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Mann o Mann!
Was
bisher selbst in Vierzehnheiligen, und auch dort nur unter verschwiegenen
Daunendecken geraunt wurde, verdichtete sich dank Google nun zur Gewißheit: Eva
war schuld. Weil sie, erstens, Adam um den Verstand brachte; zweitens, ihn
unterdrückte. Wir müssen jedoch nicht gleich ins Paradies zurückkehren, um dies
zu beweisen. Inzwischen belegen nämlich genügend Hochglanzfarbfotos aus der
Antike, daß es die legendären Amazonen, ein kriegslüsternes, blutrünstiges
Frauenvolk, vor dem die tapfersten Recken scharenweise das Hasenpanier
ergriffen, wirklich gab.
In der Steinzeit - daher der Name - lasen die
Männer Steine vom kargen Boden, während die Frauen bereits der Jagdlust und dem
Müßiggang frönten. Die Stunde der Arbeitsteilung hatte geschlagen. Aus unserer
Kinderzeit wissen wir von der bösen Königin, der bösen Fee, der bösen
Stiefmutter, der bösen Hexe. Eine böse Stief-Schwester, nicht eine derer im
schwarzen Ordensgewand, was ihre Ansehnlichkeit keineswegs schmälert, sorgte
jüngst wieder für Erschütterung bei Bieder-Mann, indem daß sie ihrem leiblichen
Stief-Bruder Landesvater in dessen bayerischen Himmeln die Hölle heiß machte.
Schande über die fränkischen Männer, die ihr verfallen sind! Trifft da nicht der
Volksmund mitten ins Schwarze: Fürth, Roßtal und Stein braucht ein Zuchthaus
ganz allein? Nicht für den Münchener im Himmel freilich.
Und vor der bösen Schwiegermutter bekreuzigen
sich alle Männer der Welt unisono. Sogar die ausgepichtesten Atheisten. In
Indien lassen sich frische Witwen freiwillig zusammen mit ihrem verstorbenen
Ehemann begraben, um ihn selbst noch im Tod drangsalieren zu können. Nicht
gewußt? Kurzum: Nicht von ungefähr entscheiden sich gegenwärtig immer mehr
Männer für die Gleichgeschlechtlichkeit. Zum Glück aber hat der Gesetzgeber
jetzt mit Recht die juristische Notbremse gezogen, und so wurde vor einem
bayerisch-königlichen Arbeitsgericht ein Fall von schamloser
Männerdiskriminierung verhandelt.
Der Unternehmer Heinrich Weibertreu, ein
Verräter an seinem Geschlecht, hatte per Inserat eine BuchhalterIn gesucht.
Warum keinen BuchhaltEr? fragte sich der gewitzte Buchhalter Karl
Gleichmann-Frauenschreck, klagte gegen die „geschlechtsspezifische“
Annoncierung, weil dies dem Gleichheitsgrundsatz widerspreche und - Mann höre
und staune - gewann. Der frauenleibeigene Beklagte muß ihm nun einen ganzen
Bruttomonatslohn als Entschädigung bezahlen. Obwohl die Stelle längst besetzt
war, als Herr Karl sich meldete. Besetzt freilich von einer Frau.
Also
aufgepaßt, Männer, neuen Lebensmut geschlürft und frisch ans Werk, her mit den
Stellenangeboten! Die Zeitungen sind täglich voll davon. Da könnt ihr reich
werden, wenn ihr es nur richtig anstellt. Herr Karl Gleichmann-Frauenschreck
soll bereits mit dem Gedanken schwanger gehen, eine Annoncenkontrollagentur GbR
zu gründen, hieß es in gut unterrichteten Kreisen. Nur in der Frage der
Geschlechtsneutralität bei Bekanntschaftsanzeigen müßte Mann Weibertreu sich
vorsehen. Da bestehe selbst beim BGH noch Rechtsunsicherheit, belehrte die
Richterin den Beklagten abschließend.
Das wolle er
dann doch lieber erst mit seiner Ehefrau besprechen, meinte Heinrich Weibertreu
kleinlaut. Mann o Mann! Maskulus, wo ist dein geistiger Stachel?
Solidarität, wo dein moralischer Sieg? War aber auch nicht anders zu erwarten.
Die Frauen haben schließlich ein uraltes, wenngleich in Zeiten gewisser
männlicher Befindlichkeiten immer aufs neue verzauberndes Geheimnis. Ach ja, wie
die Richterin zu diesem Urteil kam? Auch keine exorbitante oder gar
neokognitive Sensation: Reine Stutenbissigkeit.
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt: Wilhelm Weglehner, Thalmässing.
Kolumne Februar 2007
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