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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Schatztruhe

 

 

 

 

 

Philosophische Stenogramme

Zu Günther Anders etwas zu sagen bedeutete Eulen (der Philosophie) nach Athen zu tragen. In der legendären Becks Schwarze Reihe bot ihm der Verlag ein fulminantes Podium für seine Werke, und es dürfte gerade diese Kompressivität der Gedanken gewesen sein, die Verlag und Autor zu einer unverwechselbaren Einheit zusammenschmelzen ließen. Wer folgte ihr nach? Ein wenig Suhrkamps Insel-Bücherei, ein wenig Reclam, aber das Identifikatorische blieb außen vor. Dabei hätte es Odo Marquardt ebenso verdient wie Günther Anders, wenngleich sie in ihrer Diktion Welten trennte, vom Denkansatz her indes blieben sie dem Leser vertraut. Nun ja - hier geht es um Letzteren und das nicht nur weil er vor langer Zeit schon seinen Gang über diese geplagte Welt abschloß. Was hinterließ er uns in dem hier erwähnten Band? Auf rund 150 Seiten mehr als Tiefsinniges und weniger als eine Neueinteilung in Gut und Schlecht. Ihm ging es um das Sezieren des Vertrauten, des uns nur allzu bequem-eleganten Verstehens von Wut und Resignation, von Feuereifer und Eiferern, von Stromlinenköppen und Querdenken, von rückgratlosen Gesellen und Kämpfern für das Unbequeme des Über-denTellerrand-Schauens. Seinem Kompendium philosophischer Weltbetrachtung kommt deshalb der Rang eines transparenten Blicks zu, nicht der eines üblicherseits hermetischen Blicks auf uns (und er auf sich). Der enthüllt, was uns offen vor Augen liegt, bezeichnenderweise jedoch oft nicht erkannt werden will: daß wir allesamt Sehende sein könnten, wenn wir nur wollten. Bereits auf Seite 13 resümmiert Anders den Inhalt seiner Stenogramme: Laß dich niemals empfehlen. Auch mit dem enthusiastischsten Empfehlungsschreiben Einsteins in der Hand, bleibst du ein Empfehlungs-Bedürftiger, und das bedeutet: einer, der nicht in Betracht kommt. Quod errat demonstrandum! Krankt daran nicht unser Zusammenleben, nämlich an diesem elenden Empfohlenwordensein oder der Nichtempfehlenswertigkeit? Leser, die dem Autor hierin folgen, werden ihren Genuß am Weiterlesen haben; Leser, die ein Empfehlungsschreiben als Entree betrachten, mögen Anders verzeihen. Er ist eben ein Grantler, einer, der nicht mit seinen Pfunden wuchert, sondern das Wachsen und Gedeihen dessen, was er säte mit Genugtuung betrachtet. Die Saat geht ja auf: in denen, die Klugheit nicht als Monstranz nehmen, die man vor sich herträgt, sondern die Klugheit in ihrer Lebensmaxime verankert haben: als eine Geisteshaltung, die anderen keine Grube gräbt, sondern ihn fein verdeckte Gruben zu erkennen hilft. Die C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1965, bietet mit Anders Philosophischen Stenogrammen hierbei reichlich Orientierungshilfe.

 

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Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J. Michael Baerwald, Berlin.

 

 

 
 
 

 

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J. Michael Baerwald ist Herausgeber der Buchmarkt-Portale Deutscher-Buchmarkt.de I Buchmarkt-online.net I Buchbesprechungen.net.