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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

rerum cognoscere causas

 

 

 

 

 

 

Homo politicus

  

Im Allgemeinen wird Politikern nachgesagt und vorgeworfen, dass sie ein überaus schlechtes und schlichtes Gedächtnis haben, das sich besonders durch seine Fähigkeit zu vergessen, zu verleugnen und zu verdrängen auszeichne. Vergessen werde beispielsweise der Eid, den sie auf die Verfassung geleistet und mit dem sie sich verpflichtet haben, für das Volk tätig zu sein; verleugnet werde die Unterstützung und das Entgegenkommen, mit denen sie gefördert und befördert wurden; verdrängt schließlich die Tatsache, dass sie von Menschen gewählt werden, die sie, kaum zu Ansehen und Diäten gelangt, anlügen und betrügen.

Ein ganzer Katalog von Versäumnissen und Vergesslichkeiten ist aufzublättern. Dennoch lassen sich die Bürger allzu leicht und allzu schnell nasführen, täuschen und blenden - und vergessen ihrerseits, wie übel ihnen oft mitgespielt wird. Nach wie vor und trotz gegenteiliger Erfahrungen, die sie seit Jahren und Jahrzehnten zähneknirschend haben mittragen müssen, verfallen die Menschen dem Irrglauben, es möge einer der Gewählten an die Macht kommen, der den Gang der Geschichte verändern und vieles, was derzeit noch im Argen liegt, zum Besseren wenden werde.

Wie unangebracht und trügerisch diese Erwartungen sind, zeigt allein schon ein Blick in die Geschichte: dass die meisten der großen Veränderungen, ganz gleich, ob sie nun für die Menschen nun Vorteile brachten oder sich nachteilig auswirkten, auf mehr oder weiniger blutige Aktionen zurückzuführen sind, wofür man aus heutiger Sicht durchaus ein gewisses Verständnis aufbringen kann.

Dieser treuherzige und arglose Optimismus lässt sich auch durch die Erkenntnis nicht beirren, dass trotz aller Versprechungen alles beim Alten bleibt - mehr noch: dass sich nicht nur nichts ändert und bessert, sondern vieles noch schlechter und schlimmer wird als es war und ist. Denn der Politiker genießt Immunität und Indemnität. Er darf weder für Straftaten noch für Falschheiten zur Verantwortung gezogen werden. Insofern ist das, was man gemeinhin Lüge nennt, für ihn irrelevant. Er weiß sich sicher und handelt, soweit es Partei und Fraktion zulassen, nach eigenem Ermessen und Gutdünken und ganz besonders nach seiner Einschätzung, dass nur die wenigsten Menschen „draußen im Land“ in der Lage sind, die Wahrheit zu erkennen. Deshalb dürfe die Leitung eines Gemeinwesens nur ein paar Auserwählten anvertraut werden. Das Volk, so die augenzwinkernde Übereinkunft, vertrage nicht nur nicht, die Wahrheit zu hören - es verdiene auch nicht, sie zu erfahren. Und im Übrigen sei Demokratie eine viel zu ernste Angelegenheit, als dass man sie den Wählern überlassen dürfe.

An diesen Tatsachen hat sich, solange man die Zeiten zurückverfolgen kann, nie etwas geändert oder gar zur Zufriedenheit der Betroffenen gebessert. Nach wie vor verkauft man den Bürgern politischen Schrott als Edelmetall. 

Viel Ungereimtes und Unverständliches wird erklärlicher, wenn man sich vor Augen hält, dass der Beruf des Politikers keinerlei Ausbildung verlangt und keine Qualifikation voraussetzt und deshalb für jeden frei zugänglich ist. Notwenig, wie die Erfahrung zeigt, ist lediglich, dass man den Mut aufbringt, sich im Regierungsgeschäft zu betätigen. Weil dabei der gesunde Menschenverstand geradezu hinderlich wäre und es nicht genügt, einen gehörigen Mangel an Talent vorzuweisen, ist dem, der politisch agieren will, Tür und Tor geöffnet. Wichtig ist lediglich, dass er es versteht, sich zu arrangieren um zu avancieren und dass er über eine beherzte Fähigkeit zum simplifizierenden Niveau verfügt, wenn es gilt, falsche Hoffnungen zu wecken und echte zu zerstören und mit Nachdruck und Leidenschaft fehlenden Überzeugungen zu verteidigen. Deshalb macht es keinen Unterschied, ob ein Politiker sich äußert, spricht, redet, darlegt, einräumt oder klarstellt. In jedem Fall bedeutet es noch lange nicht, dass er etwas zu sagen hat.

Wenn er jedoch mit eindringlichem Pathos seine Stimme erhebt, um einen seiner seltenen Einfälle zu beschwören und damit auf Widerspruch trifft, scheut er sich nicht, darauf hinzuweisen, dass er bedauerlicherweise falsch verstanden wurde. Denn ein Politiker fühlt sich in einem fort unrichtig zitiert und sieht sich ständig gezwungen, mit gehörigem Bedauern feststellen zu müssen, wie sehr man seine Ausführungen und Empfehlungen verfälscht oder entstellt widergegeben habe. In jedem Fall: es sind immer die anderen, die die Fehler machen und dem Irrtum erliegen, obwohl verständlich zu sprechen nicht zuletzt ein Gebot der Nächstenliebe sein sollte. Aus diesem Grund fühlt er sich auch aufgerufen, nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst seine Memoiren zu schreiben - nicht nur, um anderen Autoren zuvorzukommen, sondern eher noch, um zu berichtigen und zu beschwichtigen, wobei er nicht zuletzt auch Begebenheiten klarstellt, an die er sich während seiner Dienstzeit beim besten Willen nicht erinnern konnte. Schließlich muss man die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann.

Der Politiker ist, wie man weiß und gewähren lässt, ein zungenfertiger Schwätzer, der eher auf Ereignisse als auf Ergebnisse setzt, der Brände löscht, die er selbst gelegt hat und auf bedeutende Fragen belanglose Antworten gibt - ein Meister in Versprechungen, der die Gegensätzlichkeit und den Zwist der Interessen als Auseinandersetzung um Prinzipien ausgibt und den eigenen Vorteil mit Hilfe der Gesetzgebung zum Anliegen aller macht. Er nimmt die Demokratie, in der wenige zu viel und noch weniger zu wenig haben, für bare Münze. 

Es ist eine überaus bedauerliche Tatsache, dass in der Politik Begabung verdächtig macht. Deshalb ist die Politik der einzige Weg, auf dem man ohne besondere Fähigkeiten, wenngleich von Mäzenen und Mentoren gefördert, bekannt und berühmt werden kann.

Seit das Wahlrecht mit unerbittlicher demokratischer Gleichheit wahllos zugeteilt und vergeben wird, entscheiden sich die Wähler gern für ihresgleichen. Das vermindert die Distanz und erleichtert die Geringschätzung.

Ein smarter Typ, der sich entschlossen hat, Politiker zu werden, verdankt seine Berufung in erster Linie der Tatsache, dass ihn seine Beschränktheit daran hindert, für seine Konkurrenten und Kontrahenten gefährlich zu werden. Überall herrschen Neid und Angst. Folglich wird kein Mitstreiter und Parteigänger zulassen, dass sich ein anderer aus seiner Clique in irgendeiner Weise auszeichnet. Alle teilen sich vielmehr in die Besorgnis, aus ihrer Position verdrängt zu werden, eine Befürchtung, die jedes Mittel rechtfertigt, ob es sich dabei um Verleumdung handelt oder ob es um Betrug und Täuschung geht. Es ist also weder der rege und rührige Geist noch sind es Verstand, Tatkraft oder Entschlossenheit, nach denen die politischen Posten vergeben werden, sondern die Mittelmäßigkeit, die auf ihrem Stand verharrt und sich gegen jede Neuerung absichert. Der Politiker weiß, dass er seine Stärke zum großen Teil der Schwäche seiner Mitbewerber zu danken hat. In dieser ausgeklügelten und mit höchst zweifelhaftem Geschick getarnte Haltung, versichert und abgesichert, gilt es zu verharren, jede Veränderung abzuweisen und keinerlei Initiativen zu entwickeln, sondern Denken und Handeln darauf zu beschränken, das seit eh und je Gewohnte in Gang zu halten und ohne die geringsten Kenntnisse den Parteibeschlüssen zuzustimmen.

