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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

EXLIBRIS

Literatur- und Sachbuch-Besprechungen

 

 

 

 

 

 

 

Emil Walter-Busch: 'Geschichte der Frankfurter Schule. Kritische Theorie und Politik.'

 

Die folgenden Zeilen aus dem Zürcher "Tagesanzeiger" haben mich auf diesen Band neugierig gemacht: 

"Der Zürcher Sozialwissenschaftler Emil Walter-Busch hat rechtzeitig zu diesem Jubiläum der anderen Art einen handlich schmalen, gleichzeitig gehaltvollen und vergnüglichen Band zur Geschichte der Frankfurter Schule geschrieben. Der emeritierte HSG-Professor schafft es, komplizierte Zusammenhänge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher als nötig darzulegen. Er widersteht der Versuchung, Leser und Leserin mit eigenen Weisheiten eindecken zu wollen. Denn weise sind sowohl der Autor wie auch die beschriebenen Köpfe ganz für sich selber in ihrer intellektuellen Redlichkeit und Bescheidenheit." 

Im Buch liest sich das dann so: 

"So wie die Beweggründe von Menschen in sehr vielen Situationen, konvergieren auch diejenigen des Stifters des Fankfurters Institut für Sozialfoschung nicht bis zur Eindeutigkeit. Es waren vieldeutige, im Sinne von Robert Musil typisch 'nichtratoïde' Motive, die in den 1920er Jahren einen der reichsten Sponsoren der Stiftungsuniversität Frankfurt a.M. dazu bewegten, ein parteiunabhängiges Institut für marxistische Studien zu finanzieren. (Musil unterscheidet sog. 'ratioïde', d.h. 'zur Eindeutigkeit konvergierende' Gegenstände des Erkennens - zum Beispiel: 'dieser Brief wiegt mehr als 20 Gramm' - von unendlich auslegungsbedürftigeren Aussagen über 'Nichtratoïdes' (etwa: 'er wollte es so'); eine unscheinbare, aber wichtige Unterscheidung, die ein besseres Verständnis einiger Kerngedanken Kritischer Theorie, zumal derjenigen Adornos (Abschnitt 12), sowie von Methodenproblemen der empirischen Institutsforschung (Abschnitt 11) ermöglicht.)" 

Derart differenziert und detailgetreu - einige mögen wohl denken: umständlich - geht es dann weiter. Was der Autor liefert ist genau das, was der Titel sagt: Geschichte der Frankfurter Schule. Nicht etwa 'die' Geschichte oder 'eine' Geschichte, sondern irgendwo zwischendrin: nicht so absolut im Anspruch wie 'die' es suggerieren, doch auch nicht so beliebig wie 'eine' es nahelegen würde. Hätte man sich allerdings entscheiden müssen, wäre 'die Geschichte' sicher zutreffender gewesen - schon allein der immensen Fleissarbeit wegen, die in diesem Werk steckt. 

Der Tagesanziger hat recht, es ist dies ein gehaltvolles Werk. Vergnüglich zu lesen ist es hingegen nicht - jedenfalls für einen Laien wie mich; Historiker und Soziologen werden das sehr wahrschenlich anders sehen.

 

Herausgegeben vom Wilhelm Fink Verlag, München, 2010

Wilh.Fink-Verlag

Rezensent ©: Hans Durrer, Sargans (CH)

Beachtenswerte Links zum Autor:

http://hansdurrer.com

http://durrer-intercultural.blogspot.com

 

 

 
 

 

 

 

Ad personam

 

 

Hans Durrer studierte Rechtswissenschaften in Basel, Journalistik in Cardiff und angewandte Linguistik in Darwin; er ist Autor des Buches "Ways of Perception: On Visual and Intercultural Communication" (White Lotus Press, Bangkok 2006).