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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

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Mercatores

 

Kauffrauen und Handelsmänner sind ehrbare Leute. Sie schenkten uns, anfangs völlig unentgeltlich, Arabien, Indien, Amerika, Fugger, eine Herbertstraße in jeder Hafenstadt, das organisierte Verbrechen und nicht zuletzt den Pfeffer, weshalb man sie auch dankbar Pfeffersäcke nannte.

Derzeit bemühen sie sich aufopfernd um die Abschmelzung der But­terberge, sorgen dafür, daß bei uns die Milch nicht sauer und das Ge­treide nicht schimmelig wird, helfen somit der notleidenden Landwirtschaft aus ihrer permanent existenzbedrohenden Produktionskrise und retten sieben Milliarden blaue Amei­sen in China vor dem sicheren Hungertod. Außerdem muß der Euro endlich der D-Mark gleichwertig sein, sonst geben doch die Franzosen keine Ruhe, und die alte Erbfeindschaft bricht womöglich wieder auf.

Die Kauffrauen und Handeslsmänner bekommen zwischen 40 und 70 Prozent für ihre Arbeit. Das steht ihnen zu, denn Prä­sen­tieren und Klinkenputzen machte keiner gern. Daß der Produzent höchstens 10 Prozent kriegt, ist sein Problem. Muß er halt mehr und besser produzieren. Und dankbar sein, daß überhaupt jemand sein Gelumpe an den Mann bringen will.  

Es gibt indes und neuerdings Produzenten, um die sich die Damen und Herren Mercatores reißen. Das sind die Emissionsproduzenten. Die einen davon produzieren Überschuß, was normal ist, die anderen produzieren zu wenig. Die fleißigen Überproduzenten bestraft der Staat, wie immer, per legem, denn sie müssen Emissionsrechte kaufen. Die Faulen werden, auch wie immer, belohnt, denn sie dürfen ihre überständigen Emissionsrechte verkaufen. Jetzt tritt der ehrbare Stand auf den Plan. Ah, wie das flutscht! Da wurden in 2006 schon mal 1,6 Milliarden (!) Tonnen Emissionen hin- und her transportiert - man verzeihe, wenn schon wieder Schilda mit von der Partie ist - geschaufelt, gebaggert, in Container gepreßt, schließlich nicht nur auf Rhein-Weser-Main-Donau-Elbe-Kähnen, sondern auf allen Weltmeeren verschifft. Eine große Kunst, die keiner verraten will, handelt es sich doch um den Transport von Kohlenmonoxyd. Das versteckt sich angeblich mit Vorliebe in der Luft. 

Der Handelsstand wird selbstverständlich auch belohnt. Nicht vom Staat, sondern vom Markt. Mit sage und schreibe insgesamt € 22,4 Milliarden Handelsvolumen. Salvete, mercatores!

Quelle: AP/Donaukurier vom 20. August 2007

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Wilhelm Weglehner, Thalmässing.

 

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Ad personam

 

 

Wilhelm Weglehner ist Autor der vieldiskutierten Bücher

 

'Der Viehhändler' sowie 'Nahkampf', beide verlegt bei MABASE