glück. Sie erleben es nur nicht als Glück, solange Sie eine falsche Einstellung haben. Gehen Sie spazieren und genießen Sie das Glücksgefühl, schmerzfrei gehen zu können! Schauen Sie aus dem Fenster und genießen Sie das Glücksgefühl, weit entfernte Gegenstände klar und deutlich sehen zu können! Ein wahrer Luxus, denn eigentlich ist das meiste, was Sie sehen, gar nicht von Interesse für Sie. Aber genießen Sie den Luxus! Wenn Sie das eine nicht haben, haben Sie das andere – oder ein Drittes. Das ist Selbststeuerung! Das ist auch die Demut gegenüber dem, was dem Menschen gegeben ist, wie Ignatius sie empfiehlt. Niemand hindert Sie daran, das schmerzfreie Gehen, das scharfe Sehen, als Selbstverständlichkeiten anzusehen und gering zu schätzen. Dann verschwindet das Glücksgefühl. Ein Gefühl der Zufriedenheit verlängert, wie schon gesagt, Ihr Leben. Wenn Sie Ihre Schätze gering achten, unzufrieden sind, verkürzt sich Ihr Leben. Glücksgefühl, Zufriedenheit, Lebensdauer alles ist allein abhängig von Ihrer Entscheidung. Selbststeuerung!  

 

Umgang mit depressiven Gedanken

 

Die herkömmliche Psychotherapie will Ihre depressiven Gedanken, Ihr negatives Denken analysieren, kindliche Verletzungen aufdecken und therapieren. Wenn Sie sich in einer therapeutischen Situation befinden, dann versuchen Sie gegenzusteuern! Die therapeutische Idee ist in der Zielsetzung richtig, aber in der Methode falsch. Warum, werden Sie erkennen, wenn wir den Kern, den Auslöser der Depression beschrieben haben. Zunächst ist nur eines wichtig: Kindliche Verletzungen aufzudecken und eine aktuelle Depression zu bekämpfen, sind zwei völlig verschiedene Ziele. Sie sind grundsätzlich unvereinbar. Man darf sie niemals miteinander in Verbindung bringen. Das schmerzfreie Gehen genießen, das ist ein realistisches Ziel, und zur Bekämpfung Ihrer aktuellen Depression im Augenblick die beste Methode.

Ich höre natürlich den lautstarken Protest, den meine Ratschläge hier auslösen. Angenommen, ein Mensch befindet sich in einer Krise. Ich will jetzt gar nicht versuchen, hier zu umreißen, welche schrecklichen Ereignisse, Katastrophen, Verluste, Beschädigungen ihm in seiner Vergangenheit widerfahren sein können. Wenn er von den Erinnerungen daran bedrängt wird, traumatisiert worden ist und sich jetzt in einer Depression befindet, was soll ihm dann der Ratschlag helfen, er möge sich am schmerzfreien Gehen erfreuen? Eine solche Strategie, ein solcher Denkversuch, ist doch gegenüber der Übermacht der Vergangenheit hilflos; er muss doch scheitern!

So scheint es. Andererseits: Die Vergangenheit ist ein Schattenreich. Die Realität der Gegenwart und die Irrealität der Vergangenheit, die ergeben eine andere Gegenüberstellung. Bei dieser Gegenüberstellung sind die Gewichte anders verteilt. Das depressive Denken gewinnt seine Gewalt und Kraft daraus, dass es die Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit oder die Zukunft, eine weitere Irrealität, richtet und zwar gerade zu dem Zweck, um die Aufmerksamkeit von der Gegenwart abzuziehen – eine illegitime Zielrichtung. Die Aufmerksamkeit auf etwas richten! Wir hatten schon gesehen: Das ist die Aufgabe der Selbststeuerung, und die sollte man nicht den ichfremden Intentionen des depressiven Denkens überlassen.

 

Gegensteuern!

Eignen Sie sich Gegenstrategien an!

