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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

BERGMANN / HÜTHER

'Computersüchtig. Kinder im Sog der modernen Medien.'

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Der Aufenthalt in virtuellen Welten wie sie das Internet bietet, droht zu einer wachsenden Gefahr vorrangig für Kinder und Jugendliche zu werden. Die Autoren, Kindertherapeut und Neurobiologe, gehen in ihrem Buch sogleich in medias res und widerlegen all jene, die - die Soziologie exemplifiziert dies weitverbreitet - das Surfen im Netz, das dort geltende Kalkül des Gewinnenkönnens auch um den kleinen Preis, das unreflektierte Triumphierendürfen über andere, als neue Jugendkultur deklarieren und die Gefahren der Abhängigkeit von diesem Medium wie auch dessen Dominanz leugnen. Die Widerlegung solcher beschönigenden Einwände auf neurobiologischem Gebiet übernimmt Gerald Hüther, das Aufzeigen krankmachender Tendenzen in der Pysche der Kinder erfolgt durch Wolfgang Bergmann, dessen Zeitschriftenkolumnen bereits flankierendes Interesse geweckt haben. Der komprimierte Inhalt des Buches von 164 Seiten dürfte für besorgte Eltern deshalb jenes Maß an Zuwendung zum Thema mehr fördern als großvolumige wissenschaftliche Kompendien. Das Kapitel darüber - hier absichtsvoll im Surferjargon '2nd Task' genannt - Was den Sinnen und dem Verstand im Internet und bei Computerspielen zustößt gibt grundlegenden Aufschluß über die zuerst nur larviert feststellbaren Wahrnehmungs - und Raum-/Zeiterfahrungsdefizite, die sich späterhin als rasanter Verlust an Kommunikationsfähigkeit und den Verlust von Realitätsbezügen manifestieren. Solche Interferenzen des Psychischen im Zusammenwirken mit hirnmanipulativen Aktionen rechtfertig allein eine allumfassende Schutzmauer um die Betroffenen zu errichten. In welcher Form? Nicht mittels restriktiver Maßnahmen, vielmehr, wie die Autoren raten, durch Verhinderung der Entfremdung zwischen der Virtualität des Cyberraumes und der Realität des Hier und Jetzt. Sie erfolgt durch sogenanntes Imitationslernen, schlichter ausgedrückt, durch positiv prägende Vorbildfunktionen, die eine Verhaltensspiegelung zu bewirken imstande sind. Dies alles wird in einer klaren, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassenden Sprache dem Leser dargestellt, und es empfiehlt sich dringend, die eigene Verantwortung für den Sozialisierungprozeß seines Kindes einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Erst dann, und nur dann, werden die Autoren das erreicht haben, was sie bewirken wollen: Nachdenken über das, was entbehrlich ist, was förderlich ist, und das, was Nachteile im Zurechtfinden in der realen Welt beseitigen hilft, nämlich die Konzentration auf das Wesentliche. Und dieses Wesentliche schwirrt nicht im künstlichen Gebilde von Raum und Zeit umher. Es ist vielmehr hier und anfaßbar als Du und Ich. Dies dürfte die Lektion sein, die die Autoren vermitteln wollten, und man möchte hoffen, daß sie ihre Wirkung nicht verfehlt.

PATMOS, 2009, 3-40722-904-5, 12,90 Euro (brosch.)

Der Verlag: www.patmos.de  in Düsseldorf