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Daniel
Goetsch: 'Herz aus Sand'
Ort der Handlung dieses
Romans ist ein Camp in der Westsahara, wo UNO-Beobachter einen Waffenstillstand
überwachen und ein Referendum organisieren sollen und mit Tausenden von
Flüchtlingen, deren Traum die Heimkehr oder die Flucht ins Wohlstandsparadies
Europa ist, zusammentreffen.
Dann taucht Druncker auf,
ein Berliner Architekt, der Frank, den Protagonisten dieses Romans, an Alma,
Franks grosse Liebe erinnert und dem Autor Anlass ist, von Franks
Vergangenheit zu berichten.
Als ehemaliger
Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz im südlichen Afrika
hat mich vor allem interessiert, wie der Autor diese Beobachter-"Arbeit" vor Ort
schildert. Sehr überzeugend, weil sehr realistisch, kann ich nur sagen.
Ein Beispiel: "Nun, es
ist nicht an mir, die Erfolgsaussichten unserer Mission zu beurteilen. Laut
meines Einsatzvertrags bin ich ein Beobachter. Ich brauche also nichts weiter zu
tun, als zu beobachten. Hielt ich dies einst für eine Tätigkeit, die erhöhte
Wachsamkeit und Scharfsinn erforderte, wurde ich hier eines Besseren belehrt.
Nicht die Tiefe soll ich ausloten, nicht in Abgründe hinabspähen, nicht nach
Hintergründen forschen, meine Aufgabe erschöpft sich im Betrachten der
Oberfläche." Und im Berichte-Schreiben, was Frank wunderbar trocken so
kommentiert: "Auf den Abgabetag hin wird jeweils der Bericht der Vorwoche
kopiert, werden ein paar Adjektive geändert und die Daten angepasst. Ein
Wochenbericht soll nicht aufregender sein, als es unsere erlebte Woche war ...
(...) ... Wo nichts geschieht, erhält jedes Wort dramatisches Gewicht. Ganze
Bedeutungsfelder kommen ins Rutschen, wenn wir beispielsweise 'manchmal' durch
'gewöhnlich' oder 'schottergrau' durch 'herbstgrau' ersetzen. Und obgleich diese
Berichte völlig nutzlos sind, opfern wir ihnen bereitwillig unsere Zeit. Wir
können nicht auf sie verzichten. Wozu wären wir sonst hier?"
Genau so isses. Ein
Bürokrat ist ein Bürokrat, ob "sur le terrain" oder am Hauptsitz in Genf.
Daniel Goetsch führt in
diesem gelungenen Roman vor, was es mit internationalen Beobachter-Missionen auf
sich hat: Augenwischerei einerseits, Beschäftigungsprogramm andrerseits. "Herz
aus Sand" ist ein aufklärendes und aufklärerisches Buch, das mich immer mal
wieder zum Schmunzeln brachte: "Es geht das Gerücht, er schreibe die besten
Wochenberichte, stilistisch gekonnt und sehr präzise. Wen wundert's? Jeder
verfällt anfangs diesem Ehrgeiz. Als Neuling steckt man viel Herzblut in die
Berichte. Man nimmt sie als willkommenen Anlass, sich über die Zustände hier zu
empören. Man prangert das Elend an, die Ungerechtigkeit, den Drogenmissbrauch,
den Kantinenfrass, das verdreckte Sitzbrett in der Latrine. Man berauscht sich
am Glauben, mit dem Schreiben die Wirklichkeit zu entlarven."
Es sind solche Einsichten
und Schilderungen, die die Lektüre dieses schön gestalteten Buches lohnen. Und
Sätze wie dieser: "Und natürlich schreibe ich alles nieder und beschönige es, wo
es angezeigt scheint". Und dieser: "Wie versprechen ihnen Demokratie und
Freiheit, wissen aber selbst nicht mehr, wie es entstand und warum es uns heilig
ist." Und dieser: "Meistens waren wir uns uneins. Wir hatten nicht dieselben
Bücher gelesen, nicht dieselben Wahrheiten gefressen." Und und und ...
Herausgegeben vom
Bilger Verlag, Zürich, 2009
►Bilger-Verlag
Rezensent
©:
Hans Durrer, Sargans (CH)
Beachtenswerte Links zum Autor:
http://hansdurrer.com
http://durrer-intercultural.blogspot.com |
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