 

Wir hatten gesehen: Im Falle der Depression wird das eigene Denken von ichfremden Intentionen gesteuert! Das ist ein Zwang, ein Denkzwang. Dem kann man nicht begegnen, indem man versucht, die Probleme, die sich einem aufdrängen, die einem aufgedrängt werden, zuende zu denken. Die einzige Abhilfe ist, das Denken ganz abzustellen. Dazu dienen feste Formeln, Denkformeln. Das erinnert an Gebetsformeln, und tatsächlich ist der kausale Hintergrund genau derselbe. Das ichfremde Denken will dem Ich, wie wir gesehen haben, die Gegenwart entreißen. Gegensteuern bedeutet also, die Gegenwart zurück zu gewinnen! Das gelingt dadurch, dass man sich die oben genannten Glücksvorstellungen vergegenwärtigt, - nach Ignatius, dass man die Demut empfindet gegenüber dem, was einem gegeben ist. So verbindet man sich mit der Gegenwart: Den Luxus des schmerzfreien Gehens, den Luxus des Sehens genießen. Verdichtet zu einer Formel wird daraus die rhetorische Frage „Möchte ich irgendetwas anders haben als es ist?“ „Nein, es ist gut so, wie es ist!“

Ich höre natürlich die Proteste der Problemlöser. Die Welt ist voller Probleme, und hier soll offenbar überhaupt keines gelöst werden. Wenn ein Mensch von Selbstmord­gedanken gequält wird, dann ist es ein großer Fortschritt, wenn er sich entschließt, im Augenblick nichts zu tun. „Im Augenblick“ – das ist die Wiedergewin­nung der Gegenwart! Wir werden lernen, den Zustand der akuten Depression von dem Normalzustand zu unterscheiden. Es ist ganz wichtig, im Zustand der akuten Depression nichts zu wollen, nichts denken zu wollen, nichts entscheiden zu wollen.

Wenn der Depressive von Zukunft oder Vergangenheit bedrängt wird, so sind es fast immer Stimmen anderer Menschen, die als bedrohlich empfunden werden. In diesen inneren Monologen kommen die Chefs, die Prüfer zu Wort, denen man morgen oder übermorgen begegnen wird oder Personen, mit denen man gestern oder vorgestern zu tun hatte. Und das depressive Denken sorgt dafür, dass alle diese inneren Monologe für das Ich schlecht ausgehen. Die Prüfer stellen Fragen, die man nicht beantworten kann, auch die Dialoge mit Personen, denen man in der Vergangenheit begegnet ist, verlaufen alle für das Ich kränkend oder enttäuschend. Das depressive Denken möchte diese Dialoge gerne immer weiter führen, gerne fortsetzen bis zu einem für das Ich niederschmetternden Ergebnis. Auch hier gibt es nur einen Ausweg – nämlich den Denkprozess ganz abzustellen. Nur so kann die Gegenwart wieder gewonnen werden. Dazu verhilft eine andere Denkformel: Ich stelle mir vor, ich befinde mich auf einem Floß im Ozean. Stille und Leere ringsherum! Aber am Rande meines Floßes versuchen sich Menschen hochzuziehen. Dort sehe ich meinen Chef, meinen Prüfer, denen ich morgen begegnen werde, dort sehe ich Personen, die mir gestern begegnet sind, und die mir etwas sagen wollen. Ich stoße sie alle zurück ins Meer. Heute gehört das Floß mir, und heute will ich es für mich haben.

Diesmal stammt der Protest, den ich höre, nicht von den Problemlösern, sondern von den Menschen, die sozial eingestellt sind und anderen helfen wollen. Man könne nicht andere ins Meer zurückstoßen, wenn sie Hilfe brauchen. Aber: Man muss unterscheiden lernen zwischen der Handlungsebene und der Einstellungsebene. Das ist eine Frage der ästhetischen Distanz! So selbstverständlich es ist, dass man auf der Handlungsebene bemüht ist, anderen Menschen zu helfen, so selbstverständlich muss es werden, dass auf der Einstellungsebene andere Gesetze gelten können. Der Depressive wird geleitet von seinen Anklam­me­rungs­­bedürf­nis­sen. Wenn die verinnerlichten Gestalten zur Be­drohung werden, ist es lebensnotwendig für ihn, dass er sich von ihnen lösen kann. Wir hatten gesehen: Die inneren Monologe mit diesen Gestalten zu einem Ende zu führen, ist nicht möglich. Da bleibt nur ein Bild wie das des Floßes übrig, auf dem man allein bleibt, um sich von dieser Last zu befreien.

 

Wollen Sie aus der Vergangenheit lernen?