Dieses negative Auswahlprinzip sichert ihm eine Reihe von Vorteilen: es erleichtert die Lenkbarkeit, bereinigt die Entscheidungsprozesse und beschleunigt die Durchsetzungsfähigkeit der Partei. Aus diesem Grund setzt sich eine demokratische Regierung nicht aus Fachleuten und Sachkennern zusammen, sondern aus Leuten, die keiner zu fürchten braucht. Intelligenz als Hindernis, Fähigkeit und Vielseitigkeit als Fluch - was, um alles in der Welt, soll unter diesen Voraussetzungen aus einer Gesellschaft werden? Der Politiker, ein Amateur, der auf den Zufall setzt, ist stolz auf seine Unbelehrbarkeit. Und damit demonstriert er den klassischen Irrtum: Er hält Dickköpfigkeit für Willensstärke und nennt dies Charakter. 

Allgemein wird behauptet, Politik verderbe den Charakter. Leichtfertig setzt man dabei voraus, dass ein Charakter vorhanden ist. Doch die Politiker brauchen diese Selbstbestbespiegelung. Denn trotz aller Defizite ist ihnen nicht entgangen, dass ihre Tätigkeit weder anerkannt noch geachtet und schon gar nicht bewundert wird. Man gehorcht ihnen, aber sie können weder auf Wertschätzung noch auf Zuneigung hoffen.

Wenngleich sie denen, die sie gewählt haben, charakterlich nichts, intellektuell wenig und rhetorisch oder agitatorisch bestenfalls einiges voraushaben, pflegen sie unbeirrt die Vorstellung einer Führungselite und ganz besonders eindrucksvoll das Leitbild vom Politiker als uneigennützigem Sachwalter des Allgemeinwohls, der den Menschen in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten stellt. Wen sonst? muss man fragen. Fauna vielleicht? Oder Flora? Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als diese unsinnige Rabulistik.

Allein schon die Argumente, die beispielsweise bei Wahlen vorgebracht werden, die offensichtlichen Unwahrheiten und Übertreibungen zeigen, wie gering und wie brüchig der Respekt der Politiker für ihre Wähler ist. Deshalb braucht man sich nicht über das Selbstvertrauen zu wundern, mit dem die Volksvertreter ihre Mitmenschen, weitab von Augenmaß, Leidenschaft und Verantwortung, den vielzitierten Kriterien, die den Politiker auszeichnen sollen, mit Entscheidungen enttäuschen und verbittern oder zu Anstrengungen und Zumutungen nötigen, liebgewordene Lebensweisen und Gewohnheiten aufzugeben und so das Zusammenleben verwirren und vergiften. Dazu kommt ihr absurder Ehrgeiz, sich für alles zuständig zu erklären, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was aufgrund ihrer fragwürdigen Agitationen entstehen kann - statt die letzten Freiräume des gesellschaftlichen Beieinanders zu hüten.

Ebenso unverständlich ist die Langmut ihrer Untergebenen – das passive Erleiden von Politik, das geduldige Gewährenlassen und die schicksalhafte Ergebung in die Unabwendbarkeit der Verhältnisse, die das Volk zur willfährigen Masse macht und zum Manipulationspotential, das sich von menschenverachtenden Führern und Verführern je nach Belieben erregen und bewegen lässt. Erklärt dies nicht auch das Desinteresse der Menschen an jedem Engagement, nachdem die politischen Entscheidungen nur noch einer kleinen Elite vorbehalten sind, die den Bürgern keine Rechenschaft mehr schuldet?

Selbst die, die sich der Politik als Wissenschaft verschrieben haben und sich in die fundamentalen und ornamentalen Elemente der staatlichen Verfassung verspielen, fühlen sich nicht aufgerufen, ihre warnende Stimme zu heben. Gewiss: Die Verfassung eines Staates ist immer interessant – ob es nun um die Verfassung geht, die er sich gegeben hat, oder um die Verfassung, in der er sich befindet. Sie aber, die Schriftgelehrten, die sich auf ihr Denken und Forschen jenseits aller faden und schalen Trivialitäten viel zugute halten, hüten sich ängstlich, in die Niederungen der Alltäglichkeit hinabzusteigen.

