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ANTIQUARIATE

 

 

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EXLIBRIS

Literatur- und Sachbuch-Besprechungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Michael Katz Krefeld: 'Die Anatomie des Todes'

 

Wild entschlossen, diesen Krimi zu mögen (konnte man nach Stieg Larssons Trilogie eigentlich noch Krimis lesen?), begann ich mit der Lektüre und war auch durchaus davon angetan, wie die junge dänische Ärztin Maja Holm, übernächtigt und mit Aufputschmitteln vollgepumpt, in einer norwegischen Kleinstadt vergeblich versucht, einen Junkie wiederzubeleben, der, wie es schien, durch eine Überdosis zu Tode gekommen war. Zusammen mit dem Reporter Stig Norlund beginnt sie zu recherchieren. 

Doch schon bald einmal liess die Spannung nach, kam ich nicht mehr so recht weiter, mühte mich jedoch bis zum Ende durch. Woran lag's? Zum Teil an der Figur der Maja Holm, die mich gänzlich unglaubwürdig dünkte. Das sehen andere anders: so las ich im sf-magazin, dass es sich bei ihr um "einen durch viele Ecken und Kanten glaubwürdigen und sympathischen Charakter" handle. Nun ja, sie ist dialogunfähig, schreckhaft, und leicht paranoid - meinem Bild von einer Ärztin entspricht sie jedenfalls nicht (andererseits: was weiss ich schon von Ärztinnen?). 

Ein Beispiel:

Stig ging ihr hinterher. "jetzt beruhige dich und sag mir wenigstens, was ich getan habe."

Maja riss die Autotür auf.

"Du hast gar nichts getan, das hast du ja alles deinem Kollegen überlassen."

Stig breitete hilflos die Arme aus. "Wovon redest du, verdammt noch mal?"

"Kannst du dir nicht vorstellen, was alles passieren kann, wenn du vertrauliche Informationen weitergibst?"

"Sag mir konkret, was du mir vorwirfst!"

Sie spürte, dass ihr Tränen in die Augen schossen und ihre Nebenhöhlen zu platzen drohten. Sie wollte nicht weinen, sie durfte jetzt nicht weinen! Sie setzte sich ins Auto. Stig hielt die Tür fest, ehe Maja sie zuknallen konnte.

"Was für Informationen?"

"Ich habe dir vertraut, Stig. Ich dachte, dass ich ..." Die Tränen liefen ihr über die Wangen. " ... dass ich auf dich zählen könnte."

Sie zog die Tür mit solcher Kraft zu, dass Stig loslassen musste, um nicht zu riskieren, dass seine Finger abgetrennt wurden. Sie drückte das Gaspedal durch und wirbelte Laub und Erde auf, als sie davonbrauste. Maja warf einen Blick in den Rückspiegel, in dem Stig zusehends kleiner wurde. Er sah bemitleidenswert aus, wie er dort am Strassenrand stand, aber davon liess sie sich nicht täuschen. Nicht ein weiteres Mal." 

Mein Problem mit diesem Auszug ist dies: wie soll jemand, der dermassen impulsiv und völlig in seinen vorgefassten Meinungen gefangen ist (es wird sich erweisen, dass Stig sie gar nicht hintergangen hat), etwas gänzlich Unbekanntem auf die Spur kommmen? 

Ein schlechtes Buch ist die "Anatomie des Todes" jedoch beileibe nicht; so ist zum Beispiel das norwegische Ambiente ist ganz eindrücklich geschildert, auch gibt es witzige Beschreibungen ("Sie sah mit jeder Brille gleich unvorteilhaft aus, ob sie nun von Dior, Gucci oder von der Tankstelle war"), treffende Charakterisierungen  ("Schliesslich bin ich Journalist, oder?" "Und?" "Ich lebe davon, am Leben anderer Menschen teilzunehmen, mit ihnen in kürzester Zeit vertraut zu werden.") und schnippische Kommentare ("Warum fällt es dir so schwer zu glauben, dass es jemanden gibt, der sich um dich Sorgen macht?" "Weil ich so etwas nicht brauche.") - und es sind ja häufig diese, welche die Lektüre lohnen und einem bleiben.

 

Herausgegeben von Wilhelm Heyne Verlag, Münche, 2009

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Rezensent ©: Hans Durrer, Sargans (CH)

Beachtenswerte Links:

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Ad personam

 

 

Hans Durrer studierte Rechtswissenschaften in Basel, Journalistik in Cardiff und angewandte Linguistik in Darwin; er ist Autor des Buches "Ways of Perception: On Visual and Intercultural Communication" (White Lotus Press, Bangkok 2006).