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Das Alterswerk der nunmehr
80jährigen renommierten Psychotherapeutin und ehemaligen Mitherausgeberin des
Rheinischen Merkurs kann als Essenz ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit im Bemühen
um ein besseres Verständnis für innerseelische Wirkmächtigkeiten bei Kindern und
Jugendlichen gelten - und es kann in diesem Kontext insofern als komplementäres
Werk zu Lorenz' Die acht Todsüden der Menschheit bewertet werden, als es
ebenso exakt darauf abstellt, worauf es in praxi ankommt, nämlich junge Menschen
in ein Leben zu begleiten, das ihnen vieles abverlangen wird und dem sie sich
stellen müssen, wollen sie nicht lebenslang seelisch leiden und an diesem Leid
sogar zugrundegehen. Christa Meves hat in folgerichtiger Konsequenz ihr rund 300
Seiten umfassendes Werk untertitelt mit: Warum Kollektiverziehung und andere
Unnatürlichkeiten für Kleinkinder schädlich sind und verweist darin auf das
elementare Defizit von Erziehung: auf die Vergewaltigung des Willens des Kindes
und des Jugendlichen und auf das Versagen von
Förderung und Stärkung ihrer Talente und Selbständigkeit. Die unheilvollen Folgen daraus (im besten Humboldtschen Verständnis) subsummiert Konrad
Lorenz übrigens eindringlich unter sein Kapitel von der Indoktrinierbarkeit des
absichtsvoll unmündig gehaltenen Menschen, wiewohl die Autorin im sechsten Teil
ihrer Abhandlungen genau darauf reflektriert und unter Störungsformen des
Selbstbehauptungstriebes das Strafen durch Erziehungspersonen im
allgemeinen, die gezielte Behinderung von erfahrungsnotwendigen Lernprozessen
insbesondere geißelt. Und dies zurecht, wie die gesellschaftliche Entwicklung
seit der in den frühen siebziger Jahren vollzogenen Propagierung einer permissiv
orientierten Erziehungswissenschaft beweist. Christa Meves war und ist stets
dagegen vorgegangen und so hat sie insofern auch viel mit den seinerzeitigen
Bemühungen Eysencks gemein, als es auch ihr um Aufklärung eines breiten Publikums
geht. Ihr neues Werk verschafft damit dem Leser Einsichten in die Ausbildung
frühkindlicher Charakterstrukturen und deren pädagogische Konsequenzen im Falle
einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Manipulation durch sozialpsychologische
oder sozialpädagogische Verhaltensmodifikationen. Es ist das große Verdienst der
Autorin, in Geheimnis Gehirn ein gut lesbares und kein enzyklopädisches
Wissen voraussetzendes Werk verfaßt zu haben, in dem die Verknüpfung von
Verhaltensstörungen mit den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung vollzogen,
stringente Schlüsse daraus abgeleitet und ein Maßnahmenkatalog
zum Wohle des seelischen Unversehrtbleibens
unserer Kinder erarbeitet wurde. Das Buch ist nicht nur Eltern, Studierenden der
Erziehungswissenschaften, sondern auch und gerade Leitern einschlägiger Seminare
zu empfehlen. Die nämlich haben es in der Regel besondern nötig, tradierte
Argumentationsketten zu sprengen und der Sensibilität im Umgang mit seelischen
Verletzungen breiten Raum zu geben. Prädikat: Besonders empfehlenswert!
RESCH, 2008, ISBN 3-935-197-38-1,
16,80 Euro (TB)
Der
Verlag: www.resch-verlag.com in
Gräfelfing
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