 

Aus der Vergangenheit lernen, ist ein irreführendes Schlagwort. In keinem Punkt lässt sich aus der Vergangenheit ein Hinweis ableiten, der eine anstehende Entschei­dung vorzeichnet. In Deutschland wird es leider gegenwärtig versucht mit der Maxime, „Wir müssen dafür sorgen, dass die Vergangenheit sich nicht wiederholt!“ Das tut sie ohnehin nicht. Die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen zu wollen, führt lediglich dazu, dass man die Dogmen der Vergangenheit ins Gegenteil verkehrt, und sich nun wiederum von Dogmen in die Irre führen lässt. Ein Verhalten, das für einen Neurotiker typisch ist: Wenn der durch sein neurotisches Verhalten in eine unerträgliche Situation geraten ist, dann verfällt er in das neurotische Komplementärverhalten. Beispiel ist das gestörte Essverhalten von Bulemiekranken: Fressanfälle und Essverweigerung wechseln miteinander ab.

Dennoch ist die Vergangenheit wichtig: Man kann sich in ihr wiederfinden. Das ist allerdings etwas ganz anderes, als über die Vergangenheit zu Gericht sitzen. Sie sehen, es gibt gegenüber der Vergangenheit richtige und falsche Einstellungen. Die Neurose eines Bulemiekranken und die Neurose eines Staates wie Deutschland! Darf man die in Beziehung zueinander setzen? Die Parallelität von individueller und gesellschaftlicher Geschichte! Die Grundzüge der eigenen Entwicklung in der Entwicklung der Gesellschaft wiederentdecken! Das eröffnet interessante Perspektiven.

Die Abtötung des Willens, wie erwähnt, bezeichnet Schopenhauer als ein Phänomen der „Heiligkeit“. Indem wir Denkformeln entwickeln, die als Gegenstrategie gegen das Depressive Denken dienen sollen, entdecken wir religiöse Formeln, Gebetsformeln wieder. Indem man Demut entwickelt gegenüber dem, was einem gegeben ist - wie wir es bei Ignatius gesehen haben -, folgt man der Gebetsformel „Herr, wir danken Dir“. Man begibt sich, wie gesagt, in den Bereich des „Ora“ der Benediktiner. Diese Linie lässt sich noch weiter verfolgen.

Das Depressive Denken folgt einer ichfremden Intention. Diese Tendenz ist nicht nur ichfremd, sondern ichfeindlich. Den Hintergrund werden wir noch kennen lernen. Die letzte Zielsetzung ist die Selbsttötung des Betroffenen. Wir haben gesehen, dass es für das Ich nicht möglich ist, die Problemstellungen des Depressiven Denkens aufzulösen und sich von den darin enthaltenen Belastungen zu befreien. Abhilfe bieten nur eingeübte Denkformeln, die das Denken abstellen sollen. Die konsequenteste dieser Formeln ist, „Ich bin tot“. Erkennen Sie darin einen Schritt in Richtung der Ästhetikdimension! Nicht sich das Leben nehmen, sondern denken, ich nehme mir das Leben! Sartre beschreibt diesen Schritt, der einen entscheidenden Wandel in seinem Leben bedeutete, in seiner Autobiographie „Le mots“. Als junger Mensch geriet er in solche Verzweiflung, dass er in dem Hotel, in dem er wohnte, ein hoch gelegenes Fenster aufsuchte, um sich hinaus zu stürzen. „Doch statt zu springen, stellte ich mir vor, ich sei gesprungen.“ Er stellte sich vor, er sei nun tot, und genoss quasi sein weiteres Leben als Zugabe, als ein Weiterleben nach dem Tode.

Wenn Sie sich diese Meditationsformel „Ich bin tot“ zu eigen machen, dann können Sie darin auch wieder ein geschichtliches Element erkennen: Die Formel „Ich bin für Euch gestorben“ der Jesusjünger. Indem der Gläubige das Abbild des gekreuzigten Jesus betrachtet, identifiziert er sich mit ihm, erlebt seinen eigenen Tod und genießt den Gedanken an sein Leben danach.

Zu den Gesetzen des Innenlebens gehört, dass man in der eigenen inneren Entwicklung Elemente der geschichtlichen Entwicklung wieder erkennt.

Ich sprach hier mehrfach von den „ichfremden Intentionen“ des Depressiven Denkens. Wer steuert diese Intentionen? Es handelt sich dabei nicht um eine der von Freud definierten Instanzen des Ich, Es und Überich. Es ist eine Instanz, die selbständig neben dieser Ichstruktur existiert, ein Nebenich.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Georg M. Peters

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Ad personam

 

 

Dr. Georg M. Peters ist Buchautor zum Themenkreis

 

'endogene Depressionen', verlegt im www.verlag-spiel.de