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Wer kennt sie nicht: die 'Linkshänder',
deren scheinbar verkrampfte Schreibhaltung vor vielen Jahren noch so manchen
Pädagogen zu rüden Methoden greifen ließ, um die seiner Auffassung nach
offenkundige 'Fehlhaltung' unpädagogisch zu sanktionieren? Etliche besorgte Eltern
liefen Kinderpsychologen die Praxistüren ein, um ihrem Kind 'Schmach und
Schande' zu ersparen - in der irrigen Annahme, Linkshändigkeit sei Ausdruck
einer malignen psychischen Manifestation. Das Buch der Autorin, wäre es damals
schon verfaßt worden, hätte unvergleichlich segensreich gewirkt - im
Umkehrschluß muß man sich also fragen, ist denn die Zeit heute eine andere
geworden, denn weshalb sonst die eindringliche Mahnung an Eltern, Lehrer und
Erzieher, nicht (immer noch) Fragen zu einem Thema zu stellen, die bei
genügender Sorgfalt längst beantwortet wären? Judith Bremer, Diplompädagogin und
Linkshänderberaterin nach der Methodik von Dr. Johanna Barbara Sattler, legt in
ihrem didaktisch versierten Werk die Finger in die Wunden und zeigt an
praktischen Beispielen auf, wie sich Kinder mit ihrer vom Gros abweichenden
Feinmotorik ein komfortables Feld der Betätigung schaffen können. Was bedeutet
dies in praxi? Es bedeutet beispielsweise, einen der farbig unterlegten
Merksätze zu verinnerlichen: 'Welche Hand kann es besser?Diese Hand nimmt das
Messer.' Solche Prägnanz im Wissen um die angeborene Links- oder
Rechtshändigkeit kann somit zum grundlegenden Wegweiser für die Vervollkommnung
der linkshänderischen Fähigkeiten insgesamt werden. An den Folgen ungeschulter
Linkshändigkeit zeigt die Autorin eindrucksvoll die für Kinder fatalen Primärfolgen
auf: Gedächtnisstörungen, feinmotorische- und Sprachstörungen und wie das
Außenstehenden eher amüsant anmutende schlichte Verwechseln von rechts und
links; die Sekundärfolgen hingegen bilden eine noch schlimmere seelische
Belastung: von Selbstwertproblemen hin über Trotzhaltungen bis zum Bettnässen
reglementieren sie den kindlichen Alltag. Hier frühzeitig mit entsprechendem
Fachwissen und verständnisvoller Liebe gegenzusteuern fällt mit diesem
Ratgeber weder schwer noch stellt er übersteigerte Ansprüche an Zeit und
monetärem Aufwand. Für Eltern also ein unverzichtbarer, mit Beispielen
für die Praxis unterlegter Ratgeber, und für
Lehrer und Erzieher ein Nachhilfeunterricht der ebenfalls unverzichtbaren Art.
Sie zu dieser Lektüre erst ermuntern zu müssen zeigte ihr Defizit wenig
schmeichelhaft auf; setzen wir also wohlwollend voraus, daß sie, die unser
Buchmarkt-Portal als Leser fast dominieren, bereits wissen, worauf es bei der
Betreuung linkshändischer Kinder ankommt. Fazit: Das Buch gehört für Eltern,
Lehrer und Erzieher in jede pädagogische Hausapotheke!VAK, 2010, ISBN
3-86731-057-4,
12,95 Euro (PB)
Der Verlag: www.vakverlag.de
in Kirchzarten bei Freiburg
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