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'Frauenleben im Biedermeier.
Berühmte Besucherinnen bei Justinus Kerner
in Weinsberg',
Berühmte Frauen bei Justinus Kerner - eine
hoch interessante Schau auf ruhmvolle Persönlichkeiten, wenngleich ihr Ruhm
wenig von dem rabaukigen Charme der Gegenwart hat. Es waren Frauen des
Biedermeiers, und deren Charme buchstabierte sich wie Esprit, nämlich geistvoll
sein können aus Bildung und Wissen heraus, nicht sub-intellektuell aus der Not
heraus erzwungen, leidiger Gast in Talkrunden sein zu müssen. Weil es
Intendanten, Verlage und Redaktionen zur Steigerung des Bekanntheitsgrades
anordnen oder aus
narzistischem Antrieb. Oder weil gerade keine andere
zur Stelle ist, die in jedes Mikrophon über ihren beschränkt-feministischen Mikrokosmos
plappert.
Die Frauen um Justinus Kerner waren bei aller
Unterschiedlichkeit der Lebensläufe davon
charakterlich weit, weit entfernt. Oder sollte man einwerfen, daß jenes
Zeitalter versiegelter, büttengeschöpter Briefkuverts ja gar keine mediale
Alternative gekannt hätte? Hatte sie aber: der Schwatz vorm Haus ersetzte alle
Funktionen moderner Kommunikationsübermittlung. (Zitat: In den Zirkeln und
Kränzchen der Residenzstadt sprach sich schnell alles herum(...): S. 107.) Der
Schwatz ließ so entweder reüssieren, wer für
lauter bis genial gelten durfte, oder er deformierte Wahrheiten bis hin zur
Verfälschung und zeitgenössischen Faktenklitterung. Wie heute, dreist, abgebrüht und wider bessere Erkenntnis.
Nur waren die Damen, die
Gegenstand dieses kleinen Kompendiums über Frauen im
Biedermeier sind - Sophie Schwab - Karoline Schiller - Agnese Schebest - Emma von
Suckow - Charlotte Gmelin - eben nicht 'die Frauen', sondern
Berühmtheiten ihrer Zeit. Sie konnten intellektuelle Verdienste vorweisen, um in Kerners Salon
d'esprit eingeladen zu werden. Sie galten als freiwillig emanzipiert und hätten
sanktionslos
niemandem gestattet, sie als gesellschaftlich minderwertige Exemplare ihrer
Gattung zu bezeichnen, weil sie die Fürsorge um Haus, Hof, Küche, Mann und Kinder als eine
alle
Frauen originäre, also deren Natur gemäße Lebensform verfochten.
Es gab immer noch die mittelalterlichen, grausligen
Schandmasken, und die, voll funktionsfähig, wäre jedem Kerl übergestülpt worden,
der sich zu solcher Verunglimpfung hätte
verleiten lassen. Er wäre der Hybris für schuldig befunden worden...
Parellelen zur Jetztzeit? Wer mag, der möge
sie ziehen. Auch in ihr herrscht weiterhin das eherne Gesetz der Wiederkehr des
ewig Gleichen. Es fraktioniert Weltanschauungen auch ohne Peitsche. Bei verbal
böse angerempelten Frauen, die ihrer Verblüffung über solche Anmaßung eines
Mannes nicht Herr wurden, und bei Männern, die bei Frauen in Hosen eine
Vereinigung penisneidiger schwarzer Sinngebungs-Dompteusen wittern.
Was Justinus Kerner, Dichter und Arzt, im
Alter zum Spökenkieker, gleichwohl Primus inter pares kultivierter Geselligkeit
geworden, von heutigen (medialen) Gastgebern unterscheidet? Sensibilität,
Respekt und enzyklopädische Bildung. Das ist's. Nicht mehr und nicht weniger.
Vielleicht noch die Unkenntnis der ebenso ehernen Kausalität von Quotendruck und
Selbstverleugung. Damit sei jenen Heutigen großzügig Absolution gewährt, die mit grimassierender
Selbstverleugung ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.
Das Buch, 'Frauenleben im Biedermeier.
Berühmte Besucherinnen bei Justinus Kerner in Weinsberg', 1998
verlegt beim württembergischen DRW-Verlag und von Karin de la Roi-Frey als Autorin mit zahlreichen Abbildungen
blendend in Szene gesetzt, sollte daher zum Kauf reizen. Die Analogie zur
Jetztzeit, zur gestrigen Gegenwart und zur zukünftigen Alltäglichkeit
dürfte den Lesern großes Vergnügen bereiten. Nicht nur weil sie famose Frauen
kennenlernen werden, sondern weil sie aufs neue entdecken, daß feministisches
Vokabular,
einhergehend mit größter Unduldsamkeit gegenüber anderslautenden Sinninhalten, stets Ausdruck
eines gravierend mangelnden Selbstwertgefühls ist - solche Neuentdeckung könnte helfen, manches
Medienspektakel im Lichte neurotisch-oszellierender Psychen zu sehen. Und dies
zu wissen wäre nicht zuletzt enorm
hilfreich für all die vielen Frauen, die sich selbst treu bleiben wollen, aber
durch viele verbale Drohgebärden und schrilles Geschrei verunsichert worden sind.
Sie, nicht die, die sie manipulieren wollen, sind auf dem richtigen Weg, das sei
ihnen zugerufen!
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J.
Michael Baerwald, Berlin.
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