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Moser streitet: Das darf
er. Er polemisiert gegen das bekannte Werk von Joyce McDougalls 'Plädoyer für
eine gewisse Anormalität', mit der die Autorin als Psychoanalytikerin
international Beachtung fand. Polemik als Stilmittel findet dann ihre
Begründung, wenn sie substantielle Antworten gibt auf Fragen, die nicht oder nur
unzureichend beantwortet wurden. Moser wendet sich also nicht so sehr an den
Laien, dem terminologische Begrifflichkeiten weitgehend fremd sind, sondern an
diejenigen Leser, die selbst praxiserfahren sind oder an solche Probanden, die
sich als therapiegeschädigt begreifen. Für Letztere wird es dennoch hoch
interessant, beispielsweise in Kapitel zwei, in dem von 'behandlungstechnischen
Problemen, die (...) für die Psychoanalyse in klassischen Settings
(...) fast zwangsläufig erwachsen.' Und das ist die Crux überhaupt: Wie
kann der Psychoanalytiker sich selbst sicher sein zu sagen, was er sagt? Was
beeinflußt ihn? Welche weltanschaulichen Fazite bezieht er in seine Arbeit ein?
Wie weit ist er von seiner Ausbildung emanzipiert? In concreto: Zu welcher
Schule tendiert er, welcher Lehrmeinung räumt er auch nach langer Praxis Vorrang
ein? Dem geht Moser stellenweise höchst süffisant nach und beantwortet die
selbstgestellte Frage mit dem generellen Zweifel an der akademischen Profession.
Das stimmt auch seine Kollegen nachdenklich, denn wer die Seele analysieren,
therapieren und heilen will, muß sich gefallen lassen, mitunter als 'sprechende
Attrappe' zu gelten, wenn Fragwürdigkeiten anstelle von evaluierter Essenz
treten. Moser versteht seine Replik somit als konstruktive Streitschrift; sie
ist es im besten Sinne und gewiß keine eitle Philippika.
SUHRKAMP,
Neuauflage 2009, ISBN 3-518-11404-2, 8,50 Euro (TB)
Der Verlag: www.suhrkamp.de
in Frankfurt am Main
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