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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

rerum cognoscere causas

 

 

 

 

 

Angesagt und aufgestellt

Man weiß sich gut aufgestellt, weil es ist sprachliche Zwanglosigkeit angesagt. Lästige Barrieren sind gefallen. Und was – um dem Einwand grammatischer Kleinkrämer und archaischer Federfuchser vorwegzunehmen - die Inversion angeht: Wie kann man, wenn man einen Satz beginnt, schon wissen, was man sagen oder wie man enden wird – und das, sozusagen erschwerend, in einem Nebensatz mit nachgestelltem Prädikat?

In einer Gesellschaft, die das betreute Denken in Familie, Kindergarten, Schule, Universität und Beruf, im geselligen Zusammensein, im beamteten Sprachverkehr und im gedruckten Hinschreiben zulässt, ja geradezu fördert, würde jede Auseinandersetzung über komplizierte Satzkonstruktionen oder über die Stellung des Prädikats bei einem abhängigen Kausalsatz die Diskutanten überfordern. Also verständigt man sich in schlichten Hauptsätzen. Einfach. Deutlich. Verständlich. Aber, wie eben griesgrämige, unzeitgemäße Haarspalter und Sonderlinge vorbringen, regelwidrig nach herkömmlicher Rechtschreibung, obwohl diese Pingeligkeiten niemand erinnert und ohnehin keinen Sinn mehr machen. Denn wer wird so beckmesserisch sein und an derartigen Lappalien Anstoß zu nehmen?

Darauf angesprochen und um meine Meinung gebeten, würde ich sagen:

Man spricht und schreibt zwar falsch, aber verständlicher und verstehbarer. Und das ist für eine Zeit, die so viel Unverständliches und Unverstehbares zu bieten hat, schon sehr viel. Und weil die persönliche Eigenheit und unverfälschte Originalität an und für sich im Vordergrund steht und die Würde des Menschen, wie man es im Grundgesetz nachlesen kann, ist unanfassbar. Dass sie auch zum Missbrauch des Konjunktivs führen kann, wird nicht erwähnt. Hauptsache, man würde sich äußern, wenn Antworten oder Bekenntnisse verlangt sind, sagen, meinen, wünschen, glauben, hoffen.

Geht man einmal davon aus, wie es auf Tagungen, Sitzungen und ganz besonders bei Interviews üblich ist, in denen die Gefragten glauben, etwas zu sagen zu haben, oder meinen zu müssen, würde man annehmen dürfen und davon ausgehen, dass vieles, was früher richtig und wichtig war, mittlerweile vereinfacht wurde. Das bietet den ungemeinen Vorteil, für eine immer größere Anzahl von Menschen verständlich zu werden. Der hierarchische Ausschluss, der durch eine komplizierte Sprache jahrhundertelang nicht nur in Kauf genommen, sondern bewusst gefördert wurde, gehört der Vergangenheit und damit der Vergänglichkeit und gewiss auch bald der Vergessenheit an. Diese Art der Abgrenzung, die, von der Überheblichkeit aufgestellt, kein Mensch mehr erinnern mag, ist innerhalb der Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger elegant und endgültig dahin. Glücklicherweise – man braucht es nicht begreifen, es genügt, wenn man es nachvollzieht – ist heute davon auszugehen, dass das durch bewusstes Ungenügen und gezielte Unzulänglichkeit gefühlte Verständnis der Bevölkerung erweitert wurde.

Die Vernunft hat gesiegt: Es würde ohnehin keinen Sinn mehr machen, eine derart menschenverachtende Unterscheidung beizubehalten, selbst wenn man die Inversion scheut und das Bindewort „weil“ durch die Konjunktion „denn“ ersetzt, um nach Altväter- und Vorväterart zwei Hauptsätze miteinander zu verbinden.

Aber die Gegenwart, wie es genüsslich heißt – ist angekommen.

Man braucht den Leuten nur aufs Maul zu schauen, dann hört man, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt:

Dr. phil. Gerhard Fischer, Schifferstadt

 

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Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor des Bestsellers 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL