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Die Gesetze, die hier
entwickelt werden bezüglich Ästhetik und Intention, Gesetz und Freiheit sind so
allgemein, dass sie nicht nur auf die eigene Person anwendbar sind, sondern auf
die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb soll der Blick im Folgenden etwas angehoben
werden über die eigenen Grenzen hinaus und, wenn möglich, das Verhältnis zum
gesellschaftlichen Umfeld klären.
Ein Blick zurück:
Hier ein kurzer Rückblick
in Bezug auf die eigene Person: Es gibt Situationen, in denen zur Abwehr einer
Gefahr entschlossenes Planen oder Handeln erforderlich ist. Eventuell muss Ihre
Antwort schnell erfolgen, damit sie wirkungsvoll ist.
Außerdem gibt es in Ihnen
ein Wesen, das Nebenich, das Ihnen solche Situationen vorgaukeln will, wenn gar
keine reale Gefahr vorliegt.
Müssen Sie also handeln
oder nicht handeln? Auf einer unteren Bewusstseinsebene erscheinen Ihnen beide
Situationen gleichwertig, nicht unterscheidbar. Nur von einer höheren
Bewusstseinsebene aus können Sie erkennen, ob Sie handeln müssen oder nicht.
Sonst sind Sie einer unwirklichen Gefahr, die Ihnen das Nebenich vorgaukelt,
einer Depression, hilflos ausgeliefert.
Sie müssen lernen, diese
Unterscheidung zu treffen, damit Sie wissen, wann Sie wirklich handeln müssen.
Vielleicht müssen Sie sofort handeln und so entschieden wie möglich, vielleicht
später nach sorgfältiger Planung und Vorbereitung.
Aber davon zu
unterscheiden lernen Sie Situationen, in denen sich Ihnen unwirkliche Gefahren
aufdrängen. In diesen Situationen reagieren Sie am besten, indem Sie nichts tun,
auch nichts denken, den Zustand des Nichtwollens anstreben, etwa nach der Formel
„Ich bin schon tot“, „Ich habe mir das Leben genommen“, „Will ich etwas anders
haben als es ist?“ Antwort: „Nein, ich nehme alles so, wie es ist.“ Wo Sie
allein in einem Boot auf dem Ozean schwimmen und jedem anderen den Zugang
verwehren. Wo Sie davon ausgehen, dass alles vorherbestimmt ist, Sie auch
gestern nicht anders handeln konnten, als Sie gehandelt haben, Sie auch morgen
nicht anders handeln können, als Sie handeln werden, so dass Sie sich jetzt
keine Gedanken darüber zu machen brauchen.
Wollen oder Nichtwollen?
Also: Wir lernen zwei
Situationen von einander zu unterscheiden, die uns zunächst gleich erschienen
sind. Die eine fordert unsere Intention heraus, die andere fordert von uns, dass
wir die Intention ganz zurücknehmen.
Die höhere
Bewusstseinsebene bedeutet, sich von der eigenen Person entfernen, ein Wissen
vom Wissen, einen ästhetischen Abstand gewinnen. Nur dieser ästhetische Abstand
erlaubt eine bewusste Beeinflussung des Willens, der Intention.
Ästhetik und Intention
sind zwei Größen, die Sie eigenständig beeinflussen können. Sie sind nicht
automatisch mit einander verknüpft, sondern unabhängig voneinander -
Orthogonalität von Ästhetik und Intention.
Hinzu kommt, wie wir
gesehen haben, die Orthogonalität von Gesetz und Freiheit. Sie lehrt uns,
auszuscheren aus der Rebellion der Gesetzlosen.
Sie halten ein Juwel in
der Hand
Orthogonalität von
Ästhetik und Intention – eine Insel -,
Orthogonalität von Gesetz
und Freiheit – ein Kontinent in unserem Ozean.
Im Ozean entdeckt – das
bedeutet, Sie haben diese beiden Stratageme in sich selbst entdeckt. Beide
zusammen bilden ein Juwel. Sie spannen einen vierdimensionalen Raum auf aus den
Achsen Ästhetik und Intention, Gesetz und Freiheit. Mit seinen scharfen,
geschliffenen Kanten und glatten Oberflächen glänzt das Juwel und wirft Licht in
alle Richtungen. Entfaltet wird dieser vierdimensionale Raum im Buch
„Dimensionen des Bewusstseins“ des Verfassers. Von diesem Buch sagte der
Literaturwissenschaftler Prof. Dietrich Schwanitz, dass es seine Blindheit
beseitigt habe – eine Blindheit, die man in dem Augenblick erkenne, da sie
verschwinde. Das Juwel bekommt auch noch einen Namen.
Überprüfen Sie Ihr soziales Engagement!
Die sozial-revolutionären
Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts haben einen entscheidenden Fehler
gemacht. Sie gingen immer davon aus, dass der Mensch durch seine Umgebung
geformt werde. „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Das gesellschaftliche
Umfeld definiert den Charakter des Menschen. Um einen „neuen Menschen“ zu
schaffen, muss man eine neue Gesellschaft einrichten.
Bei unseren bisherigen
Betrachtungen stand das Individuum, die eigene Person, im Vordergrund. Dabei
betrachteten wir die eigene Person, die eigene Lebensführung von einer höheren
Bewusstseinsebene aus. Wir bekamen die Einstellungsebene in den Blick und
erlebten unsere eigenen Einstellungen als veränderlich, lernten, uns selbst
hinzunehmen mit dem Ziel, uns zu verändern.
Alle sozial-revolutionären
Bewegungen gehen aus von der Betrachtung der gesamten Gesellschaft. Nun wollen
wir hier nicht der gegenteiligen Übertreibung verfallen und die
gesellschaftlichen Verhältnisse völlig ignorieren.
Falls an unserer
Lebenshaltung etwas neu sein sollte, und sich durch die neuen Einsichten unser
Leben ändern sollte, dann wäre das eine Revolution im Kleinen, in unserem
Inneren. Der Lauf der Geschichte hat aber gezeigt, dass auf eine Revolution im
Kleinen, in der inneren Welt, auch immer eine Revolution im Großen, in der
äußeren Welt folgt.
Bei solcher Umwälzung
erfasst ein neues Bewusstsein seine Umwelt unter dem Blickwinkel einer neuen
Ästhetik. Im achtzehnten Jahrhundert folgte etwa auf den Schub der Aufklärung
die Reform des Bildungswesens. Das wäre nun genau das, was heute Not täte: Eine
Reform des Bildungswesens.
In spielerischer Form
können wir uns diesem Gegenstand zuwenden und ausprobieren, ob sich aus unserem
Blickwinkel des „richtigen Denkens“ heraus eine neue Aussicht auf das
Bildungswesen ergibt. Wir hatten schon in der Rubrik vom Februar 2010 gesehen,
dass die Logik mit einem eindeutigen Entweder-Oder beginnt. Können wir im
heutigen Schulwesen etwa Spuren eines richtungslosen Lavierens entdecken, einer
Suche nach dem Dritten, das es nicht gibt? Müssen wir vielleicht die Einstellung
zur Autorität ganz allgemein überprüfen?
Fragen wir also insgesamt
nach der Einstellung unserer Gesellschaft in Bezug auf Autorität und Gesetz. Wir
werden feststellen, dass unsere Gesellschaft in vieler Hinsicht durch ein
richtungsloses Lavieren gekennzeichnet ist. Drei Beispiele mögen das
beschreiben.
Betimmen Sie den richtigen
Kurs!
Wenn Sie sich mit
Problemen befassen, die die gesamte Gesellschaft betreffen, dann müssen Sie zwei
Extremeinstellungen vermeiden. Die eine ist, wie schon gesagt, der Fanatismus,
die andere ist die Politikverdrossenheit, die Einstellung „Was geht mich das
überhaupt an?!“
Die fanatische Haltung
macht den Fehler, dass sie auf jede Selbstkritik verzichtet: Ich oder wir, meine
Gruppe, meine Partei, wissen was richtig ist. Diese Wahrheit müssen wir den
anderen einbläuen!
Die andere, die
verdrossene oder uninteressierte Haltung, geht davon aus, dass „mich das alles
nicht interessieren muss!!“ Entweder, weil sowieso alles in die falsche Richtung
läuft, und ich keinen Einfluss darauf habe. Oder weil es schon alles irgendwie
in die richtige Richtung laufen wird. Denn wenn die Mehrheit meiner Mitmenschen
einer Meinung ist, dann kann die nicht ganz falsch sein.
Leider sind alle diese
Gewissheiten falsch. Es gibt nur eine Gewissheit. Nämlich die, dass es keine
Gewissheit geben kann.
Es wurde schon gesagt:
Wenn man an sich selbst fanatische Züge erkennt, dann weiß man, dass das
eigene Weltbild falsch ist.
Die Vorstellung, „dass
sowieso alles falsch läuft“, muss man als depressiven Gedanken entlarven. Er
zeigt einem ebenfalls, dass das eigene Weltbild falsch ist.
Und der Gedanke, „die
große Mehrheit kann sich nicht irren“ ist durch das „Dritte Reich“ widerlegt
worden.
