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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

 

 

 
Meditationen

Die hier angegebenen Meditationen können keine Garantie für Erfolg und müheloses Gelingen geben. Aber manchmal stehen Entwicklungen auf der Kippe, und dann kann die richtige oder falsche Einstellung den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg geben.

Wenn Sie am nächsten Tag einen wichtigen Termin bei Ihrem Vorgesetzten haben, und Sie meditieren in der beschriebenen Weise am Abend vorher „ich bin tot“, „der Chef will mein Floß besteigen; ich stoße ihn zurück ins Meer“, dann bedeutet das nicht, dass Sie am nächsten Morgen den Termin fahren lassen, oder Ihren Chef beleidigen sollen. Dieses wird sich auf der Handlungsebene abspielen, das andere liegt auf der Einstellungsebene. Halten Sie beide auseinander!

Es kann hier auch nicht verallgemeinernd vorausgesagt werden, was richtig ist: ob Sie in der Nacht durcharbeiten sollen, um eine Aufgabe termingerecht fertig zu stellen, oder lieber schlafen sollen, um morgen ausgeruht zu sein. Aber - und das gilt ganz allgemein: Angst hindert Sie an beidem, am Schlaf genauso wie am Arbeiten.

Die Angst liegt auf der Einstellungsebene, und dort sollen die Meditationen ihre Wirkung entfalten. Wenn Sie dann meditieren, „ich bin tot“, heißt das, Sie wissen heute abend nicht, ob Sie morgen den Termin wahrnehmen werden. Die Entscheidung liegt auf der Handlungsebene. Und eine solche Entscheidung brauchen Sie nicht heute Abend zu treffen. Es genügt, wenn Sie sie zehn Minuten vor der Begegnung treffen.

Einen Gedanken wie „das kann, das darf nicht sein, dass ich den Termin versäume, dass ich in der Prüfung versage, dass ich meine Aufgabe nicht erfülle“, den streichen Sie nach Möglichkeit aus Ihrem Bewusstsein! Irgendwie wird es schon weiter gehen. Auch wenn Sie scheitern. Beziehen Sie das Scheitern in Ihren Erwartungshorizont ein! Nicht um die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns zu erhöhen, sondern um Ihre Freiheit zu bewahren, um die Angst vor dem Scheitern los zu werden.

Wenn Sie auf der Einstellungsebene das Scheitern ins Auge fassen, heißt das eben nicht, dass Sie auf der Handlungsebene das Scheitern herbei führen. So zu denken ist naives, eindimensionales Denken. Vielleicht werden Sie ja den Termin morgen wahrnehmen. Sie wissen es jetzt nicht und wollen es jetzt nicht wissen, denn das würde Ihre freie Entscheidung morgen vor dem Treffen einengen.

Sie schaffen sich auf diese Weise einen angstfreien Raum, und den können Sie nutzen, um heute nacht gut zu schlafen oder heute nacht konzentriert zu arbeiten, sich gut vorzubereiten. Durch Angst dagegen wird das Scheitern in jedem Falle vorprogrammiert.

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Der Hund: Wau! Er denkt: Eine eigenartige Theorie der Depression. Hab’ ich noch nie gehört.  

Herrchen: Mich interessiert das nicht. Ich halte nichts von Psychologie.

Woff! 

Du meinst, ich sollte mich dafür interessieren? Warum? Ich bin nicht depressiv.

Woff, Woff! 

Was willst Du? OK - meine Stimmung ist nicht die beste. Aber damit bin ich noch nicht krank. Ein Depressiver sollte in die Anstalt gehen.

Woff! 

Was willst Du denn? Du hast immer gute Laune. Aber Du bist ja auch kein Mensch. Du bist unmenschlich.

Woff! 

Du meinst, ich soll das Gelesene auf mich anwenden? Wie gesagt - wenn ich einmal schlechter Stimmung bin, dann heißt das nicht, dass ich krank bin oder verrückt.

Woff! 

Du guckst mich so treuherzig an. Ich soll spielen? Spielerisch das Gehörte auf mich anwenden? Was kann schon passieren? Also gut, ich frage mich also: Bin ich jetzt, in diesem Augenblick, depressiv? Ich weiß nicht. Ich habe einfach Sorgen. Ich mache mir Sorgen um Iris. Nach unserem letzten Streit weiß ich nicht, ob und wann sie wieder von sich hören lässt. Außerdem mache ich mir Sorgen um meinen Arbeitsplatz. Der Chef hat neulich von Auftragsrückgang gesprochen und von Kündigungen, die vielleicht nötig werden. Außerdem hat Heinz bald Geburtstag. Eine Einladung zu seiner Feier habe ich noch nicht erhalten.

Woff! 

Was soll das Woff bedeuten? Hat er mich doch eingeladen und ich habe das vergessen oder was?

Woff! 