Was die wenigen Wähler, die sich den Luxus der Reflexion gestatten, darüber denken, würde ausreichen, um jeden ins Gefängnis zu sperren. Das übrige Volk, die schweigende Mehrheit aber bleibt in einer Zeit der Vielen ohne Wert und ohne Werte gelassen. Die Menschen in ihrer unerschütterlichen politischen Apathie nehmen ihre Volksvertreter, von denen sie zwar nichts zu befürchten und überhaupt nichts zu erwarten haben, wie sie sind. Sie sehen mit an, was geschieht, und lassen geschehen. Sie akzeptieren offensichtlich die fadenscheinigsten Begründungen, obwohl sie wissen, wie unglaubwürdig das alles ist, und obwohl sie ahnen, wie ihre Nachfahren einmal darüber befinden werden. Sie erkennen das Elend, das die Zukunft bereit hält, und befürchten die Schmach, wenn sie von ihren Kindern und Enkeln gefragt werden, ob diese Passivität und die Aufgabe aller moralischen Hemmnisse, aller kulturellen Herkünfte und aller nationalen Traditionen mit der Einsicht und dem Einverständnis in die eigene Ohnmacht zu rechtfertigen ist? Warum sich denn niemand dagegen gewehrt oder auch nur gerührt habe? Warum es keinen gab, der den Mut aufbrachte, gegen die vielen unsinnigen, ungeheuerlichen Entscheidungen aufzubegehren? Sind ihre Altvorderen so kraftlos, so feige gewesen, dass es ihnen genügte, betroffen zu sein? Sich betroffen zu geben und betroffen zu zeigen. Machten sie sich damit nicht schuldig? Und wenn ja, vor wem? 

Dem, Politiker genügt es nicht, die Anständigen auf seiner Seite zu wissen. Was nützt ihm die Zustimmung aller redlich denkenden Menschen? Was er braucht, ist die Majorität. Denn die Majorität bestimmt, was getan werden muss, wenngleich die Tatsache, dass es wesentlich mehr Dumme und Einfältige als Kluge und Besonnene gibt, bedenklich stimmen sollte.

Die Mehrheit hat das Sagen. Die Mehrheit trifft die schwerwiegendsten Entscheidungen, oft jenseits aller Vernunft und Selbstverständlichkeit. Wen wundert es da, dass es den Herren und Damen der Parlamente, Regierungen, Gemeinderäte und Parteivorstände bei Sachentscheidungen nur selten gelingt, das, was selbst Nichtpolitiker als geeignet und sinnvoll erkannt haben, gegen das Votum der Mehrheit durchzusetzen? Da werden Dinge für richtig und rechtens gehalten, sofern sich nur eine hinlänglich große Zahl von Leuten findet, die sie falsch machen. Und wie viel desinteressierte Grausamkeit kann in Mehrheitsentscheidungen liegen. Denn den Irrtümern der Vielen wird letztlich mehr verborgene Weisheit zugetraut als den Weisheiten der Klugen und Wenigen, die genau Bescheid zu wissen glauben.

Die Mehrheit, die Legitimation durch die große Zahl – ein unglaubliches Phänomen, in dem die Quantität in Qualität umschlägt und oftmals unabsehbare Folgen heraufbeschwört. Die große Zahl, die Mehr-Zahl, wird zum bestimmenden, ausschlaggebenden Faktor, so schwer die Einsicht auch fällt, dass jede Stimme gleichviel zählt, ob sie nun überlegt oder unbedacht in die Urne gegeben wurde. Beide wiegen gleich und beide können, wo immer es darum geht, entscheidend zu sein, die Zukunft bestimmen. Beispiel dafür sind nicht zuletzt und nicht allein die Wahlen in demokratisch verfassten Gemeinwesen, wenn mit Unterstützung eines riesigen Angebots an programmatisch einfältig bedrucktem Papier und eine Aufgebots an aufgetakelten Parteigranden eine Entscheidung ansteht. Da präsentiert sich eine Vielzahl kalfakternder Kandidaten und Kandidatinnen, ob sie nun den Bürger, den es für ihre Sache und Tasche zu überzeugen gilt, von Plakatwänden angrinsen oder aus dem Briefkasten gezogen sein wollen. Töricht und weltfremd die Erwartung des Politikers, der Wähler werden  seine Werbesprüche für bare Münze nehmen, seine Ausführungen prüfen und seine Versprechungen mit den Versprechungen vergleichen, die ihm sein Kontrahent von der anderen Seite mit der gleichen Unverfrorenheit in Aussicht stellt. Der Bürger, der eigentlich die Möglichkeit haben sollte, unter Alternativen seine Entscheidung zu treffen, ist der Willkür nichtssagender Ansprüche und Aussprüche ausgesetzt. Ohnmächtig und in schicksalhafter Ergebung stimmt er, wenn er sich überhaupt zum Gang an die Urne bewegen lässt, für das oft beschworene vermeintlich geringere Übel. Das aber bedeutet keinesfalls, dass er nicht auch ganz gerne ohne jedes Übel auskommen möchte. Trotzdem und gegen jede bessere Einsicht gehen die Politiker noch weiter in ihren hinterhältigen Unterstellungen und nehmen das Schweigen der Mehrheit als Zustimmung und Bestätigung. Deshalb ist es überaus unfair, wenn Politiker die Nichtwähler denunzieren. Schließlich kann sich Enthaltsamkeit als bewusste Verweigerung, als stummer Protest der Enttäuschten auf die politische Kultur einer Gesellschaft besser auswirken als die dumpfe Erfüllung sogenannter Bürgerpflichten.

Gerade diese menschenverachtende Denkweise sollte die Bürger hellhörig machen und dazu anhalten, keine Anstrengung zu scheuen, ihre Volksvertreter von Zeit zu Zeit aus ihren elitären Höhenflügen herabzuziehen und auf den Boden der Alltäglichkeit zurückzuholen, um ihnen verständlich zu machen, dass sie vom Wohlwollen und vom Willen und Stimmen der Wähler abhängig sind. 

Da alle unzulässigen Verallgemeinerungen und pauschalen Urteile den einen oder anderen Betroffenen zu Unrecht treffen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es unter den politischen Akteuren, wie eine ebenso nichtssagende wie törichte These nahe legt, auch Ausnahmen gibt, die die Regel bestätigen. Aber Ausnahmen sind nicht nur selten, sie gelten auch in den eigenen Reihen als suspekt. Andererseits ist dieser wohlwollenden Beschwichtigungsformel entgegenzuhalten, dass die Politiker ihrerseits ständig ohne Differenzierung und gegen jede Vielfalt von den „Menschen im Lande“ reden. Auch für sie, so ist einzuwenden, wäre es anständiger, Unterscheidungen nach Alter, Geschlecht, Beruf, Verstand tunlichst zu berücksichtigen. Bezeichnend ist ohnehin, dass Politiker sich nie zum Volk äußern – möglicherweise aus einem letzten Rest von Feingefühl, um nicht allzu oft an ihren Eid und ihre Verpflichtung zum Guten und Besseren erinnert zu werden.

Eines jedenfalls sollte man beherzigen: Wenn Politiker im Namen des Volkes reden, hat das Volk nichts mehr zu sagen. Denn was nützt die Mehrheit des Volkes, wenn die Mehrheit der Regierung dagegen stimmt? Zwar gehe, wie immer wieder beschworen wird, in einer Demokratie alle Macht vom Volke aus. Leider aber kehrt sie mehr zum Volk zurück. Deshalb empfiehlt es sich, der Ermahnung des Propheten Jesaja zu folgen: „Siehe, ihr seid aus nichts, und euer Tun ist auch aus Nicht, und euch zu wählen ist ein Gräuel.“ Nachzulesen in der Schrift im 41. Kapitel Vers 24.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt:

Dr. phil. Gerhard Fischer, Schifferstadt

 

 

 
 
 

Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor des Bestsellers 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL