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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

HOLTKAMP 'Verblöden unsere Kinder?'

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Eine oft gestellte, provokative Frage, deren Beantwortung in der Überzahl der Publikationen zum Thema Neue Medien und über den Umgang mit ihnen höchst indifferent blieb; man könnte auch sagen, daß sie aus vielerlei Gründen dem Zeitgeist überlassen wurde. Anders hier: Der Autor widersteht solchem Versuch einer ideologischen, aus der jeweiligen Weltsicht heraus begründeten Beeinflussung des Lesers und der manifesten Rechtfertigung der These, daß die intrinsische Bedingtheit des Menschen zur Schwäche staatliche Interventionen zwingend erfordere. Er legt vielmehr den Finger auf die offene Wunde, und die schwärt generell dort, wo der Mensch im allgemeinen und die Jüngsten und Heranwachsenden im besonderen am verletzlichsten sind, nämlich in ihrer Sehnsucht nach Abenteuer und Weltflucht. Holtkamp wendet sich an deren Eltern, und zwar in einer unprätentiösen Sprache, die keine Deutelei zuläßt: 'Den sinnvollen Umgang mit Fernsehen und Co. müssen Eltern lernen: Eltern wie Pädagogen sind gleichermaßen aufgerufen, Angebote, Initiativen und Konzepte zu entwickeln. Die Fantasiekräfte der Kinder werden bis etwa zum siebten Lebensjahr ausgebildet und mit der Schulreife kann das Kind konzentriert lernen. Lernen meint in diesem Kontext Zahlen behalten, Buchstaben zu Wörtern formen und diese schreiben können. Das Fernsehen kann nur eingeschränkt die Fantasiekräfte und die Gedächtnisleistung anregen.' In diesen formalen Kontext stellt er Fakten (kommentierte Links) auf die didaktisch nützlichen Seiten im Internet und listet zugleich die kontraproduktiven, schlechten Links auf. Das besitzt Aufforderungscharakter zur Selektion. Der Leser sollte ihr aktiv entsprechen, weil Passivität  stets dazu führt, daß Kinder und Heranwachsende führungslos die virtuelle Medienlandschaft durchforsten. Der Autor ist sich dessen als Wegbereiter einer aktiven Verantwortung bewußt und fächert u.a. in den Kapiteln 'Die häßliche Seite des Internets' und das 'Leben in der Mediengesellschaft' den Malus ihrer ethisch-moralischen Fragwürdigkeit auf. Unter dieser Prämisse ergibt sich eine voraussetzende Gefahrenabwehr mittels Rat und aktiver Begleitung durch Eltern und Pädagogen. Das Fazit des Buches läßt sich in diesem Sinne so zusammenfassen: Je größer die Permissivität in der Führung von Kindern und jungen Menschen, umso größer der Relativismus in der Beurteilung von Medienstrukturen und -angeboten. Jener unheilvolle Relativismus ist es nämlich, der - vorwiegend soziologischerseits - rechtfertigt, was nicht zu rechtfertigen ist: die billigend in Kauf genommene psychische Schädigung unerfahrener  Medienkonsumenten und die daraus resultierenden negativen Reaktions- und Verhaltensmuster. Vor solcher Installation immer niedrigerer Hemm- und Frustrationsschwellen zu warnen und zu einem sensiblen Umgang mit den Medienangeboten praktisch anzuleiten, ist das Verdienst Holtkamps. Seine fundierten Appelle sollten als Aufforderung zum Widerstand gegen eine mentale, intellektuelle und spirituelle 'Verblödung' unserer Kinder aufgegriffen und in die Tat umgesetzt werden. Die Erosion des Kulturellen könnte dann beendet werden.

BUTZON&BERKER, 2009, ISBN 3-7666-1286-1, 17,90 Euro (geb.)

Der Verlag: www.bube.de in Kevelaer