Du willst so lange protestieren, bis Du mich auf die Linie von dem Text gebracht hast, den wir gerade gelesen haben. Du hörst doch - ich habe anderes im Kopf.

Woff! 

Nicht? Ich sage Dir doch: Ich bin nicht depressiv; ich habe nur Sorgen, Probleme, wie sie jeder andere auch hat. Und Schluss!

Woff! 

Du meinst, ich bin doch depressiv? Du hörst es an meiner Stimme? Also gut - vielleicht bin ich depressiv, vielleicht ein bisschen.

Wau, Woff! 

Was soll das wieder heißen? Man kann nicht ein bisschen depressiv sein? Entweder ist man es oder nicht. Entweder hat das Nebenich den Thron inne oder das Ich. Dazwischen gibt es keine Übergänge.

Wau! 

Also muss ich mich entscheiden: Bin ich depressiv, jetzt in diesem Augenblick, oder nicht? Ich habe da einen Einwand. Neulich habe ich einen Vortrag gehört, in dem ein Psychologieprofessor aufgezählt hat, an Hand welcher Kriterien er entscheidet, ob ein Patient depressiv ist oder nicht. Ein wichtiger Punkt in dieser Liste ist zum Beispiel die Schlaflosigkeit. Ich habe diese Kriterien auf mich angewendet und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nicht depressiv bin. Zum Beispiel bezüglich der Schlaflosigkeit. Ich habe letzte Nacht ganz gut geschlafen. Nun - was sagst Du dazu?

Woff, Woff! 

Ich gebe zu, ich spreche etwas gegen meine Überzeugung. Ich fühle mich im Augenblick nicht in der besten Verfassung. Und ich bin sicher, wenn diese Stimmung und der Zwang zum Grübeln länger anhalten, dann - ich kenne ja schlaflose Nächte - werde ich in den Zustand der Schlaflosigkeit hinein geraten. Ja, wenn ich mich nach meiner augenblicklichen Stimmung befrage, dann bin ich depressiv.

Wau! 

Die Therapeuten diagnostizieren eine Depression immer erst dann, wenn die Symptome sich häufen. Hier wird das Kind immer erst dann vermisst, wenn es schon seit Wochen im Brunnen liegt. Ich möchte lieber gleich etwas tun.

Wau, Wau! 

Was muss ich denn tun? Nichts!? Nichtsdenken! Nichtswollen! Denken: Ich bin schon tot! Denken: Ich habe mir das Leben genommen! Als Toter kann ich das Problem Iris jetzt nicht lösen. Ich will es jetzt nicht lösen. Ich will jetzt überhaupt kein Problem lösen.

Wau! 

Will ich irgend etwas anders haben als es ist? Nein! Also kümmere ich mich jetzt nicht darum, wie es in der Firma weiter gehen wird. Ich freue mich daran, dass ich zur Zeit noch eine Anstellung habe. Ich stelle mir vor, ich sitze allein auf einem Floß. Um mich herum die Leere des Ozeans. Iris, Heinz, mein Chef krallen sich am Rande des Floßes fest und wollen sich hinauf ziehen. Ich stoße sie alle zurück. Ich treffe keine Entscheidungen. Alles ist voraus bestimmt. Alles kommt, wie es kommen muss. Liege ich richtig mit meinen Gedanken?

Wau!  

Aber wenn ich vorhin mit meiner Selbstdiagnose recht hatte, dass ich depressiv bin, dann bin ich jetzt immer noch depressiv. Ich spüre es an meinen Gesichtsmuskeln. Also nützt diese Meditation nichts.

Woff! 

Na ja - das war wohl falsch gedacht. Ich kann unbewusste Prozesse nicht steuern. Aber wenn jetzt mein Nebenich auf dem Thron sitzt und das Ich sich angstvoll in den Hintergrund zurückgezogen hat, dann ist das ein unnatürlicher Zustand. Sowie das Ich seine Angst vor der Zukunft verliert, findet ein Rücktausch der Plätze statt. Automatisch stellt sich die Normalität wieder her. Ein schlagartiger Vorgang! Es gibt dabei keine Übergänge. Entweder hat er stattgefunden oder nicht. Und den Zeitpunkt muss ich einfach abwarten. Abwarten und Tee trinken! Das ist es: Teezeit! Ein Glas Tee wird mir gut tun. Und Du bekommst einen Hundekuchen.

Wau, Wau!

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Ein Depressiver wird sich immer gegen die Einsicht sträuben,  dass er depressiv ist. - Kein Wunder! Das liegt im Interesse seines Nebenichs.  

Was will ich? Nichts! - Ein Meditationsgarten

Lernen Sie von den Japanern

Wir sehen den Meditationsgarten eines Zen-Klosters: Ryoanji. Ein großer Garten, nicht betretbar, von einer niedrigen Mauer umgeben. Man kann nur hinein schauen - ein Garten zum Schauen. Außer Kies und fünf großen Steinen enthält er nichts. Der Kies ist eben, so eben wie es nur geht, und glatt, im gleichmäßigen Muster geharkt. Daraus hervorragend die Steine, unregelmäßig über die Ebene des Gartens verteilt. Wenn Sie fragen, was ein solcher Medi­tationsgarten bedeutet, erhalten Sie die folgenden Antworten:

„Es kommt bei der Einrichtung eines solchen Gartens nicht auf die Schönheit an. Er soll die Leere darstellen. Der Betrachter soll mit der Leere konfrontiert werden, er soll sich selbst begegnen, sich selbst wahrnehmen in der Gegenüberstellung mit dem Nichts. Bei dem angeschauten Garten sind nicht die Gegenstände von Bedeutung, die er enthält, sondern die Größenverhältnisse, die Anordnung, die Form der Steine. Die Steine stehen für die Materie, der Kies für die Leere, das Nichts.“

Diese Erklärungen sind alle genau so richtig wie sie falsch sind. Sie sind richtig für denjenigen, der einen solchen Garten beschreiben, entwerfen, bauen, in Auftrag geben will - al­so für jemanden, der in Bezug zu dem Garten eine Absicht verfolgt. Aber nicht für den, der den Garten meditativ be­trach­ten will. Denn der strebt den Zustand des Nichtwollens an.

Versetzen Sie sich in den Zustand des Nichtwollens

Der Zustand des Nichtwollens schließt das Nicht-Denken-Wollen ein. Hören Sie auf zu Denken, zu Fragen, zu Planen. Im Zustand des Nichtwol­lens und des Nicht-Denken-Wollens bleibt dann nur noch das Schau­en, die Wahrnehmung des Augenblicks, das Erleben der Sinneseindrücke, die jetzt und hier zugänglich sind.

So wie in der Depression ein Zwang zur Problematisierung am Werke ist, so gibt es einen alltäglichen Zwang, der von dem Zustand des Schauens weg strebt, hin zum Nachdenken, Grübeln, Philosophieren. Nichts gegen das Philosophie­­ren an sich. Aber die beiden Zustände „Schauen“ und „Philosophieren“ sind etwas vollkommen Verschiedenes.

„Der Rheinländer an sich weiß gar nichts, aber er kann alles erklären“. Auf diese Weise beschreibt Hanns Dieter Hüsch den Rheinländer. Er weist damit auf eine landestypische Schwäche hin: Über alles zu reden, auch wenn Reden nicht angebracht ist – das ist eine Schwäche, die nicht nur auf die Rheinländer begrenzt ist. Es ist der Horror Vacui, die Angst vor dem Nichts, die Angst vor dem Schweigen!  

Schauen!

Stattdessen: Nichts denken! Nichts wollen! Schauen! Das eindimensionale Denken fällt dann wieder von der einer Übertreibung in die andere: Das Nichts als Lebensziel, als höchstes Glück, ein Streben nach dem Nirwana, das Nichtsein als Zustand, den man nicht bereuen kann, in dem es an Nichts fehlt. Wenn es an Nichts fehlt, fehlt es dann am Nichts oder nicht? Kann man das Nichts haben, wenn es am Nichts fehlt? Wenn man die Begeisterung über das Nichts noch vertiefen möchte, dann lese man das Buch „Nichts“ von Ludger Lütkehaus. Allerdings - wenn ich den Inhalt richtig verstanden habe, dann besagt es: „Es schadet auch nichts, wenn man es nicht liest.“ Das Nichts ist eben ein widersprüchlicher Begriff. Allein dadurch, dass man über es redet, macht man es zu einem Etwas, während es doch eigentlich nichts ist.

Ein antiker griechischer Philosoph hat das Glück des Nichtseins und des Nichts-Seins so packend geschildert, dass überall dort, wo er seine Vorlesungen hielt, die Studenten reihenweise Selbstmord begingen - in Griechenland, Italien, Nordafrika. Wir wollen diesem Philosophen zugute halten, dass er ein intelligenter Mensch war. Und folglich können seine Überzeugungen auch nicht völlig falsch gewesen sein. Vielmehr enthalten sie einen wahren Kern, der nur infolge des eindimensionalen Denkens zu falschen Folgerungen führt. Den Selbstmord nicht in der Handlungsebene vollziehen, sondern in einer höheren Bewusstseinsebene! Denken „Ich bin tot.“, „Ich habe mir das Leben genommen“! Damit beginnt der Zustand des Nichtwollens. Dann kann das Glück des Nichts, der Leere, des Schauens, des Lauschens, der Konzentration auf den Augenblick beginnen. Auch der Kunstbetrachtung.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Georg M. Peters

 

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Dr. Georg M. Peters ist Buchautor zum Themenkreis

 

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