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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

 

 

 

Toulouse-Lautrec: Warum betrinke ich mich?

Eine Behinderung, die das Selbstvertrauen beeinträchtigt.

 

Hier das nächste Beispiel für die Wirkung eines depressiven Gedankens. Es befasst sich mit der Flinte, die zu früh ins Korn geworfen wird, also mit dem Problem der Resignation. Durch die Resignation wird oft genau das Schicksal herbei geführt, das man vermeiden wollte.

Wir wissen schon, dass eine höhere Bewusstseinsebene nicht immer vorhanden ist.

Toulouse Lautrec in dem schönen Film „Moulin Rouge“ von John Huston: Wochenlang verbringt der geniale Maler, ein Zwerg, seine Nachmittage und Abende mit dem Mannequin Maryamme. Sie hat einen noblen Verehrer. Doch gleich am Anfang ihrer Freundschaft mit Toulouse-Lautrec trennt sie sich von dem und wirft den Schlüssel von dessen Wohnung demonstrativ in die Seine.

Doch eines Tages bekennt sie dem Toulouse-Lautrec, dass ihr nobler Verehrer ihr heute einen Heiratsantrag gemacht habe. Sie habe sich noch nicht entschieden. Ob er, Toulouse, sie morgen, am Nachmittag, wieder abholen wolle.

Der depressive Gedanke

Er antwortet ihr: „Wenn es Ihnen beliebt, Ihren Hofnarren noch so lange um sich zu haben, bis Sie Ihren Galan heiraten werden, dann komme ich.“

An dem erwähnten Nachmittag begibt er sich wieder zu ihrer Wohnung. Doch er erhält einen Brief überreicht. Darin teilt sie ihm mit, sie habe während der ganzen Zeit ihrer Bekanntschaft versucht, seine Liebe zu erringen. Leider vergeblich, wie sie jetzt sehe! Also werde sie den bewussten Herrn heiraten. Der Herr wisse, dass sie ihn nicht liebe, finde sich aber damit ab.

Toulouse versucht verzweifelt, seine Freundin zu finden, doch sie ist abgereist.

Ein Jahr benötigt er danach - im Film -, um sich zu Tode zu trinken. Jeden Abend sitzt er in einer Kneipe. Jeden Abend liest und liest Toulouse den erwähnten Brief. Er ist den anderen Gästen lästig. Doch der Wirt weiß nicht, wie er ihn loswerden soll.

Der Zynismus der Worte „Wenn es Ihnen beliebt, Ihren Hofnarren noch so lange um sich zu haben, ...“ entspricht in seelischer Hinsicht genau dem Gedanken eines anderen Depres­siven, nämlich des Kapitäns der Titanic. Nach einer solchen gedanklichen Entgleisung steht einer Katastrophe nichts mehr im Wege; im Gegenteil, sie wird willkommen geheißen.

Titanic-Katastrophe - Kapitän handlungsunfähig!

Gut! Sie sind also bereit, sich unserer Ozeanreise anzuschließen. Dazu ist es nötig, dass man sich der Gefahren bewusst ist, denen man sich auf See aussetzt. Der Kapitän der Titanic war ein erfahrener Kapitän. Und dennoch zeigte er sich der Situation nicht gewachsen.

Der Kapitän der Titanic: ein hochangesehener Mann!

Der Untergang der Titanic! Wie intensiv sind nicht alle seine Umstände schon diskutiert worden! Lediglich als Nebenumstand wird die Tatsache registriert, dass der Kapitän offenbar überfordert war.

Er war zwar ein erfahrener Schiffsführer, und man­cher Passagier fuhr die Strecke nur dann, wenn dieser Mann am Ruder stand. Aber der Kapitän stand vor der Pensio­nierung, und er hatte seine Erfah­rungen auf kleineren Schiffen mit weniger Technik gesammelt.

Jetzt, auf der Titanic, als die Katastrophe absehbar war, kam von ihm als einzige Lautäußerung der Befehl "Frauen und Kinder zuerst in die Boote". Und auch dazu musste er von seinen Offizieren erst gedrängt werden. Der Kapitän war handlungs­unfähig.

Über die technischen Gegebenheiten herrscht völlige Klarheit. Klarheit herrscht auch darüber, dass die Schiffstelegra­phie noch eine neue, ungewohnte Technik war und darüber, dass der am Telegraphen sitzende Funker völlig überlastet war: Die wohlhabenden Passagiere wollten ihre privaten Nachrichten und Glückwünsche emp­fangen oder aussenden.

In Hinsicht auf die technischen Einzelheiten gibt es kaum noch offene Fragen. Nur über eines wird nicht gesprochen, nämlich über die Psycholo­gie des Kapitäns. Nicht darüber, dass Todesopfer vermeidbar gewesen wären. Nicht darüber, dass das ganze Unglück nur dem krankhaften Mechanismus in der Psyche des Kapitäns entsprang.

Der depressive Gedanke

"Frauen und Kinder zuerst in die Boote": das war kein realistischer Gedanke. Es war ein depressiver Gedanke, durch den die Situation erst ihre Tragik erhielt.

"Frauen und Kinder zuerst in die Boote" – ein depressiver Gedanke?! Ich höre schon den Protest: „Soll es etwa heißen, Männer zuerst in die Boote?“ Nein! In einer anderen Situation kann der Befehl "Frauen und Kinder zuerst in die Boote" durchaus human, angemessen und realistisch sein. Aber nicht in dieser Situation, in der alle Passagiere gerettet werden konnten.

Darin liegt gerade die Gefahr des depressiven Gedankens, dass man ihm seine Natur nicht anmerkt. Der depressive Charakter ergibt sich erst aus dem Zusammenhang. Um den depressiven Gehalt eines eigenen Gedankens zu erkennen, müssen Sie in der Lage sein, über Ihr eigenes Denken nachzudenken. Das ist das Anliegen dieser Texte.

Trauen Sie den Medien nicht!

Machen Sie sich selbst ein Bild!

Hier noch eine Bemerkung zur Darstellung dieser Katastrophe in den Medien, insbesondere im Film: Sturm, raue See und Kälte erzeugen eine ungeheure Dramatik. Tausende von Menschen kämpfen ums Überleben. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus.

Ein Film, der die Ereignisse so darstellen würde, wie sie sich wirklich abgespielt haben, wäre allerdings kaum erträglich. Die Ingenieure hatten festgestellt, dass der Eisberg ein Loch in die Seitenwand gerissen hatte, das sich über ein Drittel der Schiffslänge erstreckte. Die Schotten im Inneren des Schiffes verhinderten ein schnelles Vordringen des Wassers. Doch die Schotten waren nach oben hin offen, und das Steigen des Wassers bewirkte, dass die Zwischenwände zwischen den Schotten eine nach der anderen überflutet wurden. Die Ingenieure konnten abschätzen, dass es eineinhalb bis zwei Stunden dauern würde bis zum Untergang des Schiffes.

Eineinhalb bis zwei Stunden – das entspricht ungefähr der Filmlänge. Man könnte also den Untergang in Echtzeit darstellen. Dramatik? Fehlanzeige! Zwei Stunden lang könnten wir dem Wasser zuschauen, wie es langsam steigt. Einige Rettungsboote – nur bis zu 20 bis 50 Prozent ihrer Tragkraft belegt – legen vom Schiff ab. Sie lassen sich in sicherer Entfernung vom Schiff in der ruhigen See treiben. Es herrscht Windstille, der Mond scheint, die Wasser­oberfläche ist spiegelglatt. Nach drei oder vier Stunden werden die Überlebenden von Rettungsschiffen aufgenommen. Sie sagen später, die Zeit in den Booten sei „wie eine Fahrt auf dem Dorfteich“ gewesen.

Und an Bord des untergehenden Schiffes? Dort passiert nichts! Die Menschen stehen an der Reling und schauen ins Wasser. Wenn sie nasse Füße bekommen, gehen sie etwas weiter. Würden Sie sich diesen Film bis zum Ende anschauen? Ich glaube kaum.

Wir sind heute voreingenommen durch die dramatischen Darstellungen dieser Schiffskatastrophe in Film und Fernsehen. Die Zeitgenossen hatten ein realistischeres Bild der Vorgänge an Bord. Sie hörten die Erlebnisberichte von Überlebenden, Augen­zeu­genberichte, die frisch im Gedächtnis hafteten. Damals gab es Karikaturen in den Zeitungen, in denen man Passagiere der Titanic beim Kartenspielen sah. Der Tisch stand schief wegen der Schlagseite des Schiffes. Das Wasser reichte den Spielern bis zu den Knien. Aber sie setzten unbeirrt ihr Spiel fort.

Dieser Fatalismus, dieser stoische Gleichmut wurde als typisch englisch bezeichnet. Das stimmt nicht. Er war typisch depressiv.

Wie konnte das Unglück geschehen?

Zwei Voraussetzungen mussten erfüllt sein, um den Ereignissen einen so tragischen Verlauf zu geben. Die eine bestand in dem Vorhandensein einer Gesellschaft, die an strenge Autorität gewöhnt war. Die Menschen hatten den hierarchischen Aufbau der Gesell­schaft, in der sie lebten, verinnerlicht. Dabei hat natürlich die militärische Tradition der damaligen Zeit eine Rolle gespielt.

Die andere Voraussetzung bestand aus dem Persönlichkeitsbild des Kapitäns – vielmehr seinem Krankheitsbild. Er war depressiv, befand sich in einer akuten Depression. Alle Zeugen bestätigen, dass der Kapitän handlungsunfähig war, als der Untergang des Schiffes absehbar war. Die einzige Äußerung die von ihm kam, war der Befehl „Frauen und Kinder zuerst in die Boote!“ und auch dazu mussten ihn seine Offiziere drängen.

Wir haben es also mit einer Gruppe von Menschen zu tun, die sich selbst als hierarchisch geordnet erlebt. In einer solchen Gruppe werden Anordnungen „von oben“ erwartet. Wenn solche Anordnungen aber nicht kommen, erstarrt die ganze Pyramide in untätigem Erwarten. Eine solche Gruppe kann sehr wirksam handeln, wenn sie gut geleitet wird – aber auch nur dann.

Der Kapitän war ein fähiger Mann und viele Passagiere fuhren mit dem Schiff nur dann, wenn dieser Kapitän den Oberbefehl hatte. Jetzt stand er allerdings kurz vor der Pensionierung, und er fuhr zum ersten Mal auf einem so modernen Schiff wie der Titanic. Viele technische Einrichtungen wie etwa die Funktelegrafie waren für ihn neu. Voller Stolz hatte er das modernste Schiff seiner Zeit betreten, und jetzt plötzlich stand er vor der Tatsache, dass dieser Stolz der Meere versinken würde.

Daran, dass dieser fähige und erfahrene Mann in der entscheidenden Situation nicht handlungsfähig war – an dieser Tatsache besteht auf Grund der Überlieferungen gar kein Zweifel. Und das geschah in einer Situation, in der es ganz und gar auf seine Tatkraft ankam, in der Tausende von Menschenleben von seinem Befehl abhingen, in einer Organisations­struktur, die ganz auf seine Entscheidungsfähigkeit zugeschnitten war. Für das Versagen dieses fähigen Mannes gibt es nur eine Erklärung: Nämlich die, dass er das Opfer einer akuten Depression war.

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Wow! Der Kapitän ist handlungsunfähig und er weiß das nicht!  

Krankhafte Mechanismen in der Psyche! Das betrifft mich nicht. Ich halte nichts von Psychologie!

Woff!  

Du meinst, der Kapitän wusste nichts von seinen krankhaften Mechanismen? Vielleicht weiß ich nichts von meinen. Besser ist, man kümmert sich nicht darum!

Woff, Woff! 

Naja, der Kapitän hat sich auch nicht darum gekümmert - mit schlimmen Folgen. Kritik wird allerorten gefordert. Alles muss kritisch hinterfragt werden. Dies ist allerdings eine andere Art von Kritik: Seinen eigenen Gedanken nicht zu trauen. Wie geht das?

Vielleicht ist das ein Anfang:

Wichtig: Überhaupt für möglich halten,

dass die eigenen Gedanken fremd gesteuert werden!

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Die depressiven Gedanken geben sich jeweils durch ihre Wehleidigkeit zu erkennen. Unsere Liste ist inzwischen auf drei angewachsen:

 

 

 

 

 

Kannst Du mich nicht einmal in Ruhe lassen.

 

 

 

 

 

Wenn Sie Ihren Hofnarren noch so lange um sich haben wollen....

 

 

 

 

 

Frauen und Kinder zuerst in die Boote.

 

 

 

 

 

Aus den gemachten Andeutungen geht wahrscheinlich schon hervor, wie der Kapitän hätte reagieren müssen, um Todesopfer zu vermeiden.

 

 

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Georg M. Peters

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Dr. Georg M. Peters ist Buchautor zum Themenkreis

 

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