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Simon
Winchester: 'Der Mann, der China liebte.'
"Um 1930 lag vor Joseph
Needham, einem ebenso brillanten wie exzentrischen Biochemiker, eine grosse
Gelehrtenkarriere in Cambridge. Doch dann verliebte er sich in eine chinesische
Gaststudentin - und sein Leben nahm eine neue Richtung", beschreibt der
Klappentext knapp und treffend, wo Needhams China-Begeisterung hergekommen ist.
China, schreibt Needhams
Biograf Winchester, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts "ein Land, wie es kein
zweites auf der Welt gab: riesig, komplex, von seiner Überlegenheit überzeugt,
ein Kokon von einem Reich, der den Nachbarn - Japan, Korea, den diversen
Königreichen in Indochina - Respekt abnötigte, in gleichem Mass aber auch Angst
hervorrief."
Es ist dies ein
aufschlussreiches und informatives Buch, einmal deswegen, weil ein Land und eine
Kultur sowieso am besten von jemanden beschrieben werden, der dieses Land und
diese Kultur liebt - und das steht bei Needham ausser Frage - dann aber auch
weil es spannend geschrieben ist.
Der "Observer" hat
Winchester unter anderem als glänzenden Rechercheur bezeichnet und das mag er ja
durchaus sein, doch solche Schilderungen (er war ja schliesslich zu dieser Zeit
nicht vor Ort), scheinen vor allem von einer ziemlich blühenden Fantasie zu
zeugen:
"Also verbrachte er zwei
köstliche Stunden damit, sich in der Wanne zu aalen. Danach speiste er, und zwar
sehr gut, denn die chinesischen Köche der Botschaft, die man abgestellt hatte,
um für sein leibliches Wohl zu sorgen, waren Meister ihres Fachs. Nach dem Essen
ging er auf die Terrasse, um noch eine Zigarre zu rauchen. Schliesslich setzte
er sich mit einem Whisky an den Schreibtisch, zündete sich eine Zigarette an und
brachte in der überaus sauberen Handschrift, für die er berühmt war, einen
kurzen Brief an Gwei-djen zu Papier, den er ihr nach New York schickte, wo sie
ein winziges Apartment in der Haven Avenue in Upper Manhatten bewohnte."
Die Sprache zu lieben
hiess, China zu lieben, hält Winchester fest und Needham "genoss es geradezu,
Chinesisch schreiben zu lernen, und obwohl er sich ebenso grosse Mühe gab, es
auch fliessend zu sprechen, war es die geschriebene Sprache, die ihn am meisten
in ihren Bann zog. Er begriff, was für eine besondere Bedeutung der Schrift in
China selbst zukam, und es gefiel ihm, dass ein raffinierter und eleganter
Schreibstil von den Chinesen als Zeichen für ein hohes intellektuelles Niveau,
Kultiviertheit und Gesittung angesehen wurde."
Da Needham ein vielseitig
interessierter Mann war - das gilt übrigens auch für Winchester, der auf der
Suche nach spannenden Themen rund um den Globus zieht - erfährt man in diesem
Buch von ausgesprochen Vielfältigem, etwa von einem Treffen mit einem
Paläometeorologen oder vom chinesisch-japanischen Krieg ("Ich verspüre nicht den
Wunsch", so Needhams Gesprächspartner, "dass den Japanern Ähnliches widerfahren
möge. Nichts ist so schlimm, so erbarmungslos, wirkt so abstossend auf die Seele
wie ein Bombenangriff.") bis zu einem Treffen mit Mao, von dem hingegen nicht
geklärt ist, ob es je stattgefunden hat.
PS: Im Anhang dieses
lehrreichen Werkes findet sich - neben einer Darstellung der chinesischen
Staaten, Königreiche und Dynastien - auch eine Aufstellung der chinesischen
Erfindungen und Entdeckungen mit Angabe ihrer frühesten schriftlichen Erwähnung.
Wussten Sie, zum Beispiel, dass die Zahnbürste aus dem 9. Jahrhundert nach
Christus stammt?
Herausgegeben vom Albrecht
Knaus Verlag, München 2009
►www.randomhouse.de
Rezensent
©:
Hans Durrer, Sargans (CH)
Beachtenswerte Links:
http://hansdurrer.com
http://durrer-intercultural.blogspot.com |
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