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Regina flevit
Die eine ist
Faustkämpferin, eine Errungenschaft der Emanzipation, und hat sicher schön öfter
geweint, wenn sie eins auf die Nase bekam. Die andere ist Filmproduzentin, auch
eine Errungenschaft. FrauenproduzentInnen sind einfach besser sind als
Männerproduzenten. Sie weinte, weil spätestens ihr neuester Film so arg
danebenging. In der Häme von neidischen männlichen Kollegen aber nur, also
eigentlich ein Grund für Freudentränen.
Der unzähligen
Reginen, die ebenfalls schon mal weinten, sei exemplarisch und in tiefer
Anteilnahme gedacht. Die meinen wir aber alle nicht.
Die nämlich,
die wir meinen, ist eine ganz besondere Regina und weint nur hie und da. Und
dann auch nur für ganz besonders Begnadete, so daß es ihren Wächtern ganz
blümerant wird, weil sie nicht dazugehören dürfen.
In Jerusalem
gibt es einen Platz, den man Dominus flevit nennt, was bedeutet: Ein Herr
weinte. Männer weinen halt auchmal. Es kann aber genauso bedeuten: Der
Herr weinte. Der Platz liegt nämlich im Garten Gethsemane. Jetzt kann man den
Sinn verstehen, denn jeder Christenmensch weiß, warum ein oder der Herr dort
weinte.
Unsere Regina
jedoch ist nicht aus Fleisch und Blut, kann daher normalerweise auch kaum Tränen
oder gar Blut weinen. Tut es aber trotzdem. Regina bedeutet Königin.
Derer gab und gibt es noch immer viel zu viele. Hat mit Emanzipation nun aber
rein gar nichts mehr zu tun. Es handelt sich auch nicht um die berühmte Regina
Theresia von Konnersreuth in der sibirischen Oberpfalz, die Blut weinte und
sogar schwitzte ein Leben lang, immer freitags. Die aber niemals eine
Transfusion brauchte. O Wunder, o Mirakel! rief der Pilger von Lourdes, in
dessen gesegneter Wasserflasche ein Zöllner feinsten Cognac fand.
Unsere Regina
steht in Heroldsbach auf einem Podest und ist eine Himmelskönigin, derer es
angeblich nur eine einzige gibt, sieht man einmal von ihren Vorgängerinnen
Astarte, Isis, Venus und vielen anderen ab. Sie müßte also eigentlich Regina
Coeli von Heroldsbach heißen, wissenschaftlich Regina Coeli Heroldsbachensis.
Heroldsbach kennt man, wie man Gethsemane kennt. Heroldsbach ist aber vor allem
näher als Gethsemane.
Regina Coeli
Heroldsbachensis kann sich eines eigenen Hofstaates berühmen. Das sind in erster
Linie ihre sündlosen Leibdienerinnen, die Hutzel- und Kräuterweiblein. Auch
stämmige Marktfrauen gehören dazu, mit denen nicht gut Kirschenessen ist.
Männlicherseits
scharen sich Hofschranzen um sie: Reuige Steuereintreiber, die die gespendeten
Finanzen verwalten und mehren. Herren in schwarzen Röcken mit Brevier, die um
sie herum lustwandeln. Wissenschaftler, die eifrig suchen. Wonach? Nach
Tränensalz natürlich. Und noch lange nicht zuletzt einige um ihr Seelenheil
besorgte Bojaren, deren Erstgeborene sich am Ende doch nicht so recht zum
Priester eigneten, und die deshalb gegen Naturalien weiteren Nachwuchs von der
Königin erbitten.
Nicht O Wunder
oder Mirakel, sondern Was Wunder unserer Zeit, daß die Tränen der Königin
angezweifelt werden, sobald sie fließen, eine ungeheuerliche Blasphemie.
So behaupteten
unter anderem unkeusche, jungfrauenfeindliche Dorfburschen, die Marktweiber
opferten ihrer Königin hin und wieder pfundweise frische Zwiebeln.
Ein
Zeitungsreporter kolportierte, vom Pfarrhof führe eine unterirdische
Wasserleitung auf direktem Weg ins königliche Haupt voll Blut und Wunden.
Schließlich
hieß es, der Mesner habe den bösen Buben des Tierarztes geschnappt. Als
Ministrant verkleidet, obwohl die Fasenacht längst vorüber war. Er führte eine
waffenscheinpflichtige Spritze bei sich, die aufgrund ihres immensen
Druckaufkommens alten, siechen Ochsen einen halben Liter Penicillin auf einen
Streich einzuschießen in der Lage sei. Der Kommandant der Freiwilligen
Feuerwehr, als Sachverständiger hinzugezogen, erklärte, das entspreche der Kraft
eines C-Strahlrohres. Das Injektionsungetüm könne bei fachmännischer Ausnützung
der Ballistik gut 30 Meter weit spritzen.
Regina Theresia
von Konnersreuth wurde einst von einem aufgeweckten Buben, einem späteren
Professor, gefragt, was es denn mit ihrem Blut so auf sich habe. Sie belohnte
ihn mit einem Backenstreich und schmeichelte: Saubua, ausg´schamter!
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Wilhelm Weglehner, Thalmässing.
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