Heute bemüht man sich
endlich, von der Vorstellung weg zu kommen, dass die Nazi-Diktatur das Werk von
einigen Verbrechern gewesen sei, die ihren Willen dem Volk aufgezwungen haben.
Diese Diktatur wurde vom Willen der großen Mehrheit getragen. Und diese Mehrheit
wurde von einem gutem Willen geleitet - ohne verbrecherische Absicht. Also ist
auch die große Mehrheit nicht gegen Irrtümer gefeit. Das ist die einzige Lehre,
die man heute daraus ziehen kann: Denn wenn die große Mehrheit sich damals
irrte, wie kann ich sicher sein, dass sie sich nicht heute wieder irrt?
Die Mehrheit, die dem
sogenannten „Zeitgeist“ folgt, begeht leicht den gleichen Fehler wie der
Fanatiker: Nämlich die eigenen Gewissheiten nicht mehr in Frage zu stellen.
Die Ungewissheit erstreckt
sich also in alle Richtungen. Es ist dieselbe Situation, wie wenn Sie sich auf
einem Schiff über den Ozean bewegen, und der Himmel allseitig von grauen Wolken
bedeckt ist. Daher ist es so wichtig, dass Sie einen Kompass bei sich haben, ihn
zu bedienen wissen und mit seiner Hilfe und an Hand von Seekarten - so gut es
geht - den richtigen Kurs bestimmen. Das soll heißen:
Informieren Sie sich und
fühlen Sie sich verantwortlich! Hier also das erste Beispiel:
1) Autorität in Bildung
und Schule
Beim Versuch, der
Grundsatzfrage auszuweichen – machen Sie da nicht mit!
Was ist mit unserem
Schulsystem nicht in Ordnung?
Lebenswichtige Probleme,
Fragen von Sein oder Nichtsein, verlieren ihre Sprengkraft, wenn man lernt, sie
von einer höheren Bewusstseinsebene aus zu betrachten. Einstellungen, die vorher
durch Tradition, Religion und Erziehung fixiert waren, erweisen sich dann als
veränderlich. Bildung ist in ihren Folgen für den einzelnen, für die
Gesellschaft als Ganzes und für die Zukunft die wichtigste Quelle überhaupt. Und
deshalb ist es so verwunderlich, eine Folge falschen Denkens, dass
Bildungsprobleme bisher nicht wirklich grundsätzlich diskutiert werden. Mit der
Diskussion heutiger Probleme, Gewalt an den Schulen, Lehrermangel, Curricula,
Einhaltung von Lehrplänen bleibt die Diskussion immer an der Oberfläche, an den
Symptomen, haften.
Was hat die Kunst, richtig
zu denken, mit der Schule zu tun? Also, das war nun wirklich eine sehr dumme
Frage. Setzen!
Versetzen Sie sich in die
Lage eines Lehrers oder einer Lehrerin!
Eigentlich ist es
unverantwortlich, junge Lehrerinnen und Lehrer, aber auch ältere, täglich
Situationen auszusetzen, in denen sie von vornherein nicht bestehen können, in
denen sie Verletzungen ausgesetzt sind, die sie nicht wieder los werden. Nicht
unbedingt in Form von körperlicher Gewalt, aber in Form von verbaler Gewalt.
Natürlich gibt es auch viel Routine und auch positive Erfahrungen und Erlebnisse
in der Unterrichtssituation. Aber allein schon die Ungewissheit, wie die nächste
Stunde verlaufen wird, bedeutet eine ständige und für manche unerträgliche
Belastung.
Einigkeit besteht
weitgehend darüber, dass am Erziehungs- und Bildungssystem etwas nicht in
Ordnung ist. Um eine Änderung der Verhältnisse herbeizuführen, egal wo, ob im
gesellschaftlichen Bereich oder im eigenen, privaten gibt es immer zwei
grundsätzlich verschiedene Betrachtungsweisen: Eine langfristige und eine
kurzfristige.
Aber es gibt noch eine
weitere Zweiteilung: Entweder ändere ich die Wirklichkeit oder ich ändere meine
Einstellung zur Wirklichkeit. Diese vier Punkte fügen sich zwanglos wie folgt
zusammen:
Für eine
Änderung im Augenblick
bleibt
mir nur die Änderung der Einstellung.
Für eine
Änderung der Wirklichkeit
kommt nur
die langfristige Betrachtungsweise in Betracht.
(Diese Rubriken sind
geschrieben in Anlehnung an das Buch „Eine Seereise zum Ich“ von Georg M.
Peters, Verlag SPIEL.)
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Dr. Georg M. Peters
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