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Kirsten Heisig: 'Das Ende der Geduld. Konsequent gegen
jugendliche Gewalttäter.'
Mit dem Satz: "Wenn wir
nicht rasch und konsequent handeln, wenn wir unsere Rechts- und Werteordnung
nicht entschlossen durchsetzen, werden wir den Kampf gegen die Jugendgewalt
verlieren." wird Kirsten Heisig, die bis zu ihrem Tod Ende Juni 2010 als
Jugendrichterin am Amtsgericht Berlin-Tiergarten, dem grössten Amtsgericht
Deutschlands tätig war, auf der vierten Umschlagseite ihres Buches, "Das Ende
der Gewalt: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter", zitiert.
Beispiele für Verstösse
von Jugendlichen gegen unsere Rechts- und Werteordnung finden sich in diesem
eindrücklichen Buch zuhauf. Heisig schildert eine Realität, von der wohl die
meisten unter uns keine Ahnung haben.
So stellt sie zum
Beispiel fest, dass kaum nachvollziehbare Gewalttaten in erschreckendem Ausmass
zugenommen haben. "Der Anlass der Taten steht häufig in keinerlei Verhältnis zu
den angewendeten brutalen Methoden."
Dabei spielt auch häufig
Alkohol eine entscheidende Rolle. Das beginnt mit dem Alkoholmissbrauch (vor
allem bei deutschen Jugendlichen) im Elternhaus. "Wenn die Eltern trinken, sind
sie mit sich selbst beschäftigt, haben keine Kontrolle über das eigene Leben und
sind nicht in der Lage, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Die damit
meist einhergehende Arbeitslosigkeit kommt hinzu ... Bei allen
Erklärungsversuchen springt mir die grosse Brutalität der Tat ins Auge. Die
Täter haben meiner Ansicht nach den Tod ihres Opfers vor Augen gehabt, und er
war ihnen gleichgültig."
Obwohl Kriminalität nach
wie vor überwiegend männlich ist, werden doch auch junge Frauen zunehmend
kriminell - sie sind bei der Tatbegehung häufig alkoholisiert. Auffällig ist,
dass es "so gut wie keine Sachbeschädigung in Form von Graffiti gibt, die durch
Mädchen begangen wird, genauso wie im Übrigen junge Männer mit
Migrationshintergrund zwar allerlei Straftaten begehen. in diesem Deliktsfeld
aber ebenso stark unterrepräsentiert sind."
"Wenn Sie die Jugend
verstehen wollen, hören Sie ihre Musik", sagte ein junger Mann einmal zur
Jugendrichterin Heisig und meinte damit Rap-Videos. Dazu diese lakonisch: "Wer
stundenlang gewalttätige Rap-Videos sieht, sich Killerspielen aussetzt, um dann
bekokst mit seiner Gruppe loszuziehen, wird jedenfalls schwerlich einen
friedlichen Abend verbringen."
Die Lektüre dieses
notwendigen Buches (mehr: die Auseinandersetzung damit) sei allen, die es
drängt, sich zu Integrationsfragen zu äussern, eindringlich empfohlen. So
erfährt man etwa unter dem Titel "Yilmaz, Hussein und Kaan - jugendliche
Gewalttäter", dass männliche Täter mit Migrationshintergrund speziell von ihren
Müttern extrem verwöhnt werden und keine Grenzziehung erfahren. Werden die
Eltern auf Verhaltensauffälligkeiten der Kinder angesprochen, machen sie "das
System" dafür verantwortlich: "Die Lehrer seien unfähig und zudem rassistisch,
weil sie es wagten, das Kind zu kritisieren. 'Zu Hause ist das Kind ganz brav',
heisst es dann."
Nur eben: Brutale
Vergewaltigungen gibt es, und nicht zuwenig. Und es gibt sie auch deswegen, so
Heisig, weil "durch elterliches Versagen und unter den Augen der geduldig
abwartenden Institutionen schwer kriminelle Jugendliche heranwachsen können."
Wie sagte doch ein jugendlicher Vergewaltiger einmal schlicht: "Im Libanon hätte
ich das nicht gemacht. Da hätte man mir ja den Schwanz abgeschnitten."
Herausgegeben vom
Herder-Verlag, Freiburg i. Br., 2010
►Herder-Verlag
Rezensent
©:
Hans Durrer, Sargans (CH)
Beachtenswerte Links zum Autor:
http://hansdurrer.com
http://durrer-intercultural.blogspot.com
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