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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Schatztruhe

 

 

 

 

 

'Zukunft in Bescheidenheit'

 

Wenn ein Herausgeber ein vorwiegend akademisches Klientel dafür gewinnt, sich zu Fragen der Zukunft zu äußern, ist aller Erfahrung nach Zurückhaltung hinsichtlich des praktischen Nutzens eines solchen Kompendiums geboten. Der Grund liegt auf der Hand: Hauptberuflich in den Wissenschaftsbetrieb eingebunden zu sein erfordert - analog den Wirtschaftsverbänden und politischen Kungelrunden - ein großes Maß an Leidensfähigkeit aus Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten Dritter sowie die Einsicht, daß es in der Tat erhebliche Gefälle zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt.

Dies vorausgeschickt, sollte sich der Leser dieser Zukunftsschau dennoch nicht dem Eindruck hingeben, das auf 250 Buchseiten lediglich leeres akademisches Stroh gedroschen würde, nein, es sind bemerkenswerte Aussagen darunter. Wenngleich, so mag er nach dem Studium der Hälfte des Buches einwenden, daß hier wieder nur höchst einträglich dotierte Herren und Damen Professoren Umkehr und Besinnung fordern, selbst aber von aller Umkehr und Besinnung monetär unbetroffen seien. Das ist i.d.R. so, aber klugen Gedanken sollte man sich prinzipiell nie verweigern.

Und damit beginnt der bis heute nicht getilgte Ur-Irrtum, nämlich daß allein eine üppig gepolsterte Börse entscheide, welche Lebensqualität einen erwarte. Dieser Irrtum, verwurzelt seit Adam Smith in den Köpfen aller Marktbeteiligten, bedient wohlfeil die törichte Annahme, daß ein gesellschaftliches Desaster einzig und allein aus allgemeiner monetärer Magerkeit in der privaten Haushaltsführung erwachse. Ein bitterer, sich permanent rächender Irrtum. Die hier vorgestellte Zukunftsschau datiert aus dem Jahre 1981 - dreißig Jahre später befinden wir uns als die damaligen Zukünftigen exakt in der Situation, die solche Schau verursachte: am Scheitelpunkt einer Entscheidung, nachdem das Monetäre ausgeblutet und die Massen der nebenberuflichen Zinshaie sich selbst als eigener Jäger gemeuchelt hatten. Daraus gelernt haben die wenigsten, das Halali ist weithin vernehmbar geblieben, Besessenheit verdrängt wieder den Verstand.

Wenn einer der Autoren, Professor  Heinz D. Ortlieb,  nun darauf hinweist, welche Obsessionen geistlos mehrender Wohlstand gebiert, so ist das nicht prophetisch, sondern lebenserfahren: 'Wenn wir auch mit einem gewissen Recht Freiheit und Wohlstand zu obersten Zielen erheben, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß es Ziele sind, die wir nie vollständig und auf längere Zeit erreichen dürfen, weil sie dann wie Mittel des Rausches oder der Einschläferung für uns existenzgefährend werden. Die Geschichte liefert eine Fülle von Beispielen, wie priviligierte Völker und Schichten an zuviel Freiheit und Wohlstand zugrundegingen, wobei meist offenblieb, ob sie ihre diesbezüglichen Privilegien schließlich nicht mehr verteidigen konnten oder wollten.'

Und damit ist der Charakter des Inhaltes dieses Buches aufgezeigt: nützlich für kluge Leser, die Klugheit praktisch umzusetzen willens sind, nutzlos für alle Kastraten, die sich entmannen ließen, um weniger Ballast auf der Jagd nach den monetären Schätzen dieser Welt zu verspüren. Sie beraubten sich im übertragenen Sinne damit eines wesentlichen Merkmals, nämlich des Unterschiedes zwischen erzwungener Kastration (von berechtigten Wünschen) und gewollter Kastration aus Überzeugung, sich gegen sich selbst stellen zu können. Das indes gelingt niemals, wie schon Alfred Adler dies in seiner Individualpsychologischen Praxis hinreichend bewies, als er beharrlich auf den Macht- und Geltungstrieb als begierdentreibendes Element des domestizierten Menschen rekurrierte.

Und so wird der 'kluge Leser', den als Dauergast zu begrüßen dieses Buchmarktportal die Freude hat, nicht nur Ortlieb, sondern auch Professor Hartmut Bosel zustimmen, wenn er ihm die Grundlagen eines neuen Lebensstil vorstellt, der in dem schlichten Satz gipfelt, daß wenn Wunschbild und Abbild nicht mehr in erträglichen Einklang zu bringen sind, dies eine Änderung des Lebensstiles einleite. Das ist wohl wahr, wenngleich Bosel Anfang der Achtziger vom noch nicht korrumpierten Geist der grünen Bewegung ausging und sie in seine Betrachtung wohlwollend einbezieht. Das ist legitim; was aus ihr wurde, orientierte sich zunehmend am Machterhalt, nicht mehr an den Postulaten der Verweigerung geistloser Wohlstandsmehrung. Was aus solcher Emanzipation geworden ist? Dreißig Jahre danach erzeugen der Anblick all der alt gewordenen Adepten einer einstmals klugen, geistvollen Idee nur noch Brechreiz.

Was also bietet dieses 1981 bei Ullstein, Berlin, verlegte Buch von Johannes Schlemmer (Hrsg.) 'Zukunft in Bescheidenheit. Über die Alternativen, die wir noch haben.' in summa an Ideenfindung? Alles, denn nichts ist überholt oder anders definiert worden. Wohlstandsmehrung ohne Rücksicht auf Solidität blieb das skrupellose politische Versprechen an eine in ihren monetären Ansprüchen maßlose Masse; die wenigen Besonnenen, die aufbegehrten, erfuhren, wie es ist, gegen den Strom zu schwimmen.

Als das Unwort political correctness noch in den Köpfen bald gänzlich enthemmter Deutungshoheitler schlummerte, war die mediale Plattform für kluge Köpfe jedoch schon längst abgeschafft. Heute erfährt sie darüber hinaus das Stigma der Subordination, flankiert von Rufen nach 'sozialer Gerechtigkeit'. Vereint diffamierend, schlagen sie auf alles ein, was sich dem Verlangen nach Besinnung entgegenstellt. Unter diesem Aspekt der ausufernden Entmündigung aller Warner mittels Medienentzugs in Tateinheit mit falschen Anschuldigungen bedeutete ein Menetekel an den schrill-bunten Wänden einer entgleisten Mediendemokratie von politischen Gnaden. Wie das Menetekel vollumfänglich lautet? Der Inhalt des Buches verät's. Wohlgemerkt dem klugen Leser, nicht dem sich klug dünkenden. Aber für den hat der Rezensent noch nie geschrieben.

 

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Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J. Michael Baerwald, Berlin.

 

 

 
 
 

 

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J. Michael Baerwald ist Herausgeber der Buchmarkt-Portale

 

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