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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

rerum cognoscere causas

 

 

 

 

 

Ceterum censeo

Anmerkungen zur politischen Rede

 

Wie man eine gute, eine wirksame, eine nachhaltige Rede hält? Sein Publikum interessiert und fasziniert? Angemessen, wohlerwogen, ungeziert? Und was man dabei zu beachten, zu bedenken und zu beherzigen habe?

Grundsätzlich, antwortete der sehr alte, sehr erfahrene Politiker, sei es leichter, den Mund zu halten, als eine Rede. Andererseits aber gehöre Beredsamkeit nun einmal zur Grundausstattung eines Politikers. Aus diesem Grund empfehle es sich, wo immer die Gegebenheit sich dafür anbiete, zu reden, damit andere gar nicht erst auf den Gedanken kommen, etwas zu sagen.  

Eine Rede bestehe aus der Vorrede und der Nachrede, die, wie die Abrede, tunlichst zu vermeiden sei. Auf den Inhalt selbst komme es am wenigsten an. Denn die meisten Reden kommen aus dem Zwerchfell, die wenigsten aus dem Herzen.

Für manchen Politiker, fuhr er fort, ist seine rednerische Darbietung allerdings von kompromittierender Mitteilsamkeit. 

Die einen haben so viel zu sagen, dass sie erst gar nicht damit anfangen, andere wieder so wenig, dass sie kein Ende finden. Oder sie geben sich, weil sie nichts zu sagen haben, so, als hätten sie etwas zu verschweigen.

Deshalb, junger Freund, gilt es, stets das rechte Maß für eine Rede zu beachten: Nur gekürzt ist gewürzt.

Und was besonders wichtig ist: Ein Redner muss sich so dumm stellen wie seine Zuhörer, damit sie glauben, er sei so gescheit wie sie.

Im Übrigen sollte er sich so einfach ausdrücken, dass das, was er zu sagen hat, auch von Intellektuellen verstanden wird. 

Die wenigsten Redner allerdings sagen, worüber sie sprechen. Allein schon aus diesem Grund ist immer wieder bewundernswert, wie überzeugend sie das Wesentliche außer Acht lassen. 

Viele Redner haben die unglückliche Begabung, ein Minimum an Gedanken in ein Maximum an Worten zu verpacken.

Ihre Rede ist wie ein Schwert - lang und flach. 

Manche sind nur Dahinredner. Sie gestikulieren, weil sie glauben, ihre Argumente aus der Luft greifen zu können.

Andere behandeln ihr Thema im wahrsten Sinn des Wortes erschöpfend. Deshalb sollte man einem ausschweifenden Redner in die Zügel fallen:

Oft genügt es nicht, ihn nur am Reden zu hindern. Man muss ihn zum Schweigen bringen. Mundmord wagen. Mundtot machen.

Bei so viel Blech, das überall geredet wird: Was nutzt da die Goldwaage? 

Wer viel redet, plaudert vieles aus. Dabei hat schon manches dunkle Gerücht helle Aufregung ausgelöst.

Auch Geradheit wird oft krumm genommen. 

Das Schlusswort - eine herrliche Metapher. 

Im Übrigen:Mit einem Politiker sollte man so lange sprechen, bis er mit sich reden lässt.  

Apropos Ceterum censeo: Es gibt nur wenige Reden, die so gut sind, dass man sie immer wieder wiederholen darf.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt:

Dr. phil. Gerhard Fischer, Schifferstadt

 

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Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor des Bestsellers 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL