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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

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Pecunia non delectat?

Geld macht nicht glücklich. Das sagen die, die keines haben. Eine Gnade, weil sie erkannt haben, daß ihnen die Trauben zu sauer sind, und keiner sie tiefer hängt. Das beklagen aber auch diejenigen, die nicht aufhören zu wachsen und deshalb zuviel von den Trauben haben. Vielleicht, weil man Traubengeld nicht essen kann? Und wäre es doch möglich, man dann immer diesen dämlichen Papiergeschmack auf der Zunge hätte? Wir werden sehen.  

Unerhörtes ist geschehen: Die Rente wurde um den schwindelerregenden Satz von 0,54 Prozent erhöht. Die Betroffenen hält es nicht auf den Parkbänken. Sie tanzen, die Konservativen eine würdige Allemande, die Progressiven einen flotten Sqare-Dance. Sie füttern die Tauben nicht mehr mit Kanarienvogelsesam, sondern mit Schappi. Sie wälzen sich in schlaflosen Nächten, verzweifelt grübelnd, was sie mit dem unverhofften Geldsegen anfangen sollen.

Von der Stiftung Rentnerforschung wurden drei Personen repräsentativ ausgewählt und befragt: Frau Hertha, 89, beglaubigte Diabetikerin, liebt Kuchen - aber bitte mit Sahne - mehr als sich selbst, was bei ihr einiges bedeutet. Ihre bisherige Witwenrente beträgt € 1100.-. Ein Renten­plus von 0,54% ergibt € 6.-. Das sind vier Stück Kuchen pro Monat, jede Woche ein zusätzliches Stück Kuchen. Frau Hertha leidet, weil sie sich nicht entscheiden kann, an welchem Wochentag sie das zusätzliche Stück Kuchen essen soll. Schließlich entscheidet sie sich dafür, noch mehr zu leiden, sogar ein ganzes Jahr lang, und sich an Silvester eine komplette Torte zu leisten. Auch wenn ihr dann schlecht wird.

Herr Walter, 103, ehemaliger Bergmann mit Staublunge, ist leidenschaftlicher Raucher. 6 Euro machen monatlich eine 25er  Schachtel. Das sind am Tag 0,83 Zigaretten mehr. Die hebt er sich für die Zeit vor dem Zubettgehen auf, schließt sich damit in die Toilette ein und verbleibt dort so lange, bis er allen zusätzlichen Qualm restlos weggeschnüffelt hat.

Herr Egon, 93, einstens Testfahrer für Formel I-Traktoren in Wisconsin, fährt seitdem für sein Leben gerne mit dem Auto. Sozialer Aufstieg, verständlich. Er legt sich ein Sparschwein zu, steckt den monatlichen Überschuß von € 6.- hinein und beschließt, sich nach einem Jahr einen vollen Extra-Tank für seinen Opel Omega zu gönnen. Den wird er ohne Pause und mit Höchstgeschwindigkeit leerfahren und sich dann vom ADAC abschleppen lassen. 

Experten hatten gewarnt: Es sei gefährlich, Leute, die das Darben gelernt hätten durch Krieg und Nachkriegszeit, nun plötzlich über alle Maßen zu verwöhnen.

Prompt keift Frau Hertha: Aber bitte mit Sahne! Herr Walter glaubt in einem Anflug von Hybris, von Reval auf die Nobelmarke Marlboro Goldstrong umsteigen zu können. Herr Egon spielt mit dem Gedanken, für die 72 Euro im Jahr fünf Minuten lang einen Ferrari samt Model zu mieten.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Wilhelm Weglehner, Thalmässing.

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Ad personam

 

 

Wilhelm Weglehner ist Autor der vieldiskutierten Bücher

 

'Der Viehhändler' sowie 'Nahkampf', beide verlegt bei MABASE