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ANTIQUARIATE

 

 

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EXLIBRIS

Literatur- und Sachbuch-Besprechungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Kveta Legátová: 'Der Mann aus Zelary'

 

"Kveta Legátová ist das Pseudonym einer in Brno lebenden Autorin (geboren 1919), die als politisch unzuverlässig galt und deshalb nach dem Studium der tschechischen und deutschen Sprache, der Physik und der Mathematik als Lehrerin von einer Dorfschule zur anderen versetzt wurde", lässt einen der Verlag wissen. Was nun diese Kveta Legátová hier vorliegt, ist eine glänzend geschriebene, wunderbar anschaulich und witzig geschilderte Novelle, die hiermit uneingeschränkt empfohlen wird. 

Worum geht's? In den Jahren 1942/43 gerät eine junge Ärztin im Protektorat Böhmen und Mähren durch Kurierdienste für eine Widerstandsgruppe in Lebensgefahr, muss fliehen und sich eine neue Identität zulegen. Zu dieser gehört auch, dass sie sich - auf Anweisung ihrer politischen Freunde - mit einem Mann verheiratet, der überhaupt nicht ihren Vorstellungen von einem Ehemann entspricht, doch dann ...  

Das Tolle an diesem Buch sind der Sprachrhythmus und die Einsichten. So hält die Protagonistin etwa über ihren Liebhaber fest: "Der Mann einer anderen Frau, Vater zweier Söhne. Dieses Wissen sollte mich wieder auf den Boden der Tatsachen bringen, tat es aber nicht. Ich erkannte, wie wenig man über sich selbst entscheiden kann. Wie leicht ich mich damit abfand!" Und über ihre Studienzeit notiert sie: "Wir waren albern, erfanden verrückte Spiele, dachten uns einen Studentenulk nach dem anderen aus, wie sie damals in Mode waren, und es amüsierte uns, wenn uns Vorübergehende für Vollidioten hielten." 

Bewundernswert ist auch, wie ungeheuer prägnant Legátová Dinge auf den Punkt bringt: "Das, was an uns vorbeifuhr, diese hässliche Type mit dem geistlosen Gesichtsausdruck, war weniger lebendig als ein Stein." Oder: "Richard (ihr verheirateter Liebhaber), dieser verräterische Schuft, hatte sich mir gegenüber nichts zuschulden kommen lassen. Er hatte die Hand ausgestreckt und ich war in sie hineingefallen." 

"Der Mann aus Zelary" ist eine äusserst anrührende Liebesgeschichte, die jedoch weit darüber hinausgeht. Sätze wie die folgenden sollen davon eine Ahnung geben: 

"Mit dem Hochmut der Ignoranten haben wir gerade Fragen gelöst, die so alt sind wie die Menschheit. Wir haben den Gipfel der Pyramide aus Fragezeichen erklommen, die über Jahrhunderte gleichzeitig mit der Erkenntnis angewachsen ist." 

"Er sah aus wie ein Mensch, der im Wachzustand, bei vollem Bewusstsein, in einem Traum hängengeblieben ist." 

"Ich war unter die Fuchtel der idiotischen Traditionen eines wilden Stammes geraten, für den so etwas wie Persönlichkeitsrecht keine Bedeutung besass." 

"Mit jedem Tag, der verging, wurde mir deutlicher, wie klug mein Mann gehandelt hatte, als er die Kate des alten Mánek auswählte. Leere Hütten gab es genug. Junge Paare errichteten nach bestehender Sitte gewöhnlich neue Häuser. Ein Monat aufreibender Arbeit mit einer Schar von Bekannten.

Joza hatte nicht ein Haus gewählt, er hatte die Nachbarschaft gewählt. Zena, Juliska, Lucka. Das Beste, was zu haben war."

 

Herausgegeben von DTV, München 2009

dtv.de

Rezensent ©: Hans Durrer, Sargans (CH)

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Ad personam

 

 

Hans Durrer studierte Rechtswissenschaften in Basel, Journalistik in Cardiff und angewandte Linguistik in Darwin; er ist Autor des Buches "Ways of Perception: On Visual and Intercultural Communication" (White Lotus Press, Bangkok 2006).